Haßfurt

Kardinalfrage bleibt: War es Untreue oder Schlamperei des ehemaligen Vereinskassiers?

Es war bereits der zweite Verhandlungstermin in diesem Jahr, aber nach rund vier Stunden Verhandlungsdauer am Amtsgericht Haßfurt stellt sich immer noch die...
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Es war bereits der zweite Verhandlungstermin in diesem Jahr, aber nach rund vier Stunden Verhandlungsdauer am Amtsgericht Haßfurt stellt sich immer noch dieselbe Grundfrage: Hat der ehemalige Kassier eines Vereins im Maintal gezielt und bewusst Tausende von Euros an Vereinsgeldern veruntreut und sich persönlich bereichert? Oder handelt es sich dabei "nur" um das Ergebnis einer bodenlosen Schlamperei? Um Licht ins Dunkel zu kriegen, ordnete das Haßfurter Schöffengericht unter dem Vorsitz von Strafrichterin Ilona Conver einen neuen Termin an, an dem der Prozess fortgesetzt werden soll.
Staatsanwalt Peter Bauer listete - wie bereits beim ersten Prozesstermin Anfang März - in seiner Anklageschrift akribisch 31 Überweisungen auf, die der 58-jährige Angeklagte als Vereinskassier zwischen August 2009 und August 2012 vorgenommen hat. Dabei hat er auf sein eigenes oder auf das Konto seiner Ehefrau zumeist Beträge von mehreren Tausend Euro transferiert. Diese Zahlungsvorgänge von insgesamt mehr als 85 000 Euro sind an sich unstrittig. Die Gretchenfrage bei diesem Prozess lautet: Beruhen diese Überweisungen auf Leistungen, die der Kassier in früheren Jahren für den Verein erbracht hat, oder nicht? Die Verteidigung mit den beiden Rechtsanwälten Peter Auffermann und Martin Vollmert ist der Auffassung, dass sich die geleisteten Stunden durch schriftliche Unterlagen sowie durch die Vernehmung der damaligen Nutzer einwandfrei belegen lassen. Als Begründung für die um etliche Jahre verspätete Rechnungstellung verwies der Angeklagte auf die ehedem klamme Vereinskasse. Erst als sich genug Geld auf dem Vereinskonto befunden habe, habe er seine eigenen alten Rechnungen beglichen.
Sieben der 31 Überweisungen allerdings stellen einen "Sonderfall" dar. Bei diesen Geldbeträgen ging es nach den Ausführungen der Advokaten nicht um die Bezahlung erbrachter Leistungen, sondern darum, dass der Ex-Kassier rund 15 000 Euro auf seinem Privatkonto "ansammeln" wollte, um mit diesen Mitteln eine Investition für den Verein zu ermöglichen. Dieser ominöse Vorgang lief ohne jede Absprache oder Genehmigung des Vorstands über die Bühne. Der Rechtsanwalt Auffermann räumte ein, dass dieses eigenmächtige Gebaren absolut nicht in Ordnung sei.
Im Mittelpunkt des gestrigen Verhandlungstages stand die Vernehmung von einem ehemaligen Vorstandsmitglied sowie von zwei Kassenprüfern des Vereins. Der ehemalige Beisitzer im Vorstand (67) gab an, dass es um die Vereinsfinanzen "nicht rosig" stand. Auch er streckte die Sachkosten für Anschaffungen teilweise monatelang vor, und er verlangte nichts für seine Arbeitsstunden.
Auf die Frage von Strafrichterin Ilona Conver, ob er etwas darüber wisse, dass Mitglieder den Verein mit Krediten und Spenden über Wasser gehalten haben, antwortete der Zeuge: "Es war ein offenes Geheimnis, dass der Angeklagte dem Verein Geld gegeben hat." Wie viel, das könne er aber nicht sagen, weil er sich nicht weiter um die finanziellen Angelegenheiten gekümmert habe.


Im Zeugenstand

Anschließend traten die beiden auch heute noch amtierenden Kassenprüfer in den Zeugenstand. Sie schilderten, dass sich ihre Prüfung der Unterlagen auf Stichproben beschränkt habe. Dabei überprüften sie in erster Linie, ob zu den vorgenommenen Sammelüberweisungen die entsprechenden Rechnungen und Belege vorhanden waren. Nur in einem einzigen Fall, sagten sie übereinstimmend, sei ein zugrunde liegender Beleg nicht auffindbar gewesen.
Einer der Prüfer bejahte, dass in einer der Jahresversammlungen die Namen maßgeblicher Spender und Kreditgeber genannt worden seien. Der Name des ehemaligen Schatzmeisters sei aber nicht gefallen, obwohl dieser nach eigenen Angaben dem 2007 verstorbenen Vorsitzenden 20 000 Euro gegeben haben will. Doch über diese Summe wisse niemand etwas und sie tauche auch in keinen Büchern auf - angeblich, weil sie bar auf den Tisch geblättert wurde, erfuhr das Schöffengericht.

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