Neustadt bei Coburg
Geburtstag 

Heinz Elsner wird an Neujahr 90

Der Altersjubilar ist Frühaufsteher und sorgte 40 Jahre dafür, dass das Tageblatt pünktlich im Briefkasten liegt.
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Früher eilte die ganze Familie Elsner mit drei Kindern in aller Herrgottsfrühe durch Brüx und versorgte die Bergdörfler mit der Tageszeitung. Und selbst mit 90 Jahren sorgt der muntere Senior Heinz Elsner noch heute für einen reibungslosen Zeitungsservice, wenn auch nicht mehr von Haus zu Haus. Foto: Manja von Nida
Früher eilte die ganze Familie Elsner mit drei Kindern in aller Herrgottsfrühe durch Brüx und versorgte die Bergdörfler mit der Tageszeitung. Und selbst mit 90 Jahren sorgt der muntere Senior Heinz Elsner noch heute für einen reibungslosen Zeitungsservice, wenn auch nicht mehr von Haus zu Haus. Foto: Manja von Nida
Am Neujahrstag darf Heinz Elsner als Frühaufsteher in Brüx den Tag etwas geruhsamer angehen lassen. Der Brüxer "Zeitungsmann" hat zwar sonntags keine Verpflichtungen, doch diesmal ist der Sonntag ein ganz besonderer: Der muntere Senior hat Geburtstag und wird 90 Jahre.
Die Brüxer werden ihren stets verlässlichen "Zeitungsbringer" zu würdigen wissen! Immerhin sorgte Familie Elsner über 40 Jahre dafür, dass ihre Mitbürger in den frühen Morgenstunden die neuesten Nachrichten erhielten. Sogar die drei Elsner-Kinder halfen früher noch vor Schulbeginn mit.
Diesen exklusiven Leserservice erledigt Heinz Elsner noch heute. Allerdings wird nicht mehr ausgetragen, vielmehr kümmert sich der Jubilar am zentralen Depot um den Ablauf. Dort holen sich die Bewohner ihre Zeitung am Schulbushäuschen.
"Früh um halb sechs ist meine Zeit, da bin ich ausgeschlafen und muss was tun. Dann gehe ich zu meinen Zeitungen zum Wartehäuschen. Man soll nicht meinen, was da alles angeliefert wird! Da sind viele Werbeflyer dabei", beschreibt Heinz Elsner die Papierflut. Gut verschnürt warten die Papierpakete auf ihn.
Dem ordnungsliebenden Herrn gefiel das nicht, "denn da war ein Durcheinander. Jeder bediente sich und zog aus den Stapeln, was er brauchte". Das wieder in Ordnung bringen, das machte er sich zu eigen. "Das ist meine Früharbeit, die mir Spaß macht. Ich ordne alles, denn eine halbe Stunde später kommen schon die ersten Leute, die arbeiten müssen und die nehmen sich ihre Zeitung gleich mit."
Heinz Elsner ist Brüxer. Das Neujahrskind von 1927 kam im Elternhaus zur Welt. Nach der Volksschule im Nachbarort Höhn lernte er Industriekaufmann. Mit 17 Jahren musste er an die Front und sollte in Wien die Stadt vor russischen Kampftruppen verteidigen.


Kriegserlebnisse

"Als der Stadtkommandeur uns in unserer Schulkleidung sah, schickte er uns sofort wieder nach Hause", erinnerte sich Elsner. In Uniform steckte man die Heranwachsenden. Sie wurden zur Autobahnverteidigung der Berlin-Strecke eingesetzt.
In amerikanischer Kriegsgefangenschaft mussten sie teils in Belgien, teils in Frankreich in Kohlengruben schuften. 1947 kehrte Elsner heim.
Der junge Mann fand bei der Neustadter Hypobank einen Arbeitsplatz und blieb dort 40 Jahre bis zum Ruhestand. Auf einer Schulung in Nürnberg verliebte er sich beim Tanz in Fräulein Erika.
Fein gekleidet, mit Stöckelschuhen und frisch gelockter Kurzhaarfrisur reiste die junge Dame mitten im Winter nach Coburg. Ganz Kavalier, holte Elsner seine Braut in spe mit dem Vater vom Coburger Bahnhof ab. Das Froschgrundtal lag tief verschneit und der alte Elsner-VW kam den Berg nach Unterhöhn nicht mehr hinauf.
Die Männer hatten vorsorglich für das Fräulein Braut eine warme Pelzmütze sowie eine Pluderhose samt Stiefeln dabei, was die Dame zuvor vehement abgelehnt hatte. "Lieber wollte sie etwas frösteln und schön aussehen", schmunzelte der Senior in Erinnerung.


Die "weiße Wand"

Doch beim Anblick einer zwei Meter hohen Schneemauer und dem anschließenden Fußmarsch sei sie sehr dankbar für die Winterkleidung gewesen. Als sie verheiratet waren, gehörte der Wintersport mit Skilanglauf und Skibetrieb auf den Bergdorfhöhen bei Familie Elsner jeden Winter dazu.
Heinz Elsner half neben seiner Bankarbeit den Eltern in der Landwirtschaft, lieferte für Vaters Korbwarenhandel Material aus, holte die fertigen Lampenschirme ab und machte die Buchführung.
Zudem war er aktives Mitglied bei der Feuerwehr und Gründungsmitglied des Sportvereins SV Bergdorf von 1949 sowie des Bürgervereins Bergdorf. Bis Brüx zu Neustadt eingemeindet wurde, war Elsner Gemeinderatsmitglied.
Noch heute ist Singen seine Leidenschaft. Seit Jahrzehnten singt Tenor Elsner im Singkreis Mönchröden und dem Kirchenchor der Gemeinde Mönchröden-Bergdorf.
Auch wenn die Jahre sich körperlich bemerkbar machen, sind kleine Spaziergänge für den Naturfreund eine Wohltat. Im Sommer genießt der Rosenliebhaber seinen Garten und ackert darin, soweit die Kräfte es erlauben.
Und Tochter Carin umsorgt als gelernte Krankenschwester den Vater liebevoll. Vor einigen Monaten holte der Herrgott Elsners Ehefrau Erika zu sich, doch die Kinder sowie Enkelin Jana sind stets für ihn da.


Zeit im Kirchlein

"Ich kann meinem Herrgott nur danken, dass ich diese Jahre erreicht habe", sagte Jubilar Elsner ehrfürchtig, der gern und oft in seinem schönen Bergkirchlein verweilt. "Und ich würde mir zutrauen, dass es noch ein bisschen so weitergehen darf."
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