Bad Staffelstein

Hubert Kolling hat die Wasenmeisterei in Eichelsee erforscht

Im Verlauf seiner Forschung zur Ortsgeschichte von Unterzettlitz stieß der Heimatforscher Hubert Kolling immer wieder auf Rechnungsbelege eines Wasenmeister...
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Mit Schäfer Josef Strauß beginnt in Eichelsee die Linie Strauß.  Archiv: Hildegunde Drescher
Mit Schäfer Josef Strauß beginnt in Eichelsee die Linie Strauß. Archiv: Hildegunde Drescher
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Im Verlauf seiner Forschung zur Ortsgeschichte von Unterzettlitz stieß der Heimatforscher Hubert Kolling immer wieder auf Rechnungsbelege eines Wasenmeisters Schönsteiner aus Eichelsee. Diese Gemeinderechnungen umfassten einen Zeitraum von gut 50 Jahren und weckten das Interesse des Heimatforschers.
Über seine Forschungsergebnisse zur Geschichte der "Einöde Eichelsee", die von einer Wasenmeisterei über eine Schäferei bis zur heutigen Landmetzgerei reicht, referierte Hubert Kolling nun vor der Staffelsteiner Ortsgruppe des Geschichtsvereins CHW im Stadtmuseum. Seine intensive Suche in verschiedenen Archiven förderte mehr Material zu Tage, als der Referent erwartet hatte.
Eichelsee liegt als Einödhof im Schnittpunkt der Linien Pferdsfeld-Bad Staffelstein und Unterzettlitz-Horsdorf. Eine erste urkundlich belegte Erwähnung Eichelsees fand Kolling in einem undatierten Nachtrag des Haus- und Grundsteuer-Katasters aus dem Jahr 1853. Demnach bestand Horsdorf aus 32 Anwesen, darunter auch die Hausnummer 32 "Eichelsee des Ehepaares Simon und Margarethe Schönsteiner", die das Anwesen im Januar 1875 von einem Dietrich Bachsteffel erwarben. Der am 24. März 1879 in Eichelsee geborene Simon Schönsteiner war der Sohn des aus der Oberpfalz übergesiedelten Wasenmeisters Bartholomäus (Johann Bartl) Schönsteiner.
Die weit abseits von Horsdorf und anderen Gemeinden gelegene Einöde Eichelsee habe sich anscheinend als idealer Standort zum Betrieb einer Wasenmeisterei angeboten, sagte Kolling. Schönsteiner übte den Beruf des Wasenmeisters - seine Aufgabe war das Wegschaffen gefallener und getöteter Tiere - als Einziger im Bezirk Staffelstein aus. Dafür zahlten ihm die Gemeinden einen festen Preis, der von der Einwohnerzahl der jeweiligen Ortschaft abhängig war.


Für Hygiene zuständig

Die Aufrechterhaltung der öffentlichen Hygiene war seit vielen Jahrhunderten eine hoheitliche Aufgabe. Wurden anfangs noch die verendeten Tiere auf dem Misthaufen oder in den nahen Bach geworfen, legten die Städte und Gemeinden ab dem 13. Jahrhundert sogenannte Wasenplätze an. Das Verscharren der Tierkadaver übernahm ein von den Städten und Gemeinden beauftragter Wasenmeister. Sein Arbeitsplatz und meist auch der Wohnort war die Wasenmeisterei oder Abdeckerei. Aufgabe des Wasenmeisters war, die Kadaver zu begraben und mit einem Rasenstück, dem sogenannten Wasen, abzudecken. Die Bauern waren dazu verpflichtet, sämtliche Tierkadaver dem Wasenmeister zu übergeben, der zunächst die verwertbaren Teile aussortierte.
Wie Kolling erläuterte, gingen die Tierhäute an die Gerbereien, die Knochen und das Fett kauften die Seifensieder, die Klauen und das Horn die Leimsieder, die verfaulte Fleischmasse fand ihre Verwertung bei den Salpetersiedern. Nur ein kleiner Rest, der nicht verwertet werden konnte, wurde vergraben oder verbrannt.


Strenge polizeiliche Vorschriften

Aufgrund der Geruchsbelästigung und der Seuchengefahr wurden die Wasenmeistereien immer außerhalb der Orte angelegt. Schon damals regelten strenge polizeiliche Vorschriften den Betrieb der Wasenmeistereien und den Umgang der Bauern mit Kadavern.
Wieder zurück zur Familie Schönsteiner nach Eichelsee. Der bereits erwähnte Simon Schönsteiner übernahm 1903 das elterliche Anwesen. Heute führt Metzgermeister Bernd Strauß die Metzgerei weiter.
Die ursprüngliche Wasenmeisterei wandelte sich mit der Zeit zu einer Schäferei, weiter zu einem landwirtschaftlichen Betrieb mit Schweinezucht bis zur heutigen Landmetzgerei. Im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte wurde das Anwesen in Eichelsee immer wieder durch An- und Umbauten den jeweiligen Bedürfnissen und Erfordernissen angepasst.

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