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Itzgrund

Im Reich des düsteren Druiden

Bücher  Werner Karl schreibt Fantasy-Romane. Nach seiner "Spiegelkrieger"-Trilogie packt der in Herreth lebende Autor nun einen neuen Stoff an: "Menosgada" heißt die Geschichte, die er verfasst. Handlungsort ist der Staffelberg zur Keltenzeit.
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Werner Karl in seinem Wohnzimmer, wo er am Laptop seine Fantasy-Romane verfasst. Foto: Matthias Einwag
Werner Karl in seinem Wohnzimmer, wo er am Laptop seine Fantasy-Romane verfasst. Foto: Matthias Einwag
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von unserem Redaktionsmitglied 
Matthias Einwag

Herreth — Auf den Staffelberg pilgern Scharen von Wanderern. Gerade jetzt im Herbst zeigt sich der Berg von malerischer Schönheit. Werner Karl jedoch entführt seine Leser in eine magische, archaische Welt. Ein düsterer Druide, ein "Seelenfresser", drangsaliert die Menschen am Obermain. Von seiner Burg auf dem Banzberg zieht er die Menschen der keltischen Siedlung Menosgada auf dem Staffelberg in seinen unheilvollen Bann.
Für Werner Karl bietet diese Welt jede Menge Stoff zum Fabulieren. In seiner Freizeit schreibt der gelernte Siebdruckmeister an seinem neuesten Roman. Beim Tippen am Laptop im Wohnzimmer seines Hauses in Herreth wird seine Phantasie zur Fantasy.
Hier kurz die Handlung des Buches, das im Herbst 2016 erscheinen wird und von dem der Autor bisher 156 Seiten (von rund 500) geschrieben hat. So umreißt Werner Karl den Plot auf seiner Webseite: "Das wird wieder ein Dark-Fantasy-Kracher mit einem historischen Hintergrund: Verfeindete Keltenstämme treffen auf die anrückenden Germanen. Und als wäre das noch nicht Sprengstoff genug für eine spannende Geschichte, gibt es einen Schwarzen Druiden, der seine gierigen Finger nach den Seelen der Menschen ausstreckt. Auch die Liebe darf nicht fehlen: Eine keltische Fürstin und ein Germane, der vorgibt, ein Bernsteinhändler zu sein ... kann das gut ausgehen?"


Der Zentralfranke und die Kelten

Es kann. "Bei mir muss das Gute siegen", sagt der 57-Jährige, auch wenn die Zeitreise in die keltisch-germanische Geschichte viel "Blut, Schweiß und Tränen" enthält. Etliche Bücher hat der gebürtige Nürnberger ("Ich bin Zentralfranke - sehen Sie mein Fränkisch als keltische Variante an") bereits verfasst. Darunter ist die Trilogie der "Spiegelkrieger", drei Fantasy-Romane, die es jeweils auf stattliche 500 Seiten bringen. Ursprünglich hatte Werner Karl gar nicht vor, einen Fortsetzungsroman zu verfassen. Die Freude kam mit dem Schreiben: "Das ist ein Genre, da gibt's keine Grenzen."
Seit einem Jahr liegen die drei Bände auch im Print vor, nachdem sie zuvor als E-Books erschienen waren. Als Self-Publisher (also im Eigenverlag) habe er gemerkt: "Es führt kein Weg am stationären Buchhandel vorbei."


Kelten und Kult, aber keine Krimis

Dark-History- und Fantasy-Romane faszinieren Werner Karl ebenso wie Science Fiction. Das ist sein Metier. Die reale Geschichte der Kelten, Germanen und der römischen Supermacht habe ebenfalls immer große Anziehungskraft auf ihn ausgeübt, bekenn
t er. Historische Romane, Western oder Krimis zu schreiben, sei nicht sein Ding: "Das ist mir zu eng." Beim Schreiben will er unabhängig sein, die Phantasie nicht einengen, sich aber wohl von geschichtlichen Hintergründen leiten lassen. "Ich will überrascht werden von mir selber - und das kann nur die fantastische Literatur", skizziert er seinen schöpferischen Prozess, denn in dieser Erzählsparte gelte: "Anything goes" - alles ist möglich.


