Bamberg

Heckmann dankt für Vertrauen

Der 24-Jährige leitete mit seiner Energie die Wende der Bamberger in München mit ein. Die Bayern-"Message" wird von den Brose Baskets eindrucksvoll erwidert.
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20 Punkte erzielt, neun von zehn Freiwürfen getroffen, sechs Rebounds abgegriffen und exzellent verteidigt - die Bilanz von Patrick Heckmann - hier gegen Deon Thompson (links) und Maxi Kleber - war herausragend. Brad Wanamaker (29 Punkte) lobte den 24-Jährigen: "Er hat den Unterschied ausgemacht." Foto: Daniel Löb
20 Punkte erzielt, neun von zehn Freiwürfen getroffen, sechs Rebounds abgegriffen und exzellent verteidigt - die Bilanz von Patrick Heckmann - hier gegen Deon Thompson (links) und Maxi Kleber - war herausragend. Brad Wanamaker (29 Punkte) lobte den 24-Jährigen: "Er hat den Unterschied ausgemacht." Foto: Daniel Löb
"Wir wollen den Bambergern eine Message geben, dass wir noch da sind", hatte Bayern-Trainer Svetislav Pesic im Vorfeld des Bundesliga-Spitzenspiels im Audi-Dome gegen die Brose Baskets versprochen. Und der "Alte", wie der 66-jährige Grantler serbischer Abstammung genannt wird, hielt Wort. Die Botschaft des Münchner Coaches wurde 30 Minuten lang von den Bambergern noch nicht so ernst genommen. Erst nach einem 17-Punkte-Rückstand Ende des dritten Viertels wachten die Mannen von Bambergs Banden-Zampano Andrea Trinchieri auf. "Da habe ich die richtigen fünf Spieler gefunden, die dem Team halfen", sagte der 19 Jahre jüngere Coach auf der Bamberger Seite.


Schnellere Formation

Der Italiener setzte im vierten Abschnitt auf eine kleinere, schnellere Formation. Center Leon Radosevic blieb auf der Bank, Power Forward Daniel Theis kam foulbelastet nur achteinhalb Minuten zum Zug und Nicolo Melli fand zumindest offensiv (bis dahin) nicht ins Spiel. Das zwang Pesic dazu, seinen langsamen "Big Man" John Bryant (15 Punkte) in den letzten 15 Minuten überwiegend auf der Bank zu belassen.
Mit einem 14-Punkte-Rückstand ging der deutsche Meister ins Schlussviertel. Hier übernahmen Patrick Heckmann, der wohl sein bisher bestes Spiel im Brose-Trikot absolvierte, der nach seiner überragenden ersten Halbzeit (16 Punkte) etwas abgetauchte Brad Wanamaker und Elias Harris die Partie in der Offensive. 24 der 29 Bamberger Punkte im vierten Abschnitt erzielte dieses Trio.
In der Abwehr standen die Gäste den Dreierschützen der Münchner förmlich auf den Füßen. Acht verschiedene Bayern trugen mit Treffern aus der Distanz zur 56-prozentigen Quote (10 von 18) bis dahin bei. Bis zum Ende verringerte sich diese auf immer noch gute 39 Prozent (12 von 31).
Die Wende leitete ausgerechnet ein Ex-Bamberger ein. Alex Renfroe, 2013 mit den Brose Baskets deutscher Meister, beging vier Minuten vor dem Ende übermotiviert sein viertes Foul, lamentierte und saß Sekunden später nach einem "Technischen" mit dem fünften auf der Bank. Brad Wanamaker bestrafte dies mit fünf Punkten in einem Angriff (3 Freiwürfe plus ein Halbdistanztreffer) zum 75:74. Die Bayern waren kons-terniert, fanden im Angriff kaum mehr ein Mittel, das Brose-Bollwerk zu knacken.
In der hochintensiven Schlacht mit insgesamt 64 Fouls (33:31) und 71 Freiwürfen (31:40) versäumten es die Bamberger, die Partie in der regulären Zeit nach Hause zu bringen. Bei einer Zwei-Punkte-Führung in der Schlussminute dribbelte sich Wanamaker den Ball auf den Fuß, Melli und Heckmann trafen jeweils nur einen von zwei Freiwürfen.


Kleber: Zu viele Fouls gemacht

So rettete der beste Münchner, Nationalspieler Maxi Kleber (10 Punkte, 7 Rebounds), sein Team fast mit der Schlusssirene in die Verlängerung. "Wir haben mit zu vielen Fouls gearbeitet, das hat uns das Spiel gekostet", benannte der 24-jährige Würzburger den seiner Meinung nach entscheidenden Faktor.
In der "Überstunde" hatten die Münchner nicht mehr viel entgegenzusetzen. Melli und der griechische Routinier Nikos Zisis sorgten schnell für eine Fünf-Punkte-Führung. Zudem blockte Melli dreimal Würfe der Bayern ab. Heckmann packte an der Freiwurflinie den Sieg in trockene Tücher. "Das hat Spaß gemacht. Vor allem, dass ich am Ende auf dem Parkett stand und mir der Coach das Vertrauen geschenkt hat, freut mich", sagte der viel gelobte 24-jährige Bundesliga-Neuling. "Nach dem 17-Punkte-Rückstand haben wir einfach Basketball gespielt", so Heckmann nach dem Schlüssel zur Wende gefragt.
Das Schiedsrichter-Trio stand auf beiden Seiten in der Kritik. Trinchieri kassierte bereits im ersten Viertel ein technisches Foul, Pesic schimpfte in der Schlussphase heftig und trat in der Pressekonferenz verbal nach. "Ob das ein Foul von Renfroe war, weiß ich nicht. Und selbst wenn es eins war, muss man ein Technisches nicht auch noch pfeifen", kommentierte der "Alte" die wohl entscheidende Situation in der 37. Min., als er sein Team massiv benachteiligt sah.
So wurde die "Message" des Herausforderers um die deutsche Meisterschaft von den Bambergern eindrucksvoll erwidert. Das musste auch die Münchner Prominenz um Uli Hoeneß, Fußballstar Javier Martinez und Ex-VW-Vorstandschef Martin Winterkorn einsehen. "Platz 1 war das Ziel, das haben wir erreicht", meinte Trinchieri lapidar und drückte sich seine neue Brille auf der Nase zurecht.
Ausruhen auf ihren Lorbeeren dürfen sich die Bamberger allerdings nicht. In zwei Wochen geht's bei Null los. Das Heimrecht in allen eventuellen entscheidenden fünften Spielen der Play-off-Runden dürfte der in der eigenen Halle noch ungeschlagenen Mannschaft jedoch ein gewisses Selbstbewusstsein verleihen.
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