Lonnerstadt
Prozess 

Kampf ums Lonnerstadter Bier

Vor über 300 Jahren wollten die Höchstadter ihrer kleineren Nachbargemeinde verbieten, Gerstensaft zu brauen und überall im Umkreis zu verkaufen. Der Streit zog sich von 1695 bis 1715 hin, Höhepunkt war eine Besetzung der Keller.
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Die Lonnerstadter Bierkeller bestehen seit über 300 Jahren. Im Juli 1714 besetzten 60 Höchstadter das Areal und zerstörten etliche Fässer, wurden dann aber wieder vertrieben. Foto: Manfred Welker
Die Lonnerstadter Bierkeller bestehen seit über 300 Jahren. Im Juli 1714 besetzten 60 Höchstadter das Areal und zerstörten etliche Fässer, wurden dann aber wieder vertrieben. Foto: Manfred Welker
Der Absatz von Bier war schon immer ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Vor 300 Jahren ging ein Streit zwischen Höchstadt und Lonnerstadt sogar vor das Reichskammergericht in Wetzlar. Nach einem langjährigen Prozess war beiden Kommunen das Bierbrauen erlaubt.
Durch Atteste beim Reichskammergericht in Wetzlar ist belegt, dass um 1700 Bier aus Lonnerstadt nach Adelsdorf, Ailsbach, Aisch, Breitenlohe, Burghaslach, Dachsbach, Fetzelhofen, Frimmersdorf, Neuhaus, Rohensaas, Roßbach, Steppach und Unterwinterbach ausgeführt wurde. Dieses Braurecht der Lonnerstadter wollte ihnen das Oberamt Höchstadt streitig machen. Aus diesem Grund ließ der Rat der Stadt Höchstadt den Einwohnern von Lonnerstadt das Brauen und Ausführen von Bier verbieten und auch nach auswärts verkauftes Bier pfänden.
Im Namen ihrer Untertanen in Lonnerstadt wandten sich aus diesem Grund der Bürgermeister und der Rat der Reichsstadt Nürnberg bereits Mitte Juli 1695 an die fürstbischöfliche Regierung zu Bamberg. Von dort kam die Begründung, dass Höchstadt es kraft Privilegs nicht dulden müsse, dass jemand anders im Umkreis von einer Meile von Höchstadt/Aisch Bier braue. Als Bürgerschaft einer Stadt gemäß codex Justinianus (maßgebliches Gesetzbuch der damaligen Zeit) könnten die Höchstadter bessere Ansprüche auf die Ausübung dieses bürgerlichen Gewerbes geltend machen als die Einwohnerschaft eines bloßen Marktfleckens.
Der Konflikt wurde vor dem Reichskammergericht in Wetzlar anhängig, denn die Verantwortlichen in Lonnerstadt wollten beim Brauen lediglich größeren Städten ein Vorrecht zugestehen. Es wurde angeführt, dass sich die Bürgerschaft von Höchstadt aber mehr als die Einwohnerschaft in Lonnerstadt vom Ackerbau ernähren würde. Dagegen konnte die Stadt Höchstadt anführen, dass Lonnerstadt vor dem Dreißigjährigen Krieg allenfalls drei Brauhäuser aufwies, deren Bier ausschließlich dort ausgeschenkt wurde. Nunmehr befänden sich in Lonnerstadt aber dreizehn Brauhäuser, deren Bier auch nach auswärts verkauft werde.


Verkauf auch in Höchstadt

Vonseiten Lonnerstadts wurde die Erhöhung auf "etliche Brauhäuser" bestätigt, zum Lagern des Bieres wurden um 1700 Keller in die Felsen gegraben. Außerdem wurde das Lonnerstadter Bier nicht nur durch Höchstadt geführt, sondern auch dort verkauft.
Da der Urteilsspruch auf sich warten ließ, zogen im Juli 1714 an einem Samstag 60 Höchstadter nach Lonnerstadt, besetzten die Keller und schlugen den Bierfässern den Boden ein. Da sich die Lonnerstadter wehrten, mussten sie aber den Rückzug antreten.
Am 1. Februar 1715 erging in Wetzlar ein Urteil, wonach es der Bürgerschaft der Stadt Höchstadt nicht gebührt habe, die Gemeinde Lonnerstadt beim Bierbrauen, beim freien Ausschenken und Ausführen in die Nachbarorte zu stören. Höchstadt sollte darüber Kaution leiste, das gepfändete Bier ersetzen und die Prozesskosten tragen.
Der Akt beim Reichskammergericht enthält auch eine Aufstellung des gepfändeten Lonnerstadter Bieres der Jahre 1695 bis 1714 durch Höchstadt und die dadurch entstandenen Schäden sowie die Unkosten der Jahre 1695 bis 1715.
Da der Prozess mit der Erlaubnis zum Bierbrauen für beide Kommunen endete, machten beide in der Folgezeit auch reichlich Gebrauch davon. Der verlorene Bierprozess mit Lonnerstadt kostete die Stadt Höchstadt allerdings 720 Reichsthaler im Jahr 1718.
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