Coburg
Lebensabschnitt 

In den Ruhestand in Raten

Man muss seinen Abschied vorbereiten. Daran hält sich Prof. Helmut Pauls. Nach über 30 Jahren an der Hochschule Coburg hat der 63-Jährige nun seine letzte Vorlesung gehalten.
Artikel drucken Artikel einbetten
In seinem Arbeitszimmer zu Hause in Weitramsdorf stapeln sich die Akten. Regale voller Ordner mit Masterarbeiten oder Fachbücher zur Klinischen Sozialarbeit stehen an den Wänden. Mehr als 30 Jahre war der promovierte Psychologe Teil der Hochschule Coburg. Er ist wohl der dienstälteste Professor, eigentlich ein Urgestein. Eine Tatsache, die man ihm nicht ansieht. Er war bei Amtsantritt der jüngste Professor an einer Fachhochschule in Bayern - und er ist jung geblieben. Verändert hat sich dafür in seinem Leben und natürlich auch an der Hochschule umso mehr.
Coburg war ein Zufallstreffer. Hätte er an einem Wochenende 1983 nicht in die Wochenzeitung "Die Zeit" geschaut, nach Oberfranken hätte es Pauls wohl nicht verschlagen. Die Wurzeln des 63-Jährigen liegen im Ruhrgebiet: Geboren ist er in Dortmund, aufgewachsen in Bochum. "Diese Professorenstelle in der ,Zeit‘, das war genau mein Profil! Beratung, Klientenzentrierte Gesprächsführung, etc. Zu meiner Frau habe ich damals nur gesagt: Aber wo ist Coburg?" Erinnern kann Pauls sich noch gut an die erste Fahrt in die Vestestadt. Ziemlich weit sei ihm das vorgekommen. Der Weg führte vor allem über Landstraßen. "Mir war bewusst, dass das alles sehr fremd ist. Die Stadt mit ihrem historischen Kern hat mir dann aber gut gefallen. Wenn man aus dem Ruhrgebiet kommt, kennt man solche Städte ja gar nicht."
Pauls gilt heute als Vater der Klinischen Sozialarbeit. Er hat zahlreiche Publikationen veröffentlicht, ein internationales Expertennetzwerk aufgebaut, das Institut für Psycho-Soziale Gesundheit gegründet, genauso wie die Zentralstelle für Klinische Sozialarbeit. Vor 15 Jahren startete unter seiner Leitung außerdem der berufsbegleitende Master "Klinische Sozialarbeit", einer der beiden ersten Masterstudiengänge in Coburg.
Für Helmut Pauls wird es zwar etwas ruhiger, was das Fachliche angeht. In Österreich und der Schweiz wird er seine Lehraufträge allerdings weiterführen. Den Abschied von der Hochschule hat der Psychologe schon in den vergangenen Jahren schrittweise vorbereitet. Die Leitung des Masterstudiengangs Klinische Sozialarbeit und die Vertiefungsbereiche Klinische Sozialarbeit im konsekutiven Master und im Bachelorstudium übernahm Prof. Christine Kröger.
Das von Helmut Pauls 1994 gegründete "IPSG-Institut für Psycho-Soziale Gesundheit" ist das erste An-Institut der Hochschule Coburg. Mehr als 30 Beschäftigte arbeiten dort heute. Helmut Pauls ist noch beratend tätig. 2014 verlieh die Hochschule Coburg ihm die Ehrenmedaille. rus

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren