Wirtschaft 

Käse für aller Herren Länder

Mit guter Marktpolitik, Blick auf die Kosten und sinnvollen Investitionen steuern die Milchwerke Oberfranken West durch die Milchkrise. Landrat Busch sieht das Unternehmen als verlässlichen Partner für die Bauern der Region.
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Landrat Michael Busch lässt sich von Direktor Ludwig Weiß erklären, wie die Käsebereitung bei den Milchwerken in Wiesenfeld zentral gesteuert und überwacht wird. Foto: Rainer Lutz
Landrat Michael Busch lässt sich von Direktor Ludwig Weiß erklären, wie die Käsebereitung bei den Milchwerken in Wiesenfeld zentral gesteuert und überwacht wird. Foto: Rainer Lutz
Hellseherei war es nicht, als Ludwig Weiß, der geschäftsführende Direktor der Milchwerke Oberfranken West, vor wenigen Wochen vorhersagte, dass die Milchkrise nicht von ewiger Dauer sein würde, eher Erfahrung. Das war bei der Generalversammlung des genossenschaftlichen Unternehmens. Jetzt stellt Weiß fest, dass die Produktion von Milch in der EU seither um rund drei Prozent gesunken ist. "Das wird über kurz oder lang zu einem Preisanstieg führen", ist er überzeugt.
Landrat Michael Busch (SPD), der regelmäßig den Dialog mit der lokalen Wirtschaft sucht, wollte von Weiß wissen, wie die Milchwerke mit ihren rund 500 Beschäftigten die Krise meistern. Ludwig Weiß bleibt da entspannt. Es ist nicht das erste Mal, dass der Milchpreis auf der Erzeugerseite in den Keller geht. Möglichst viele Märkte bedienen, die Produktpalette im Auge haben und die Kosten minimieren - so haben es die Wiesenfelder Milchwerke geschafft, dass sie immer ein wenig mehr zahlen können als der bundesweite Durchschnitt. Während hier die Bauern noch 24 Cent für einen Liter Milch bekommen, sind andere Molkereien schon unter der Grenze von 20 Cent gelandet.


Steuerung wäre möglich gewesen

Die EU hätte nach Einschätzung von Ludwig Weiß regulierend eingreifen können. Prämien für den Abbau von Kuhbeständen, hätten rasch zu einer Reduktion der Produktionsmenge und damit zu dauerhaft steigenden Preisen führen können, meint er. Aber das wollte Brüssel nicht. So dauert es eben länger, bis sich die Preise erholen. Die 43 Cent je Liter, die immer wieder als Preis genannt werden, zu dem die Bauern gut arbeiten können, die wird es wohl selten geben, glaubt der Molkereidirektor. Doch: "35 Cent müssten schon mal wieder kommen", sagt er. Das bräuchten die Bauern. Sonst müssten immer mehr Betriebe hinschmeißen.
Damit jeden Tag pro Stunde aus 100 000 Litern Milch zehn Tonnen Käse gemacht werden können, wird im Schichtbetrieb rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche gearbeitet. "Es ist inzwischen schwer, die richtigen Leute dafür zu bekommen", sagt Weiß. Er braucht gute Leute, wie er betont. Denn die Arbeit mit Lebensmitteln ist sensibel. Hygiene ist enorm wichtig, Fehler in diesem Bereich können enormen Schaden anrichten.


Gefragter Berufsnachwuchs

Um Nachwuchs zu sichern, bilden die Milchwerke aus. Zur Zeit lernen sieben junge Leute dort. Der Abschluss als Milchtechnologe ist gefragt. "Das ist eine Ausbildung, mit der sie dann in vielen Bereichen arbeiten können", schwärmt Ludwig Weiß. So gut ist sie, dass viele Absolventen sogar aus dem Ausland, etwa aus der Schweiz, abgeworben werden.
Mit cleverer Kalkulation, einem Gespür für die Märkte und den richtigen Investitionen sind die Milchwerke "ein verlässlicher Partner für unsere Bauern in der Region", lobte Michael Busch. Eine wichtige Investition war der Bau eines eigenen automatisierten Hochregallagers, in dem der Käse vor dem Verkauf vor Ort reifen kann. "Früher mussten wir alles zu weit entfernten Lagern fahren, damit der Käse dort reifen konnte. Später wurde er von dort für den Verkauf wieder hierher nach Wiesenfeld gefahren", erklärt Weiß. Enorme Transportkosten könnten jetzt durch eine Lagerkapazität von 8200 Paletten am Standort vermieden werden.
Eine weitere Überlegung wäre der Bau eines eigenen Blockheizkraftwerks, um unabhängiger von den Stromanbietern zu werden. Doch da zögert Weiß noch. Die Energiepolitik sieht er nicht als sicheren Faktor an. Sollte es sich bewahrheiten, dass Betreiber solcher kleinen Kraftwerke künftig doch zumindest einen Teil der Ökostromabgabe zahlen müssen, wie gerüchteweise zu hören ist, dann würde sich so eine Investition nicht rechnen. "Da müsste in der Tat einmal für Klarheit und Verlässlichkeit gesorgt werden", gibt ihm Landrat Busch recht.


Handel macht Auflagen

Doch im Augenblick beschäftigen Weiß andere Dinge. Etwa eine Reihe von Labels, die der Handel den Molkereien und den Milchviehbetrieben aufzwingt. Weidemilch hier, Freiheit von Gentechnik dort - immer neue Zertifizierungen, die Kunden werben sollen, machen den Molkereien die Arbeit nicht leichter. Ob das allerdings wirklich von den Kunden in dem Maße honoriert wird, wie es der Handel erwartet, das muss sich noch erweisen. Im Augenblick sieht Weiß vor allem Absatzprobleme bei Scheiben- und Reibekäse. Weichkäse geht dagegen noch gut.
Den Wiesenfelder Milchwerken kommt zugute, dass sie bis in die USA und sogar nach Japan liefern. "Da braucht man allerdings die richtigen Connections", sagt Weiß vor allem mit Blick auf die USA. Connections, die er sich offenbar über die Jahre erarbeitet hat. Denn zurzeit geht der Käse aus dem Coburger Land tatsächlich in aller Herren Länder.
Die Milch, die dazu in Wiesenfeld verarbeitet wird, kommt aus weiten Teilen Frankens, aus Thüringen und sogar aus Hessen. Die Bauern der Region könnten mit ihren Kühen nicht die 500 Millionen Liter jährlich liefern, die bei den Milchwerken zu Käse gemacht werden.
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