Kronach
Kulturring 

Intrigen, Gier und Nervenkitzel

Am Wochenende fand im Kreiskulturraum in Kronach ein emotionsgeladenes und fesselndes Schauspiel statt. "Die Wanderhure" nach dem Roman von Iny Lorentz stellte das Publikum auf die Probe und beeindruckte mit moderner Inszenierung.
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Anja Klawun spielt die Tochter des reichen Tuchhändlers. Sie gerät im Stück "Die Wanderhure" in die Fesseln einer grausamen Intrige.  Foto: Mariell Dörrschmidt
Anja Klawun spielt die Tochter des reichen Tuchhändlers. Sie gerät im Stück "Die Wanderhure" in die Fesseln einer grausamen Intrige. Foto: Mariell Dörrschmidt
Mariell Dörrschmidt

Es ist dunkel auf der Bühne, als sich der Vorhang öffnet. Eine schaurige Szene. Düster und kalt. Dunkle Gestalten ziehen vorbei. Der mystische Eindruck fesselt. Die Schauspieler blicken verklärt ins Publikum. Riesengroße Quader werden gerückt, aufgestellt und über die Bühne gezogen. Eine Symbolik, die erst im weiteren Verlauf des Kulturring-Stückes "Die Wanderhure" deutlicher wird.
Die Quader werden zu Tischen, Bänken, Kerker, Scheiterhaufen oder Instrumenten des Ausdrucks von Macht und Gewalt. Es wird klar, dass die dunklen Gestalten Marie, die "Wanderhure", nicht nur symbolisch umschatten, sondern Vorboten ihres schlimmen Schicksals sind. Die Szenen zeigen mit großem Symbolgehalt die Leidensgeschichte der hübschen Tochter eines reichen Tuchhändlers, die Anfang des 15. Jahrhunderts zum Opfer einer durchtriebenen Intrige wird. Die Inszenierung überschreitet Grenzen, spielt mit Religion, Gier und Unzucht, sorgt für aufgewühlte Gemüter. Die Zuschauer leiden mit, hoffen und bangen mit der "Hübschlerin".
"Auf der Straße zwischen Rädern und Gestank liegt unser Glück, gemieden, hungrig, krank. Wir ziehen umher wie eine Rotte Schweine von Markt zu Markt und verkaufen nur das eine", singen die Akteure im "Huren-Rap" vom Schicksal, das der unschuldigen Marie blüht.
Über den Kampf um deren Ehre bot die Inszenierung eine moderne Variante der Spannung und Symbolik. Anja Klawun in der Titelrolle überzeugte mit ihrem Auftreten und der Verkörperung einer starken Frau, die sich trotz großer Demütigung nicht brechen lässt.
Die eindrucksvolle Inszenierung von Regisseur Thomas Luft verursachte beim Publikum Gänsehaut. Schauspieler wuchsen über sich hinaus, redeten sich in ihren Rollen um Kopf und Kragen, schrien, tobten und sangen. Die Livemusik im abgehangenen Bereich der Bühne zog die Gäste ebenfalls in den Bann der unheimlichen Intrigen und leitete deren Emotionen. Herzklopfen und Spannung inklusive. Es war kein leichtes Stück, sondern eines das nachhallt und in verschiedenster Weise ergreift, verstört und begreifen lässt. Die Gäste wurden von der dramatischen Inszenierung in Kronach mitgerissen. Die Gemüter waren am Ende gespalten, der Applaus groß.


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