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Ebensfeld

"In jedem steckt ein Baumeister"

Projekt  Mit der Initiative "Baumeister gesucht! Harry Hammer und Nicky Nagel auf Tour" bringen die Verbände der Bayerischen Bauwirtschaft das Handwerk in die Kitas. Auch der Ebensfelder Kindergarten St. Michael ist ein Teil davon.
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Zusammen mit Kindergartenleitung Ulli Zenker über die Kinder das richtige Mauern. Fotos: Lisa Kieslinger
Zusammen mit Kindergartenleitung Ulli Zenker über die Kinder das richtige Mauern. Fotos: Lisa Kieslinger
von unserer Mitarbeiterin Lisa Kieslinger

Ebensfeld — Ein etwas anderer Kindergartentag wartet auf die 24 Vorschulkinder des Kindergartens St. Michael. Statt Malen, Basteln und Lesen steht richtiges Handwerken auf dem Programm.
Harry Hammer und Nicky Nagel - alias Lukas Wolpert und Lisa Eckardt - sind momentan bayernweit unterwegs und bringen Abwechslung in den Kindergartenalltag. Im Gepäck haben sie neben einem vollen Baumeisterpaket mit Werkbank und Werkzeug auch Schulungen für die Erzieherinnen und einen Praxistest mit den Kindern.
Den Erzieherinnen Elke Zethner, Elisabeth Föhrweißer und Kindergartenleitung Ulli Zenker wurde einen Tag vorher beigebracht, wie sie den Kindern das Handwerken fach- und altersgerecht näherbringen können. Dabei hatten sie neben den beiden Profis, Lisa Eckardt und Lukas Wolpert, auch Unterstützung von zwei Müttern. Helga Schober und Nicole Hofmann nahmen ebenfalls an der Schulung teil, um die Erzieherinnen bei den Stationen entlasten zu können.

Übung macht den Meister

Die künftigen Baumeister sollen spielerisch und erzählerisch an das Thema Bauen herangeführt werden. Als aller erstes steht dabei natürlich das Üben auf dem Programm. Es ist schließlich noch kein Baumeister vom Himmel gefallen. Eingeteilt in verschiedene Gruppen lernen die Kinder an verschiedenen Stationen die wichtigsten Aufgaben eines Handwerkers kennen. Dazu gehört es, Nägel zielgenau in ein vorgesehenes Brett zu schlagen, kleine Mauersteine passgenau aufeinander zu setzen und kleine Holzblöcke auszuschneiden und zu feilen.
Wie bei jedem Bauarbeiter darf zwischen der ganzen anstrengenden Arbeit etwas nicht fehlen: die Frühstückspause.
Geübt haben die Vorschulkinder vor der Pause genug, deswegen kann es jetzt richtig losgehen. Am Ende des Tages soll nämlich eine kleine Stadt entstehen. Dafür baut jedes Kind sein eigenes Häuschen mit Garten und dazugehörigem Gartenzaun. Den Holzklotz haben die Kinder schon im ersten Teil des Projektes zurecht gesägt und gefeilt. Dieser dient als Grundgerüst für das Haus. Aus einem Dreikantholz sägen sie ein passendes Dach aus. Damit der Gartenzaun entstehen kann, schlagen die Kinder Nägel in gewissen Abständen in ein Brett. Als aller letztes können die Kinder ihr selbst gebautes Haus noch anmalen und ihren Zaun mit Wolle umwickeln. "Am Ende malen wir zusammen noch einen Stadtplan, auf dem die Häuser dann ihren Platz finden", erzählt Lisa Eckardt.
Nach so viel Arbeit können die Kinder stolz auf ihre eigene Stadt schauen und ihre Baumeister-Ausrüstung und die offizielle Urkunde mit der Aufschrift "Ich bin ein Baumeister!" entgegennehmen.

Regionale Unterstützung

Die Initiative erfährt durch Schirmherrin Emilia Müller (Familienministerin) nicht nur bayerische Unterstützung, sondern auch regionale. Die Baugesellschaft Raab aus Ebensfeld unterstützt dieses Projekt direkt vor Ort. "Das Bewusstsein und die Begeisterung muss für das Handwerk schon in diesem Alter geweckt werden - natürlich spielerisch", sagt der Geschäftsführer Wolfgang Schubert-Raab.
Das Interesse für das Bauhandwerk ist in den letzten Jahren ganz schön zurückgegangen. Auch Nachwuchsprobleme machen diesem Gewerbe ganz schön zu schaffen. "Natürlich erhofft man sich, dass solche Aktionen Früchte tragen und dem Handwerk irgendwann neue motivierte Auszubildende bringen", fährt Wolfgang Schubert-Raab fort. Auch der stellvertretende Innungsmeister der Bauinnung Lichtenfels, Dieter Gutgesell, hofft, dass sich wieder mehr junge Leute für einen Handwerksberuf begeistern können - vielleicht auch als Resultat eines solchen Projektes.

Grund für die Initiative

Praktische Lernerfahrungen treten bei der Bildung und Erziehung zunehmend in den Hintergrund. Diesem Trend möchte die Verbandsinitiative der Bayerischen Bauwirtschaft entgegen wirken und die Kleinsten schon für das Thema Bauen begeistern. Das Handwerken fördert laut Bayerischer Bauwirtschaft nachweislich das Geschick und die Konzentration.
"Das Projekt wird meist nur für Vorschulkinder angeboten, da diese die notwendige Kraft und Konzentration schon aufbringen können", erklärt Lukas Wolpert. Über 40 verschiedene Kindergärten haben Lukas Wolpert und Lisa Eckardt mit diesem Projekt schon besucht. Zehn weitere Kindergarten-Besuche mussten wegen fehlender Zeit in das nächste Jahr verlegt werden.
Ziel der Initiative ist es, das Bauhandwerken langfristig in den Kindergarten-Alltag zu integrieren. Die Schulungen der Erzieherinnen sowie das Bereitstellen von Werktisch und Werkzeugtasche ist eine große Hilfe für den Kindergarten in Ebensfeld. "Im Keller haben wir ein altes, leer stehendes Schwimmbad. Daraus wollen wir jetzt einen Kreativ-Raum für die Kinder machen, wo sie sich handwerklich austoben können und wo auch der Werkzeugtisch einen Platz findet", kündigt Ulli Zenker an.

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