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Coburg

Heilige Handlungen heute erleben

An Feiertagen, Ostern, genauso an Weihnachten, aber auch sonst bei diversen Gelegenheiten kann man in den Kirchen ein bisschen Hölle erleben, bereitet von d...
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An Feiertagen, Ostern, genauso an Weihnachten, aber auch sonst bei diversen Gelegenheiten kann man in den Kirchen ein bisschen Hölle erleben, bereitet von den lieben Mitmenschen wie alle wahren Höllen auf dieser schönen Erde. Die (mehr oder weniger) Gläubigen suchen in den großen Gottesdiensten ein bisschen Besinnung, Rückbindung, gar etwas Mystik, die Begegnung mit dem Anderen.
Letztere können sie zuverlässig haben, und zwar in Gestalt von Eltern mit Kleinkindern. Die nämlich scheinen immer häufiger heiliger als die heiligen Handlungen am Altar.
Die Rede ist nicht von den Kleinen auf den Armen von Vätern und Müttern, die halt mal einen Quäker von sich geben, wie man im Fränkischen zu sagen pflegt. Sondern von jenen Familien, die den Gottesdienst für einen Besuch auf dem Abenteuerspielplatz zu halten scheinen.
Die Kleinen müssen sich doch bewegen dürfen, sollen es doch sogar. Was ist besser als eine trampelnde Runde nach der anderen um die Kirchenbänke zu drehen? Wie reizvoll, wenn jemand freundlich versucht, das Kind zu Stille zu bewegen: Solch entschiedenes "Nein" und dann weiter gerast, ist das nicht putzig?
Rhythmisches Klatschen auf dem Steinboden, während der Pfarrer das Hochgebet spricht. Gabentischchen und sonstiges Kirchenmobiliar? Wunderbar geeignet zum Versteckspielen oder die um Fassung bemühten Gläubigen zu necken.
Noch immer keine wirkliche Reaktion von deren Seite? Mal schauen, was passiert, wenn solch ein Gabentischchen zu wackeln beginnt. - Jetzt kommt doch tatsächlich der Vater gemessenen Schrittes einher und führt das Söhnchen vorsichtig wieder in den Hintergrund. Von dort - auf in die nächste Runde um die Kirchenbänke.


Achtung! Gereizte Eltern

Aber ich bitte Sie, es ist doch ein Kind!! Und Sie werden doch nicht mit erst bittenden, dann allmählich leidenden und bösen Blicken jemanden aus der Kirche vertreiben wollen.
Außerdem Warnung: Eltern können heutzutage ungemein gereizt mit nicht vorhersehbaren Folgen reagieren, sollte jemand das Wort, und sei es noch so vorsichtig geflüstert, gegen das Verhalten ihres kleinen Heiligtums erheben.
Stellen wir mal nüchtern fest: Für viele Kirchenbesucher kehrt in solchen Stunden weder Ostern noch Weihnachten und auch sonst nichts Positives in die Herzen ein; wenn sie sich nicht einfach ärgern, sind sie nur noch mit ihrer eigenen Fassung beschäftigt.


Wer wehrt?

Es gab in Coburg schon mutige Pfarrer, die es wagten darauf hinzuweisen, dass niemandem etwas Gutes getan werde, wenn man Kindern nicht Einhalt gebietet, die nicht in der Lage sind, eine Weile ruhig zu beobachten und Eindrücke in sich aufzunehmen. Derlei Initiativen stießen - auf geteilte Reaktionen. Christen müssen doch dulden können.
Nachdem es aber immer häufiger vorkommt, dass sich feierliche Stunden, religiöse Akte, zunehmend auch Theater- und Konzertvorführungen ("Es ist doch ein Kind") in nervliche Höllenattacken verwandeln, wünscht man sich sehnlichst eine Gegeninitiative:
Vielleicht eine konzertierte Aktion der verschiedenen Gemeinden, die mit erklärenden Plakaten (?) wenigstens dem Eindruck entgegenwirken, dass es gerechtfertigt sei, wenn ein einzelnes kleines - ja sicher unschuldiges - Menschlein zweihundert andere genüsslich tyrannisiert. Helfer/Berater (psychologisch geschickte), die freundlich und diskret eingreifen, wenn wieder jemand nicht merkt oder nicht wahrhaben will, dass er einen religiösen Akt gerade in ein mühsam über die Runden zu bringendes Spektakel verwandelt.
Ja, Kinder sind uns heilig. Aber doch nicht über alles andere hinweg. - Man wird doch wenigstens überlegen dürfen.
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