Lichtenfels
Handwerkskunst 

Hände, die Engel erschaffen

Der Lichtenfelser Thomas Knauer ist einer der wenigen, der das Schnitzen von Figuren als Profession gewählt hat. Mittlerweile ist er Rentner, ans Aufhören denkt er noch lange nicht.
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"Es ist keine Kunst, es ist ein Handwerk", sagt Figurenschnitzer Thomas Knauer aus Lichtenfels. Dabei untertreibt der 63-jährige Schreinermeister ein bisschen, denn es gehört viel Talent und Vorstellungsvermögen dazu, aus einem Holzblock eine filigrane Figur zu erschaffen.
Nicht einmal vorfräsen mag er seine Schnitzereien, wie es heutzutage oft gemacht wird. Lediglich mit der Bandsäge stutzt er das Holz grob zurecht, dann beginnt die Feinarbeit. Mithilfe einer zweidimensionalen Zeichnung schafft Knauer Kunst in 3D: Von der fränkische Hausmadonna über Engelsmotive bis hin zu Jäger-, Bäcker- oder Bauernfiguren - Knauers Laden in der Farbgasse 8 bietet Holzschnitzereien für beinahe jeden Geschmack.
"Die meisten Leute suchen Stücke für den privaten Gebrauch", berichtet Knauer, beliebt sei der heilige Christophorus als Hausschutzpatron für Lkw-Fahrer, der heilige Florian bei Feuerwehrleuten. Die Engel würden oft Kindern zur Kommunion geschenkt, zur Gesellenprüfung gibt es sogenannte Profanfiguren, die Handwerksberufe abbilden.


Bis 50 Stunden pro Figur

Zwischen 30 und 50 Stunden braucht der Schnitzer, um eine etwa 50 Zentimeter große Figur zu fertigen. "Gesichter oder Faltenröcke sind am schwierigsten", sagt Knauer und deutet auf den Rock einer jungen Zigeunerin, die sich schwungvoll in einer Tanzbewegung dreht.
Die Modellzeichnungen zu einigen Schnitzereien habe er von Kollegen bekommen, so Knauer, denn in Kunstschreiner-Kreisen tausche man sich häufig aus. Allerdings werden die Kollegen immer weniger. Derzeit pflegt Knauer noch Kontakte nach Coburg, Kulmbach oder an die Rhone, im Lichtenfelser Raum kennt er kaum jemanden mehr. Auch mit dem Nachwuchs sieht es mau aus, denn man müsste sich nach abgeschlossener Schreinerausbildung auf die Kunstschreinerei spezialisieren. "Viele werden Bauschreiner. In der Industrie sind die Löhne höher", sagt Knauer, er selbst habe auch schon ausgebildet, aber es sei enttäuschend "wenn keiner bei der Stange bleibt". "Man braucht eben Ruhe und muss wissen, dass man kein großes Geld verdient", erklärt Knauer. Selbst hat der Schnitzer das Handwerk von Vater und Großvater gelernt, die Schreinerei ist in der dritten Generation im Familienbesitz.


Übung macht den Meister

Stolz hält er eine seiner ersten Schnitzereien in die Höhe, eine naturbelassene Christusfigur. "Nicht unbedingt ein Paradestück, aber Übung macht den Meister", schmunzelt Knauer. Im Laufe seines Lebens hat er zahlreiche Schnitzereien für die Kirchen im Lichtenfelser Raum angefertigt, auch für Banz oder Vierzehnheiligen.
Das waren beispielsweise mit Barockornamenten verzierte Kirchenbänke, Altarergänzungen oder Lesepulte. "Manchmal fliegen den Kirchen die Engel davon, dann brauchen sie Ersatz", schmunzelt der Schreinermeister. Auch das Christuskreuz auf dem Platz in Klosterlangheim stammt aus seiner Werkstatt.
Knauer zufolge eignen sich Lindenholz und Zirbelkiefer besonders gut zum Schnitzen. Kirchentüren und Kirchenbänke werden oft aus sogenannter Brauscheiche gefertigt, einer Baumart mit besonders feinporigem, weichem Holz, die im Lichtenfelser Gottesgarten stark vertreten ist.


Individuelle Termine möglich

Vor kurzem ist Knauer in Rente gegangen, aber ans Aufhören denkt er noch lange nicht. "Mein Beruf ist mein Hobby", sagt er, fortan möchte er sich ganz dem Schnitzen widmen. Da es der Kunstschreiner nun etwas ruhiger angehen lassen möchte, ist der Laden in der Farbgasse 8 unregelmäßig geöffnet. Nach kurzer telefonischer Absprache unter 09571/71090 sind auch individuelle Termine möglich.

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