Ebern

Junge Menschen, alte Bräuche

Pädagogik   Im Eberner Heimatmuseum führen Schulkinder durch die Geschichte, singen Lieder und erklären, wie man Butter machte.
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Die Fragen der Zuschauer haben Celina nicht aus dem Konzept gebracht. Sie ist eine Kinder-Museumsführerin.
Die Fragen der Zuschauer haben Celina nicht aus dem Konzept gebracht. Sie ist eine Kinder-Museumsführerin.
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von unserer Mitarbeiterin Johanna Eckert

Ebern — Kinder wuseln zwischen Münzen und Küchengeräten aus der Vergangenheit. Dann erklingt auch noch ein Lied inmitten der Schätze der Eberner Vorfahren. Museumschef Ingo Hafenecker freut sich. Heute ist mal richtig was los im Heimatmuseum. Sogar ein Team eines regionalen Fernsehsenders hat an diesem Nachmittag den Weg in das Museum gefunden. Aber nicht wegen Ingo Hafenecker, sondern wegen der Kinder, die seit einigen Monaten zu Museumsführern ausgebildet werden.

Wie Bauern früher arbeiteten

Die 13-jährigen Mädchen Sandra und Celina bitten die Kinder in den zweiten Stock. Da stehen sie im Herzen der Ausstellung der landwirtschaftlichen Geräte aus früheren Zeiten. "Wisst ihr, wie die Menschen früher gearbeitet haben?", fragt Sandra in die Runde. Zaghaftes Kopfschütteln. "Dann singen wir jetzt ein Lied, mit dem euch das etwas erklärt wird." Die Mädchen stimmen "Im Märzen der Bauern die Rößlein einspannt" an, und auch Ingo Hafenecker bewegt seine Lippen.
Nach dem Gesang erklären Sandra und Celina einige ältere Wörter, die im Lied benutzt werden und heute kaum noch im Sprachgebrauch zu finden sind. Die Kindermuseumsführerin macht klar: "Die Menschen früher waren nicht auf dem Sofa gelegen und haben nichts gemacht."
Sandra und Celina sind zwei der 40 Kinder, die seit Anfang des Jahres zu Museumsführern ausgebildet werden. Ab der kommenden Woche wollen sie Gleichaltrige durch das Museum und die Altstadt führen und ihnen unbekannte Dinge erklären. Das Projekt "Kinder führen Kinder" ist bislang einzigartig in Unterfranken.
Stefan Andritschke vom Bürgerverein Ebern ist auf diese andere Art der Museumsarbeit gestoßen. Er konnte Annemarie Heuler vom Referat für Kulturarbeit und Heimatpflege des Bezirks Unterfranken für die pädagogische Ausbildung gewinnen. "Dass wir die Frau Heuler haben, das ist ein wahnsinniger Glücksfall", freut sich auch Ingo Hafenecker, "die lässt sich unglaubliche Sachen einfallen. Da wird das Museum richtig aktiv entdeckt."

Das Selbstbewusstsein gestärkt

Etwas geblendet vom Scheinwerferlicht der Kamera, erläutert Celina in der Küchenstube , wie früher Milch verarbeitet wurde. Dass ihr das Wort "Zentrifuge" nicht einfällt, meint das Mädchen, liegt nicht an ihrer Aufregung. "Das kann ich mir einfach nicht merken. Da muss ich immer Sandra fragen, wie das jetzt nochmal heißt", gibt die 13-jährige - fertig ausgebildete Museumsführerin - später vor laufender Kamera zu. Ansonsten sprudelt sie nur so vor Wissen.
Celina findet es spannend zu erfahren, wie die Menschen früher gelebt haben. Dass diese Ausbildung auch ihr Selbstbewusstsein stärkt und eine tolle Übung für das Sprechen vor vielen Leuten ist, erkennt man während ihrem Interview mit dem Fernsehteam.
Am Samstag, 13. September, bei der Museumsnacht des Bürgervereins, werden die ersten Führungen von Kindern für Kinder stattfinden. Für Celina und Sandra wird das kein Problem, denn die Generalprobe vor laufender Kamera haben sie mit Bravour bestanden.
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