Lichtenfels

Jugendliches "Sprengkommando" schießt deutlich übers Ziel hinaus

von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg Lichtenfels — Das Auftreten des Angeklagten war vorbildlich: die Tat bedauernd, das Schuldeingeständnis akkurat ausformuliert, den Schaden g...
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von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg

Lichtenfels — Das Auftreten des Angeklagten war vorbildlich: die Tat bedauernd, das Schuldeingeständnis akkurat ausformuliert, den Schaden gutgemacht. Rechtsanwalt Maximilian Glabasnia sprach gar von einem "Paradebeispiel eines Täter-Opfer-Ausgleichs".
Wie passte das zum Vorwurf des vorsätzlichen unerlaubten Verbreitens von explosionsgefährlichen Stoffen? Am Ende der relativ kurz währenden Verhandlung zeigten sich Staatsanwalt Philipp Kar und Richter Ortwin Jaunich davon überzeugt, dass das Vergehen des 19-jährigen Ebensfelders mittels des Jugendstrafrechts abgegolten werden sollte.
Lauschte man den verlesenen Einlassungen des Angeklagten, so muss der 12. Dezember 2014 ein von Ungeschicktheit geprägter Tag gewesen sein. Eigentlich wollte der junge Mann mit einem gleichaltrigen Kompagnon einen bestimmten Briefkasten in die Luft sprengen. Es wurden mehrere und durch die Druckwelle wurden auch noch die Klingelknöpfe aus der Verankerung gerissen. Von 2000 Euro Schaden war die Rede. Es sei "der Reiz des Verbotenen" gewesen sowie "das Abhauen und nicht erwischt werden".
Doch dann, auf der Flucht, sei dem Kompagnon noch die Idee gekommen sein, einen weiteren Böller hochgehen zu lassen. Das geschah in der Nähe von Polizisten und so missriet die Flucht. Der Kompagnon führte unsinnigerweise auch noch einen Schlagring mit sich, was von der Polizei registriert wurde. Zum Motiv ließ sich der 19-jährige Auszubildende auch ein: Einer Frau, die einst mit seinem Vater und ihm in einer WG lebte und ihm nicht wohlgesonnen gewesen sein soll, wollte er diesen Streich spielen. Doch dazu musste er sich schon im Vorfeld schuldig machen, denn was zünden und hochgehen sollte, musste erst besorgt werden. Dazu sichtete der junge Mann Webseiten und bestellte in Polen pyrotechnische Stoffe. 60 bis 80 Euro investierte er dafür - illegal. Denn die Einfuhr solcher mit deutschen Altersvorgaben und Gesetzen nicht in Einklang zu bringenden Stoffe ist unerlaubt.
Vor Gericht zeigte sich der Beschuldigte reumütig und erwähnte, dass ihm die Handschellen, der Kontakt mit der Geschädigten und die erkennungsdienstliche Behandlung "eine Lehre" gewesen seien. Aus seiner Sicht, so Kar, könne man dem Gedanken einer Verurteilung nach Jugendstrafrecht nähertreten. Jaunich trat. Auf 400 Euro Geldauflage entschied er. Auf die Frage, ob er diesen Betrag von seinem Sparbuch überweisen solle, entgegnete der Richter, dass dies für schlechte Zeiten gedacht sei. Vielmehr solle der 19-Jährige Ratenzahlungen tätigen und so zu spüren bekommen, dass er erarbeitetes Geld aufwenden müsse.

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