Schreiben ohne Grenzen

Aus der Realität heraus eine Handlung weiterspinnen - das ist es, was ihn am Schreiben von Fantasy-Romanen reizt. "Das ist ein Genre, da gibt's keine Grenzen", sagt er. Schriftstellerische Ambitionen habe er schon lange. Einige Kurzgeschichten sind erschienen, ein früher Roman liegt in der Schublade; um ihn herauszugeben, müsste er ihn sehr stark überarbeiten, sagt Werner Karl. So richtig begonnen habe er mit dem Schreiben erst vor etwa vier Jahren.
Dann aber richtig. In relativ kurzer Zeit erschienen die drei "Spiegelkrieger"-Romane, für deren Rohtexte allein Werner Karl nach eigener Einschätzung jeweils rund 1000 Stunden brauchte - die Zeit der Recherche und des Korrekturlesens gar nicht gerechnet. Dabei verlässt sich Werner Karl jedoch nicht auf sich selbst, sondern nimmt die Hilfe professioneller Lektoren in Anspruch. Denn er weiß, dass man sich manchmal verfranzen kann oder verrennen. Zwar zeichne er seine Charaktere gewissenhaft durch und überdenke seine Texte selbst immer wieder kritisch, bevor er fortfahre - aber er wisse auch, dass der Plot stimmig sein muss und die Handlungsfäden aufeinander zulaufen müssen, um den Leser nicht zu verwirren.


Bei Geocaching fündig geworden

Wie er zum "Menosgada"-Stoff gekommen ist? Werner Karl lacht. "Ich kannte diesen Namen zunächst gar nicht", antwortet er. Seine Frau habe ihn eines Tages aufgefordert, sich gemeinsam auf Entdeckungstour zu begeben und nach den Verstecken der Geocach-Gruppe "Menosgada" zu suchen. Er stuzte. Daraufhin habe sie ihm erklärt, dass das der Name des Staffelbergs zur Keltenzeit sei. Er habe sich hingesetzt, im Internet recherchiert - und dann hat's klick gemacht. Oder wie sich Werner Karl lautmalerisch ausdrückt: " ...  es machte ticke-ticke-ti-tick!" Seine Phantasie meldete sich, und - beim Teutates! - aus den ersten schemenhaften Vorstellungen wurde auf magische Weise ein zauberhafter Handlungsstrang. Ein Stoff, wie geschaffen für den Fantasy-Autor, denn nur wenige Fakten über die keltische Besiedlung sind bekannt, längst nicht alles. Vieles ist uns schleierhaft - etwa warum die Kelten den Staffelberg so übereilt verließen, wer ihr Fürst war, ja sogar wie sich der Stamm nannte, der um die Zeitenwende auf dem Tafelberg saß.
Hier kommt die Phantasie ins Spiel, ja sie kommt sogar voll zum Zug: Es könnten doch die Germanen gewesen sein, die dem keltischen Stamm der "Menos gader" zusetzen, ihn vom Staffelberg vertrieben. "Ich will keinen historischen Roman schreiben", sagt Werner Karl. Sehr wohl recherchiere er jedoch, wie die Lebensumstände, die Waffentechnik, die kultischen Rituale zu jener Zeit gewesen sind. Ein Fantasy-Autor dürfe erfinden. Schon in seinen "Spiegelkrieger"-Romanen, die in dem von römischen Legionen besetzten Britannien um 180 nach Christus spielen, sei er nach diesem Rezept verfahren: "Alles was ich dort beschrieben habe an Grausamkeiten, das ist nicht mir eingefallen, sondern denen." Mit "denen" meint er römische Legionäre sowie Krieger der Picten und Kaledonier, die sich grausame Schlachten lieferten oder sich in Guerillataktik zusetzten. Die "Spiegelkrieger" seien somit ein Drama über den ungleichen Kampf zwischen römischen Elitesoldaten und kompromisslos zuschlagenden Einheimischen ....
Die Arbeit für den "Menosgada"-Roman fesselt Werner Karl. Wie war der Berg befestigt, wie wohnten die Leute zu jener Zeit, welche Feldfrüchte bauten sie an und welche Speisen gab es? Schließlich kann es nicht jeden Tag Wildschweinkeulen und Eberschäuferla gegeben haben wie bei Asterix. Bücher und Internet, aber auch Fachleute geben ihm wertvolle Hinweise.

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