Memmelsdorf

In der Synagoge erklang Geigenspiel im Spitzenformat

Zu einem Spätnachmittag mit Kammermusik konnte Iris Wild in der Synagoge einen treuen Zuhörerstamm begrüßen. Peter und Johannes Rosenberg waren bei den Konz...
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Zu einem Spätnachmittag mit Kammermusik konnte Iris Wild in der Synagoge einen treuen Zuhörerstamm begrüßen. Peter und Johannes Rosenberg waren bei den Konzerten in diesem kleinen Raum mit einer optimalen Akustik nicht zum ersten Mal angekündigt. "Man braucht über diese beiden Künstler gar nichts anzukündigen", entschuldigte sich Iris Wild treffend am Schluss für die unterlassene Vorstellung der beiden zu Beginn.
Peter Rosenberg, ehemals Konzertmeister der Bamberger Symphoniker, und Johannes Rosenberg, gerade mal im Abituralter mehrfach Preisträger mit Referenzen von renommierten Orchestern, Dirigenten und Konzertsälen, garantierten Geigenspiel mit Spitzenformat. Wer könnte da schon aufzählen, wann und wo er Besseres gehört hätte? So mancher Zuhörer war dankbar, dieses Niveau auf dem Lande gegen eine freiwillige Spende genießen zu dürfen.


Raumfüllender Klang

Die beiden Geiger hatten sich Komponisten ausgesucht, die selbst zu Lebzeiten zu den besten Geigern zählten. Die Sonate in e-Moll von Jean Marie Leclair erfüllte zu Beginn wie etwa ein Concerto grosso von Händel oder Vivaldi den Raum und ließ fast vergessen, dass es nur zwei Violinen waren, die erklangen.
Auch das Mozart-Duo für Violine und Viola ließ durch fülligen Klang das Herz aufgehen. So stellt man sich klassische Musik vor. Vater Peter Rosenberg spielte bei diesem Stück die Bratsche, auch Viola genannt. Dass sie ein bisschen größer ist als die Geige, fällt erst auf, wenn man beide Instrumente nebeneinanderhält. Ihre leeren Saiten sind fünf Töne tiefer als bei der Geige, und ein Spieler muss zunächst das Notenlesen neu lernen, denn die Noten werden nicht im allseits bekannten Violinschlüssel, sondern im Bratschenschlüssel notiert. Der tiefere Klang bringt Abwechslung in das Programm.
Es muss nicht an Bartok liegen, wenn seine Musik demjenigen gewöhnungsbedürftig erklingt, der nur Barockmusik und Wiener Klassik liebt. Vielleicht liegt es daran, dass die ungarischen Volkslieder, die Bartok verarbeitet, dem Zuhörer oft nicht geläufig sind. Die beiden Geiger wählten aus den 44 Duos für zwei Violinen sechs aus. Beim Hochzeitstanz muss Bartok an ein unglückliches Paar gedacht haben, aber der übermütige Hinke-Tanz und die Burleske erzeugten Heiterkeit im Publikum. Bartok zählt heute zu den modernen Komponisten.
Mit Ludwig Spohr ging es wieder um 100 Jahre zurück. Zu Lebzeiten war er weit berühmter als heute, galt als vielleicht größter deutscher Geiger und meistgeschätzter deutscher Komponist, als Meister des seelenvollen Spiels langsamer Sätze.


Jüdischer Gottesdienst

Als Zugabe gab es mit dem kurzen Polstertanz eine Versöhnung mit Bartok. Iris Wild dankte den Künstlern mit einem Geschenk und wies auf die nächste Veranstaltung hin: Am 6. August um 15 Uhr wird die Rabbinerin Antje Yael Deusel aus Bamberg den jüdischen Gottesdienst erläutern. ak

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