Lichtenfels

Handwerk hat goldenen Boden - und Chancen, die zu wenig bekannt sind

von unserem Redaktionsmitglied Ramona Popp Kreis Lichtenfels — Im September ist längst nicht Schluss für den Berufseinstieg. Bäcker- und Kreishandwerksmeister Mathias Söllner beton...
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von unserem Redaktionsmitglied Ramona Popp

Kreis Lichtenfels — Im September ist längst nicht Schluss für den Berufseinstieg. Bäcker- und Kreishandwerksmeister Mathias Söllner betont, dass er auch im Dezember jemanden einstellen würde.
Im Bäckerberuf ist die Arbeitszeit eine besondere Hürde, die junge Leute oft abschreckt. Darüber müsse offen gesprochen werden, betont Söllner. Der Arbeitsbeginn sei in den vergangenen Jahren nach vorne gerückt, liege heute oftmals schon bei 23 Uhr oder spätestens 1 Uhr. Natürlich sei es machbar, es so einzurichten, dass einer pro Schicht etwas später kommt oder auch unter der Woche mal einen freien Tag hat, um auch mit diesem Beruf am Sozialleben teilnehmen zu können.
Etwas genervt ist Söllner, wenn Elternteile - meistens die Mütter - das Vorstellungsgespräch führen. Er wolle schließlich nicht die Erziehungsberechtigten einstellen. Sehr gute Erfahrungen hat er mit Förderschülern gemacht. "Das werden keine Betriebsleiter, aber zuverlässige, fleißige Mitarbeiter,
die dankbar und treu sind."
Gute Betriebe bekämen auch Auszubildende, müssten heutzutage wohl aber Abstriche machen, meint der Bäckermeister, der sich in der Innung engagiert.
Auch in anderen Handwerksberufen tut es Not, das Bild in der Öffentlichkeit auf den aktuellen Stand zu bringen. Da rum ist Michael Limmer bemüht. Er ist Handwerkspate für Schulen im Landkreis und einer der Geschäftsführer der Haustechnik-Firma Limmer & Söllner in Altenkunstadt. Limmer sieht die Unternehmen gefordert, Nachwuchskräfte für sich zu gewinnen. "Diejenigen, die sich engagieren, haben da weniger Probleme."
Die Masse aber beschäftige sich zu wenig mit dem Thema und klage nur darüber, keine Bewerber zu haben. Für manche Firmen kann dies, wie er aufzeigt, in den kommenden Jahren zu einer existenziellen Frage werden. Man müsse etwas tun, investieren, im Internet präsent sein, sich im Betrieb entsprechend aufstellen, zum Beispiel durch einen Ausbildungsleiter, der sich explizit um die Auszubildenden kümmert, Weiterbildung anbieten.
"Wir sind auf Fachkräfte angewiesen und unser höchstes Gut ist das Wissen unserer Mitarbeiter." Auch bei der Entlohnung sieht Limmer Handwerksunternehmen gefordert. In seiner Branche werde längst nicht von allen nach Tarif bezahlt, wie es bei ihm der Fall sei. Zusätzlich werde ein betriebsinternes Gesundheitsmanagement angeboten, damit Mitarbeiter länger fit bleiben.

Duales Studium bietet Chancen

Besonders interessant findet Michael Limmer die Möglichkeiten, die ein Duales Studium in Verbindung mit einem Handwerksberuf bietet - "weil junge Menschen nach viereinhalb Jahren einen Ausbildungsabschluss, einen Meisterbrief und einen Bachelor haben können". Es gebe kaum einen schnelleren Weg, gutes Geld zu verdienen. Handwerk habe definitiv goldenen Boden. "Es gibt so viele Möglichkeiten, von denen viele nichts wissen", sagt der Handwerksmeister. Sein jüngstes Referat vor oberfränkischen Gymnasiallehrern zielt genau darauf ab, diese Möglichkeiten bekannter zu machen.






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