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Eltmann
Geschichte 

Historische Wüstung Kalkofen

Der Verein für Heimatgeschichte Eltmann schaute sich ein Wanderziel genauer an. Chroniken erwähnen eine Siedlung nahe des "Kalkofenbrunnens". Der Sander Heimatforscher Mark Werner berichtet vom aktuellen Kenntnisstand.
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Das Mauerwerk ist gut erkennbar, das zu seinem eigenen Schutz inzwischen wieder überdeckt wurde. Es gehört offensichtlich zu einem "Schürloch", von dem aus der dahinter liegende Kalkofen beheizt wurde. Die Weinflasche fand sich im Laubwerk und war leider leer. Sie hilft jedoch beim Einschätzen der verwendeten Mauersteine.  Fotos: Mark Werner
Das Mauerwerk ist gut erkennbar, das zu seinem eigenen Schutz inzwischen wieder überdeckt wurde. Es gehört offensichtlich zu einem "Schürloch", von dem aus der dahinter liegende Kalkofen beheizt wurde. Die Weinflasche fand sich im Laubwerk und war leider leer. Sie hilft jedoch beim Einschätzen der verwendeten Mauersteine. Fotos: Mark Werner
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Dass es zwischen Eltmann und Trossenfurt einst eine Siedlung des Namens Kalkofen gab, ist unter Geschichtsinteressierten längst bekannt und in den existierenden Chroniken mehrfach erwähnt, wie Mark Werner berichtet. Es ist auch keine große Kunst anzunehmen, dass sich die Wüstung irgendwo im Bereich der "Kalköfer Wiesen" oder am "Kalkofenbrunnen" befand. Beide Örtlichkeiten sind lokal bekannt und in den modernen Karten eingezeichnet.
Doch viele Fragen sind und waren bislang noch offen: Etwa ob es wirklich einen Kalkofen gab und wo dieser lag? Wo befand sich die "Markung", also das Kulturland rund um die Siedlung? Wo lag die Siedlung? Haben die Sagen von einer "versunkenen Mühle" vielleicht einen wahren Hintergrund? Die Liste könnte unendlich fortgesetzt werden.


Ein seltsamer Stein ...

Der agile Verein für Heimatgeschichte Eltmann kümmert sich vorrangig um das Eltmanner Heimatmuseum und um alle Geschichtsepochen der Stadt. Nicht wenige sind Mitglieder im archäologischen Arbeitskreis des Historischen Vereins Landkreis Haßberge. Es war ein seltsamer Stein, der den oft zitierten Anstoß zu vielen Entdeckungen brachte. Dieser Stein, der offenbar "glasiert" war, fiel dem Eltmanner Stadtförster Christian Bartsch bei seiner Arbeit im Wald nahe dem Kalkofenbrunnen auf. Er kennt die Heimatforscher und übergab den Stein zur weiteren Untersuchung.


Glasiert durch Hitze

Nach kurzer Recherche stand fest, dass es sich um einen typischen örtlichen Sandstein handelt, dessen äußere Sandschichten sich jedoch unter großer Hitzeeinwirkung in eine "Glasur" verwandelten. Der Fachmann weiß: Solche Steine sind typisch für Kalköfen, die aus Sandsteinen errichtet wurden. Also suchten die Heimatkundler die Fundstelle des "Steins des Anstoßes" auf, wo sie erst nichts Auffälliges sahen. Da lag jedoch auch offenbar unrechtmäßig entsorgter Plastikmüll, den man bei der Gelegenheit gleich aufräumen wollte. Und dabei fanden die Heimatforscher weitere glasierte Steine, die zudem in einer auffälligen Regelmäßigkeit lagen. Schon sehr bald wurde klar, dass es sich um einen Teil des historischen Kalkofens handeln muss, weshalb die Geschichtskenner umgehend jegliche Aufräumarbeiten einstellten: Schließlich war für sie nun das Bodendenkmal offensichtlich, weshalb jeglicher Eingriff nur mit offizieller Erlaubnis und Fachkunde erfolgen darf.
Intensive Beschäftigung mit dem Thema und die Studie hochmoderner Reliefkarten des Geländes brachten Bestätigung und weitere Spuren hervor. Wo sich heute ausgedehnte Wälder im Eltmanner Stadtwald befinden, lag einst das Kulturland, dessen Ackerraine und Wölbäcker (historische Ackerform) sich teilweise bis heute erkennen lassen.
Auf der nahen Anhöhe "Steinhügel" sind bis heute Kalksteinbrüche erkennbar, die bis in die Neuzeit den für Straßen- und Wegebau nötigen Schotter lieferten. Die Kalköfer Wiesen indes dürften aufgrund ihrer auffällig ebenen Form inmitten des Birkenbacher Tals verlandete Mühlteiche sein. Solche Mühlteiche brauchte man an kleinen Bächen, da man in ihnen das Wasser speicherte, das man für einen Mühlgang benötigte.


Gebrannten Kalk gemahlen

In der Mühle, die ein filigranes Holzbauwerk für gelegentliche Nutzung gewesen sein dürfte, könnte der gebrannte Kalk gemahlen worden sein. Das Produkt war für die mittelalterliche Mauertechnik sehr wichtig und dürfte auch im "Krautstücht", also dem Burgfried der Eltmanner Wallburg, zu finden sein.
Willi Lediger, "Herz" der Eltmanner Heimatforschung, fertigte aufgrund der neuen Erkenntnisse eine kurzweilige Dokumentation zur Wüstung Kalkofen an, die auch auf Sagen und Geologie eingeht. Die Doku kann im "ritz" am Eltmanner Marktplatz erworben werden. Interessenten beantworten die Aktiven des Vereins für Heimatgeschichte Eltmann und des Historischen Verein Landkreis Haßberge gerne Fragen. red
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