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Neuenmarkt

Hochwasseropfer klagen an

Überschwemmung  Hegnabrunner Familien greifen nach dem Starkregenereignis vom August die Gemeinde an: Der Kanal sei marode und hätte saniert werden müssen, sagen die Anwohner der Waldenburger Straße, die auf Schäden von bis zu 150 000 Euro sitzen bleiben. Der Bürgermeister weist die Vorwürfe zurück. Der Kanal entspreche den anerkannten Regeln der Technik.
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von unserem Redaktionsmitglied 
Alexander Hartmann

Neuenmarkt/Hegnabrunn — Nach den sintflutartigen Regenfällen am 2. August standen die Keller etlicher Anwesen in Hegnabrunn unter Wasser. Einige Anwohner bleiben auf ihrem Schaden sitzen, weil sie keinen Versicherungsschutz hatten. Auf 150 000 Euro beziffert allein die Familie Kastner aus der Waldenburger Straße die Schadenshöhe. Bei ihr stand der Keller bis zur Decke unter Wasser. Die Heizungsanlage ist inzwischen wieder instandgesetzt worden, die Kellerräume sind aber noch leer, nachdem alles als Sperrmüll entsorgt worden ist. Wann die Räume wieder nutzbar sein werden, steht noch in den Sternen.
Wie die Familie Kastner erhebt auch die Familie Sachs schwere Vorwürfe gegen die Gemeinde. Den Schaden an seinem Anwesen beziffert Dieter Sachs auf 20 000 Euro. Bei ihm stand der Keller einen halben Meter unter Wasser. Sachs, der Sprecher von fünf Familien aus der Waldenburger Straße ist, ist der Auffassung, dass trotz erkannter massiver baulicher Mängel am Kanalsystem die Kommune über Jahre nichts unternommen habe. Diese habe versagt und dadurch den Schaden massiv erhöht, so Sachs, der mit seinen Nachbarn im September der Gemeinde einen Fragenkatalog übersandt hatte.

Keine Antwort

"Wir haben bis heute nichts gehört. Eine funktionierende Verwaltung sollte doch in der Lage sein, innerhalb von fast drei Monaten zu antworten", meint der Hegnabrunner. Die Familien wollten wissen, wann das Baugebiet Königsberger Straße und Waldenburger Straße an die Kanalisation angeschlossen worden ist, ob weitere Baugebiete angeschlossen wurden und ob nach den Kellerflutungen 1996 und 2007 bauliche Maßnahmen in Erwägung gezogen worden sind. Dass der Kanal hätte saniert werden müsse, habe die Gemeinde bereits 2006 gewusst, sagt Dieter Sachs, der wie seine Mitstreiter vermutet, dass keine oder nur noch wenige Unterlagen vorhanden sind, zudem unzulässige oder nur mündliche Absprachen getroffen wurden.

"Keine unbürokratische Hilfe"

Auch die unbürokratische Hilfe, die von Bürgermeister Siegfried Decker (Neuenmarkter Gemeinschaft) versprochen worden sei, habe man nicht erfahren. Decker habe am Tag nach dem Hochwasser leere Versprechungen gemacht. "Die von der Gemeinde immer wieder angeführten Gespräche mit uns Hochwasseropfern in der Waldenburger Straße hat es nicht gegeben." Wie viel Geld durch den initiierten Spendenaufruf zusammengekommen sei, "haben wir auch nie erfahren".
Die Hochwasseropfer haben sich auch an höhere Stellen gewandt, wurden laut Sachs aber abgewiesen. Die Regierung habe an das Landratsamt als zuständige Kommunalaufsichtsbehörde verwiesen, das Landratsamt darauf, dass das Kanalnetz von der Gemeinde beziehungsweise den Gemeindewerken betrieben werde.

Decker ist überrascht

Siegfried Decker ist vom Vorgehen der Anwohner überrascht, die selbst seit dem 12. September nicht mehr nachgefragt hätten. Der Wunsch nach einer Aussprache sei nie geäußert worden worden. Den Hochwasseropfern habe man damals gleich gesagt, "dass es in der Sache keine schnelle Patentlösung gibt". Es bringe nichts, "wenn wir hier im Detail in der Vergangenheit herumkramen". Der Gemeinderat habe unverzüglich ein Ingenieurbüro mit der Erarbeitung eines Hochwasser-Schutzkonzeptes für Hegnabrunn und Neuenmarkt beauftragt. In öffentlicher Sitzung sei darüber informiert worden. "Das Konzept brauchen wir als Entscheidungshilfe für das weitere Vorgehen." Das Wasserwirtschaftsamt sei auch eingeschaltet. Wie Decker mitteilt, soll das Hochwasserkonzept noch 2014 vorgelegt werden. "Der Gemeinderat wird dann über die nächsten Schritte beraten."
Wie er ausführt, entspricht die Abwasserleitung in der Waldenburger Straße den anerkannten Regeln der Technik. "Sie ist richtig dimensioniert und erfüllt ihre Aufgaben in ausreichendem Umfang." Das habe das Ingenieurbüro bestätigt. Das Kanalnetz sei im Oktober hydraulisch berechnet worden. Über weitere Schutzmaßnahmen für zufließendes Oberflächenwasser aus Feld und Flur kann dem Bürgermeister zufolge erst entschieden werden, wenn eine entsprechende Planung mit Kostenschätzung vorliegt. "Denn so kostspielige Maßnahmen müssen ja auch von der Allgemeinheit finanziert werden."
Darüber, dass eine staatliche Finanzhilfe nur durch einen Antrag im Einzelfall gewährt werden könne, habe das Landratsamt die Bürger informiert. Die Spendenaktion selbst habe etwa 4000 Euro eingebracht. "Anträge von Geschädigten können bis 31. Januar an die Gemeinde gestellt werden", teilt Decker mit.

Keine absolute Sicherheit

Das Landratsamt habe den Anwohnern auch mitgeteilt, dass eine absolute Sicherheit vor Überschwemmungs ereignissen nicht zu erreichen sei und von der Gemeinde nicht gefordert werden kann. Decker: "Der Gemeinderat ist aber bemüht, im Rahmen eines Gesamtkonzeptes Maßnahmen durchzuführen, um weitere Schäden durch Starkregenereignisse soweit wie möglich zu vermeiden."

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