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Dörfles-Esbach
Gnadenhochzeit 

In guten wie in schlechten Tagen

Werner und Lissi Beinecke aus Dörfles-Esbach haben vor 70 Jahren geheiratet. Immer füreinander da zu sein, haben sie sich damals versprochen - und genau so haben es die beiden über die Jahrzehnte gehalten.
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Werner Beinecke besucht seine Frau Lissi mehrmals in der Woche im Awo-Seniorenheim in Rödental.  Foto: Manja von Nida
Werner Beinecke besucht seine Frau Lissi mehrmals in der Woche im Awo-Seniorenheim in Rödental. Foto: Manja von Nida
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Mit seinen bald 97 Lebensjahren hat Werner Beinecke aus Dörfles-Esbach keine Zeit, dem Herrgott die Zeit zu stehlen. Der rüstige Senior pflückt in seinem blühenden Garten ein paar Blümchen für seine Frau Lissi. Die ersten Rosen blühen schon. "Sie mag Rosen sehr", sagt der Ehemann und stellt das Sträußchen behutsam in eine Vase. Werner Beinecke besucht mehrmals in der Woche seine Frau Lissi im Rödentaler Awo-Seniorenheim. Dort wohnt sie nun schon fünf Jahre lang. "Ich bringe ihr immer etwas Blühendes aus dem Garten mit, den sie so liebte. Das Leben geht, sie kann mir nichts mehr sagen, ich möchte einfach bei ihr sein."
Anderthalb Jahre pflegte der betagte Senior seine Frau zu Hause. 2012 musste sie dann nach Rödental in ein neues Zuhause umziehen, in die Hände des Awo-Pflegepersonals. Füreinander da sein, in guten wie in schlechten Tagen, das hatten sich Lissi und Werner Beinecke am Traualtar versprochen. Das war vor 70 Jahren. Ende Mai durfte das Jubelpaar seine Gnadenhochzeit feiern.
Lissi Beinecke wurde 1922 in Dörfles geboren und zunächst in Großheirat eingeschult, weil die Eltern zu der Zeit in der Erlesmühle wohnten. Nachdem sie kurz die Dörfleser Schule besucht hatte, ging sie nach Mühlhausen in Thüringen, wo sich Tante Anna und Onkel Robert freuten, dass sie ihre achtjährige Nichte wie ihr eigenes Kind verwöhnen und großziehen durften. Dort machte Lissi Dötschel eine kaufmännische Lehre in einer Papierwarenfabrik. Im Krieg wurde sie in einem Rüstungsbetrieb dienstverpflichtet. Nach dem Krieg arbeitete sie bis 1952 im Autohaus Pfeiffer in Mühlhausen als Buchhalterin.
"Ich komme aus der Thomas-Müntzer-Stadt", erzählt der Jubilar, der 1920 in Mühlhausen zur Welt kam. Im Januar 1945 bekam der junge Soldat Werner Sonderurlaub. Dabei lernte er Lissi kennen. Seine Kriegszeit in Stalingrad, Frankreich und Italien kann Werner Beinecke nicht vergessen. 1946 kehrte er aus englischer Kriegsgefangenschaft heim. Ein Jahr später heiratete das Paar in der Mühlhausener Marienkirche, in der Theologe Müntzer im Mittelalter Pfarrer war. Ihre grüne Hochzeit war sehr bescheiden. "Wir trugen geliehene Sachen, das Brautkleid und mein Anzug auch. Der war von meinem Sportsfreund", erinnert sich Werner Beinecke. Beim Turnverein Friesen hatte er viel Sport gemacht.


Die DDR verlassen

Der gelernte Buchhalter arbeitete bei der Mühlhausener Konsumgenossenschaft. Ab 1953 bestimmte Sohn Thomas den Rhythmus der jungen Familie. "Am 5. August 1954 haben wir die DDR verlassen und sind zu meinen Eltern nach Dörfles gezogen. In der DDR galten wir als Zonenflüchtlinge. Alles, was wir uns in sieben Jahren geschaffen hatten, war verloren", hatte die Jubilarin noch vor einigen Jahren sorgfältig niedergeschrieben. "Ich habe eine komplette Wohnung stehenlassen, weil meine Frau mir mehr wert war", sagt Werner Beinecke und streichelt liebevoll die Wange seiner Lissi.
Der Jubilar arbeitete fast 30 Jahre beim Tiefbau-Unternehmen Paul Wischniowsky und seine Frau als Büroangestellte im Coburger Café Renner. Sie machten gern Urlaub mit dem Auto in Italien, bauten das Elternhaus um und aus, modernisierten, pflegten Oma Nelly und liebten ihren großen Garten, auch wenn der viel Arbeit machte. Nähen war übrigens ein großes Hobby von Lissi.
Bis heute ist für Sohn Thomas und seine Frau Marion Platz unter einem Dach, was Vater Werner guttut, obgleich er sich noch selbst versorgt, kocht und wäscht. "Wir haben uns immer geachtet", gibt der Jubilar sein Geheimnis für dieses lange, gemeinsame Leben preis.
Im Seniorenheim leistet Teddy "Bruno" der Jubilarin Gesellschaft, ein Geschenk von Schwiegertochter Marion zum Selbststopfen. "Den hat meine Frau selbst gemacht", sagt der Ehemann. Seitdem gehört "Bruno" zur Familie. Den Bären nimmt die betagte Seniorin gern in die Hände. Ihren Werner trägt sie im Herzen und lächelt, wenn er sie besuchen kommt.
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