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Herzogenaurach

"Ich bin kein Psycho!"

Depression Bei Kindern und Jugendlichen ist die Behandlung psychischer Störungen eine Herausforderung, die durch Tabuisierung in der Gesellschaft verschärft wird. Weil immer mehr betroffen sind, stoßen Berater an ihre Grenzen.
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Für Eltern,die mit der Depression ihres Kindes konfrontiert sind, stellt sich Frage: "Was habe ich falsch gemacht? War ich zu streng?" Hier als Szene dargestellt von unserer jungen Leserin Laura.
Für Eltern,die mit der Depression ihres Kindes konfrontiert sind, stellt sich Frage: "Was habe ich falsch gemacht? War ich zu streng?" Hier als Szene dargestellt von unserer jungen Leserin Laura.
von unserer Mitarbeiterin Alicia Göpner

Herzogenaurach — "Ein großes Problem ist es, dass Jugendliche und Kinder nicht oft auf ihr Leiden hinweisen. Hier ist die Aufmerksamkeit von Eltern gefragt, die reagieren, wenn es dem Nachwuchs plötzlich schlechter geht", betont Simone Steiner, Leiterin der Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstelle in Herzogenaurach, die vom Caritasverband getragen wird.
Gerne würde sie mehr Kräfte aus ihrem Team aus Psychologen, Pädagogen und Heilpädagogen einsetzen, um sich der Prävention von psychischen Störungen zu widmen. Mit diesem Wunsch steht sie nicht allein da: In Erlangen-Höchstadt kommen auf 4525 Einwohner ein Psychotherapeut, ein Verhältnis, das über dem bayerischen Durchschnitt liegt, bei dem auf 3187 Menschen ein Therapeut kommt. "Wir sind mit unserer Beratungstätigkeit ausgelastet", beschreibt Steiner die Versorgungslage.

Schwierige Abgrenzung

Erziehungsberechtigte sollten frühzeitig Hilfe für ihre Kinder holen, obwohl das Thema in unserer Gesellschaft noch immer tabuisiert ist. Aber wie stellt man fest, ob es sich tatsächlich um eine depressive Neigung, oder nur um eine pubertäre Stimmungsschwankung handelt? "Die Abgrenzung fällt nicht leicht, so Steiner, die selbst Heilpädagogin ist. Dennoch besteht die Möglichkeit, anhand einer Liste von ausgewählten Symptomen einen Eindruck zu bekommen, ob es sich um eine psychische Störung handelt. "Besser ist es auf jeden Fall, einmal zu viel zum Psychotherapeuten oder einer Beratungsstelle zu gehen, als eine psychische Veränderung zu versäumen", warnt Simone Steiner.
Gut wäre es, präventiv gegen psychische Störungen vorzugehen: In der Schule, zum Beispiel. "Man könnte ein Schulfach einführen, in dem es um die eigene psychische Gesundheit geht", schlägt Steiner vor. "Da könnte gezeigt werden, zu was man selbst in der Lage ist, um das eigene Wohlbefinden zu stärken."
Jaroslava Fuchs, Diplom-Psychologin für Lern- und Psychotherapie mit eigener Praxis in Höchstadt, führt in Zusammenarbeit mit der AOK ein solches Programm an Schulen durch. "Relax Kids" hilft Kindern der dritten und vierten Klassen, eigenen Stress zu erkennen und zu vermeiden. Hier können die Kinder in kleinen Gruppen auf spielerischer Weise soziale Fähigkeiten und kooperativen Umgang miteinander einüben und aktiv für das eigene Wohlbefinden sorgen. "Es kommt bei den Kindern sehr gut an und fördert ein positives Gruppenerleben", berichtet Fuchs. Die Teilnahme ist kostenlos, die Schulen können es auf Anfrage bei der Krankenkasse anfordern." Auch Entspannungskurse für Kinder- und Jugendliche können bei innerer Unruhe, Schlafstörungen sowie bei Beschwerden wie Kopf- und Bauchschmerzen helfen, weiß die Diplom-Psychologin. In der kognitiven Verhaltenstherapie nutzt man die Entspannung bei vielen Behandlungen", erklärt Fuchs.

Kognitive Verhaltenstherapie

Falsch liegt, wer meint, dass psychische Störungen eine Randerscheinung der Gesellschaft sind: Ein Viertel der Bevölkerung zwischen 18 und 65 Jahren leidet in seinem Leben an einer psychischen Störung, wobei Depressionen am häufigsten vorkommen. Von depressiven Symptomen ist die Gruppe von 18- bis 29-Jährigen am meisten betroffen. Unterschiede zwischen den Geschlechtern kann man feststellen: Während altersübergreifend bei 8,1 Prozent von Frauen eine Depression diagnostiziert wird, sind es bei Männern nur 3,8 Prozent. Bei beiden Geschlechter wirkt das Zusammenleben mit einem Partner als psychischer Schutzfaktor: Eine depressive Störung tritt weniger häufig auf.
Nicht zu verwechseln: Vom Caritas-Verband in Erlangen wird keine psychotherapeutische Behandlung angeboten. Stattdessen bezieht sich das Angebot der Beratungsstellen zur Behandlung für Eltern, Jugend und Familie zum Beispiel auf die Unterstützung von Eltern, deren Kinder an Depression leiten.
Zusätzlich wird für die jungen Patienten eine Begleitung angeboten, oder die Weiterleitung
an einen niedergelassenen Psychotherapeuten, wenn nicht nur eine situative Depression vorliegt. Jugendlichen bietet sich auch die Teilnahme an der Beratungsgruppe "Helden des Alltags" an, unter der Leitung eines Psychologen oder Heilpädagogen. In dieser Gruppe geht es darum, eine Anleitung für die Interpretation des Verhaltens ihrer Eltern zu bieten, und die Möglichkeit, für familiäre Belastungen auf ein offenes Ohr zu treffen.
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