Burghaslach

"Hosla" feiert fröhlich und tolerant

Kirchweih  Zwei Anläufe brauchte es für die Burghaslacher Kerwasburschen, bis der Baum stand. Schuld daran war ein übler Scherz. Der Stimmung tat das keinen Abbruch. Auch für die Flüchtlinge zeigte man sich offen.
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Beim Kirchweihumzug wurde natürlich auch das Thema Flüchtlingsunterbringung aufgegriffen - mit Seitenhieb auf eine Bürgerinitiative.  Fotos: Sonja Werner
Beim Kirchweihumzug wurde natürlich auch das Thema Flüchtlingsunterbringung aufgegriffen - mit Seitenhieb auf eine Bürgerinitiative. Fotos: Sonja Werner
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von unserer Mitarbeiterin Sonja Werner

Burghaslach — Die am Donnerstag geschlagene Kerwasfichtn aus dem Wald holen wollen und sie total geschält und fast geköpft vorfinden - das war eine böse Überraschung für die Kerwasburschen und -madli von Burghaslach. "Da hört der Spaß auf", so Bürgermeister Armin Luther. "Von mir aus einen solchen Baum stehlen und ihn erst gegen Auslöse herausgeben, das wär noch eine Kerwasgaudi. Aber so - das ist blinde Zerstörungswut und nicht mehr lustig!"
Die Kerwasjugend dachte ähnlich am Samstagvormittag, doch die Kirchweih wollte man sich dadurch nicht verderben lassen.
Also flugs einen zweiten Baum geschlagen, eingefahren und geschmückt. Und sie schafften es tatsächlich, die wartenden Zuschauer nicht zu enttäuschen. Pünktlich um 14 Uhr waren die jungen Leute am Marktplatz und konnten ihr Werk beginnen.
Eine Neuheit gab es heuer: Die Kerwasfichtn in Burghaslach ist ab jetzt mit einer stützenden Aufstellvorrichtung versehen. "Die schrecklichen Geschehnisse vor einigen Wochen in Moosbach haben auch uns die Sicherheitsvorkehrungen überdenken lassen", so Luther. Sogar Ingenieure und Statiker wurden bemüht, damit in Burghaslach wirklich nichts passieren kann. Ergebnis: eine genau angepasste Stütze. Länger als 25 Meter darf ein Kirchweihbaum in Burghaslach nun nicht mehr sein, dann stimmt's auch mit der Statik. "Wen stört das?", fragen die Burschen und Madli. "Unser Baum ist dennoch der schönste!"
Welche bösen Nachbarsbuben den dummen Gedanken mit der Baumschändung im Wald hatten, wissen die jungen Leute noch nicht. "Wir jedenfalls nicht", erklärt der Johannes aus dem Nachbarort Gleißenberg entschieden. "Die Gleißenberger haben Besseres zu tun, als nachts im Wald rumzugeistern." Dass die aufgestellte Fichte dann übrigens noch einmal leicht angeschält wurde, stört die Burghaslacher wenig. "Wenn's Spaß macht...", grinsten sie.
Um auf einen der Umzugswagen am Sonntag zu kommen, war diese Geschichte natürlich zu kurzfristig. Doch das brauchte es auch nicht. "Den längsten Umzug im Landkreis haben wir", darauf sind die rund 60 jungen Leute immer stolz. Auch heuer brachten sie wieder 15 Wagen zusammen. Das in ihren Augen unfähige Gemeinderatsmitglied, die streitsüchtigen Nachbarn, der Pechvogel, der nicht nur von der Leiter fiel - alle bekamen ihr Fett weg.
Eine ganz wichtige Botschaft stand in der Kerwaszeitung, die einer Bürgerinitiative galt, die wohl mit scheinheiligen Argumenten die Aufnahme von Flüchtlingen verhindern wollte: "In Hosla ist mer hilfsbereit, bei so am Thema braugn mir kann Streit. Wer Hilfe braucht, ist stets willkommen, mir hoffen, die Kritiker ham's heut vernommen."
Eingeläutet wurde der Umzug traditionsgemäß von der Gleißenberger Volkstanzgruppe, die althergebrachte Kerwastänze vorführte. Für den Bieranstich am Samstag brauchte das Gemeindeoberhaupt zwar vier Schläge - doch Hauptsache, das kühle Nass floss. Bei der Musik am Abend im Zelt gab es schier kein Durchkommen, so voll war es. Der Frühschoppen am Montag war ebenfalls gut besucht - er hat schließlich einen Namen im Landkreis.
Trotz des Missgeschicks mit der Fichte war die Burghaslacher Kerwa wieder ein voller Erfolg. Der "Hosler Brauch" und die anderen sich kümmernden Vereine waren genauso zufrieden wie die Besucher.

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