Kronach

"Heimatkunde zum Anfassen" am Marterl

Kronach — "Unscheinbare Geschichtszeugen und ihre unvergesslichen Geschichten" lautete das Thema der teilnehmerstarken Tour für Wanderer und Nordic Walker, mit der der Heimatpflege...
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Bernd Graf erläuterte den Teilnehmern der Denkmaltags-Tour die Geschichte der Dreifaltigkeitsmarter und die Bedeutung des in ihrer Bildnische dargestellten Gnadenstuhls.  Foto: Reinhard Weber
Bernd Graf erläuterte den Teilnehmern der Denkmaltags-Tour die Geschichte der Dreifaltigkeitsmarter und die Bedeutung des in ihrer Bildnische dargestellten Gnadenstuhls. Foto: Reinhard Weber
Kronach — "Unscheinbare Geschichtszeugen und ihre unvergesslichen Geschichten" lautete das Thema der teilnehmerstarken Tour für Wanderer und Nordic Walker, mit der der Heimatpflege-Verein Gehülz/Seelach/Ziegelerden und die Nordic-Walking-Abteilung des TVE Gehülz das Programm der Kreisheimatpflege zum Denkmaltag bereicherten. Rund um den Mittel- und Unterlauf des Seelabachs wurde unter der Leitung von Bernd Graf und Susanne Weber "Heimatkunde zum Anfassen" geboten.
Eine der Stationen war in der Tannenstraße vor dem ältesten Anwesen des ehemaligen Gehülzer Gemeindeteils Seelabach. Dieser Siedlungsplatz ist im 16. Jahrhundert als Wustung Töpfergraben oder auch als Töpfer swustung bezeugt. Hier erläuterte Bernd Graf zwei auf den ersten Blick kurios anmutende Vorgänge: wie der Siedlungsname Seelabach das gleichnamige Fließgewässer "überquerte" und wie die Mundartfassung dieses Ortsnamens zum Hausnamen Sällabouche in Kestel wurde. Die vor dem Anwesen Tannenstraße 31 stehende Dreifaltigkeitsmarter zeigt in ihrer Bildnische eine Trinitätsdarstellung, die laut Graf dem Typus Gnadenstuhl zuzuordnen ist. Dabei halten die beiden Hände von Gott Vater das Kreuz mit Jesus Christus daran.

Sinnbild

Der Gnadenstuhl gelte als Bild der Dreifaltigkeit, der Erlösung und der Einladung an den Tisch des Herrn, erläuterte Graf. Eine zentrale Botschaft des Gnadenstuhl-Motivs laute: "Es ist nur möglich, direkt vor den Thron Gottes zu gelangen, wenn man den Zugang über seinen Sohn wählt."
Aufgesucht wurde auch ein Jagdgrenzstein von 1604, der zusammen mit weiteren Artgenossen am östlichen Haßlacherberg eine Hoch- und Niederwildgrenze zwischen dem Hochstift Bamberg und der Herrschaft von Redwitz zu Theisenort markiert hatte. Die tiefe Schleifmulde am Stein verdeutlichte, dass er als Ruhstein zweckentfremdet worden war. Bewohner von Unterbreitenloh, die Wasser aus dem Seelabach holten, hatten über eine lange Zeit ihre gefüllten Wasserbutten auf dem Grenzstein abgestellt.

Schatten des Kriegs

Eine weitere Station war die Hinrichtungs-Eiche am Breitenloher Berg in Kronach. Ein kürzlich am Baum angebrachtes Kruzifix unterstreicht die Erinnerung daran, dass am 8. April 1945 der vom fliegenden Standgericht Helm zum Tod verurteilte deutsche Soldat Herbert Susel dort erhängt wurde.
Auf die Informationen über die Gräueltaten an deutschen Soldaten und Zivilisten, die der Terror- und Willkürjustiz der deutschen Wehrmacht zuzuschreiben waren, reagierten viele der Teilnehmer an dieser Denkmaltags-Tour mit Betroffenheit.

Neues Erinnerungsmal

Im Zusammenhang mit den lokalen Ereignissen gegen Kriegsende 1945 wurde auch darauf hingewiesen, dass an der Stelle der ehemaligen Soldatengräber am Waldrand bei Dennach von einem Seelacher Einwohner jüngst ein Erinnerungsmal errichtet worden sei. Dort sind zwei deutsche Soldaten bestattet, die am 12. oder 13. April 1945 durch Granatsplitter aus US-Panzern getötet worden waren. red

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