Neustadt bei Coburg

Kärtchen bald aus Neustadt

Ansiedlung  Giesecke und Devrient verlegen die Produktion von Geld und Versicherungskarten nach Neustadt und schaffen zunächst 75 Arbeitsplätze. Weitere sollen folgen.
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Karten wie diese werden künftig in Neustadt hergestellt. Foto: CT-Archiv
Karten wie diese werden künftig in Neustadt hergestellt. Foto: CT-Archiv
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von unserem Redaktionsmitglied Rainer Lutz

Neustadt — Das neue Geld- oder Versicherten-Kärtchen, das die Landkreisbürger im Geldbeutel haben, könnte vielleicht schon bald aus Neustadt kommen. Das Unternehmen Giesecke und Devrient wird seinen Betriebszweig für die Herstellung solcher Karten nach Neustadt verlagern, wie Oberbürgermeister Frank Rebhan (SPD) bestätigte.
Die in München ansässige Firma, die auch eine Notendruckerei betreibt, wird das Gebäude auf dem früheren Corning-Areal nutzen, das zuletzt Standort der Gehrlicher Solar AG gewesen ist. Schon länger war Neustadt für diese Ansiedlung im Gespräch. Jetzt ist die Entscheidung für Neustadt gefallen, das dadurch etwa 150 neue Arbeitsplätze bekommen soll.

Kosten senken

Die Verlagerung dieses Geschäftsfeldes steht im Kontext eines Kostensenkungsprogramms, das Giesecke und Devrient im vergangenen Jahr aufgelegt hat. Das Unternehmen konnte zwar nach eigenen Angaben seinen Umsatz im Geschäftsjahr 2014 um 4,5 Prozent auf 1,83 Milliarden Euro steigern. Es sieht sich aber einem wachsenden Wettbewerbsdruck ausgesetzt. "Die bisherigen Maßnahmen zur Gegensteuerung waren nicht ausreichend. Deshalb haben wir im letzten Jahr ein umfangreiches Kostensenkungsprogramm in Höhe von 100 Millionen Euro aufgelegt, mit dem wir unsere Ertragskraft nachhaltig stärken werden", kommentierte der Vorsitzende der Geschäftsführung von Giesecke und Devrient, Dr. Walter Schlebusch, die Situation in einer Mitteilung des Unternehmens. Die einmalig aufzubringenden Restrukturierungskosten beziffert das Unternehmen auf 74 Millionen Euro.
Giesecke und Devrient druckt unter anderem Banknoten. Dieser Geschäftsbereich ist nach Unternehmensangaben Marktführer bei der Entstehung neuer Banknoten, im Bereich Substrate, Sicherheitslösungen, Banknotenbearbeitungssysteme und Automatisierungstechnologie. In diesem Geschäftsbereich wurde der Umsatz letztes Jahr um fünf Prozent gesteigert und bildet mit 887 Millionen Euro den größten Anteil am Konzernumsatz.
Ein Umsatzplus verbucht auch der Geschäftsbereich "Mobile Security", der zu den weltweit führenden Anbietern von Produkten und Dienstleistungen rund um das Bezahlen gehört. Der Umsatz stieg hier 2014 um 6,4 Prozent auf 778 Millionen Euro. Wichtige Säule war dabei die Produktion von Karten für Banken, die künftig auch in Neustadt stattfinden soll. Dass in diesem Geschäftsfeld trotz des Zuwachses beim Umsatz der Ergebnisbeitrag negativ ausfiel, führt die Geschäftsleitung auf einen weltweiten Preisverfall in diesem Sektor zurück.
Einen Umsatzverlust gab es für Giesecke und Devrient beim Geschäft mit staatlichen Sicherheitsdokumenten (Government Solutions). Mit 168 Millionen Euro waren es immerhin sechs Prozent weniger als im Jahr zuvor. Gleichzeitig wurden aber erhebliche Aufträge generiert. So liefert das Unternehmen mehrere Millionen Reisepässe an den Irak.
In diesem Jahr ist Giesecke und Devrient durchaus zuversichtlich gestartet. Die Auftragslage wird von der Unternehmensleitung als gut bezeichnet. Walter Schlebusch dazu in einer Unternehmensmitteilung: "Ich bin zuversichtlich, dass wir mit unseren innovativen Produkten und unseren zukunftsorientierten Geschäftsmodellen gute Wachstumsaussichten haben. Die notwendige Restrukturierung stärkt uns dabei den Rücken."
Frank Rebhan freut sich darüber, dass damit ein Leerstand auf dem einstigen Siemens und späteren Corning-Gelände, beseitigt wird. Es gibt aus seiner Sicht vieles, das für den Standort Neustadt und das Coburger Land spricht.
Im Vergleich zum Großraum München können Unternehmen hier günstiger produzieren - und das, ohne den Freistaat verlassen zu müssen. Zu Giesecke und Devrient sagte Rebhan: "Das ist eine Weltfirma, über die sich jeder Standort freuen würde." Er würde sich aber auch noch über möglichst viele weitere Firmen freuen.
"Wir können jedem Unternehmen, das kommen will, Gewerbeflächen oder Immobilien anbieten", versicherte der Oberbürgermeister.
Doch zunächst sind ihm und den Neustadtern die 75 Arbeitsplätze willkommen, die - nach dem erforderlichen Umbau am Ende dieses Jahres - zum Beginn des kommenden Jahres in Neustadt besetzt werden sollen. "Danach sind weitere Arbeitsplätze in der gleichen Größenordnung für Neustadt in Aussicht", so Rebhan.


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