Coburg
2. Handball-Bundesliga  

HSC Coburg beendet Negativ-Lauf

Nach schwacher erster Halbzeit zweistelligen Sieg vergeben. Dafür musste Krechel's Trikot dran glauben.
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Der HSC 2000 Coburg tat sich auch gegen die HG Saarlouis lange schwer, ehe der wichtige Sieg feststand. Am Ende trauerten die Gastgeber ein wenig dem relativ knappen Ergebnis nach, doch sie haben im Torverhältnis immer noch ein klares Plus gegenüber Mitstreiter Friesenheim. Fotos: Timo Geldner
Der HSC 2000 Coburg tat sich auch gegen die HG Saarlouis lange schwer, ehe der wichtige Sieg feststand. Am Ende trauerten die Gastgeber ein wenig dem relativ knappen Ergebnis nach, doch sie haben im Torverhältnis immer noch ein klares Plus gegenüber Mitstreiter Friesenheim. Fotos: Timo Geldner
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"Heute gibt's net amol a Bratwurst", kam es einem gelb-bedressten Fan des HSC 2000 Coburg vor dem Spiel über die Lippen, als er lange vor dem Anpfiff vom Auto kommend zielstrebig in Richtung des eigentlichen Stellplatzes des Bratwurstwagens zusteuerte. Doch dort herrschte gähnende Leere. Im Gegensatz zur Halle - 2921 Zuschauer wollten Coburgs drittletzten Schritt in Liga eins sehen. Nur gegen Rostock zu Weihnachten, Rimpar und Erlangen kamen mehr.
Die Zuschauer sahen dann aber ein Team, das nach gutem Auftakt nahtlos an die zuletzt schwachen Leistungen anknüpfte, sich die Verantwortung gegenseitig zuschob. Der ausgeglichene Halbzeitstand war deutliches Indiz dafür.
Doch scheinbar nahm sich die Mannschaft das Motto ihres Trainers, das er schon nach dem Wilhelmshaven-Spiel ausgegeben hatte, "Wir müssen wieder eine Schippe drauflegen", zu Herzen.
Nach der Pause waren Riehn, Billek und Co. noch präsenter und machten die "Big Points" in der wichtigen Phasen der Partie. Die HG Saarlouis geriet ins Hintertreffen und kam nicht mehr gefährlich nahe. Am Ende war der 28:23-Erfolg des HSC 2000 aber fast zu wenig.
Die erste Coburger Führung zum 2:1 war Geburtstagskind Jiri Vitek vorbehalten. Der Tscheche tankte sich in seinem drittletzten Spiel für den HSC durch die Deckung der Saarländer und schloss dann konsequent ab. Er musste von Beginn an auf die Platte, da Girts Lilienfelds sich im Training am Sprunggelenk verletzt hatte und passen musste. Kurz vor der Partie hegte Coburgs Trainer Jan Gorr zwar noch die Hoffnung auf einen Einsatz, doch beim Warmmachen kam das endgültige Aus.
Die Abwehr des HSC präsentierte sich viel aggressiver, auch im Angriff hatte das Team immer wieder Überraschendes auf Lager. Doch eine schwache Chancenverwertung verhinderte bis zum 5:6 (15.) eine durchaus mögliche deutlichere Führung der Coburger.
Und dann war da wieder einmal die Sache mit den Abprallern. Wie schon in den vergangenen Wochen landeten die meist beim Gegner, drei der sechs Gäste-Treffer fielen so. Mit dem knappen Spielergebnis war dann auch irgendwie der Esprit der ersten Viertelstunde verflogen.
Aber Coburg nahm den Körpereinsatz des Gegners an. Dafür stand das 9:8 durch Dominic Kelm, der sich gleich gegen zwei HGS-Abwehrspieler durchsetzte. Im Gegenzug zeigte sich aber auch ein Manko, Oliver Krechel kassierte den dritten Treffer ins kurze Eck. Das Geburtstagskind auf Seiten der HG Saarlouis, Martin Murawski, "bedankte" sich mit seinem vierten Treffer.
Darauf nahm Jan Gorr eine Auszeit. Sein Team tat sich gegen die Gäste, die am Kreis meist an der Grenze des Erlaubten arbeiteten, weiter schwer. Zudem bekamen sie die linke Seite mit Faulenbach, Etxebeste und Murawski einfach nicht in den Griff.
Den schönsten Treffer erzielte Saarlouis zum Pausenstand, als Etxebeste aus dem rechten Rückraum Faulenbach auf der linken Seite per Kempa-Trick bediente.
Unaufgeregt mit schönen Spielzügen auf die Außenpositionen machte Saarlouis auch nach dem Wechsel weiter. Doch Coburg konterte mit ungewohnten Aktionen - Florian Billek holte am Kreis einen Strafwurf und eine Zeitstrafe gegen die HGS heraus, hämmerte in der Strafzeit den Ball nach einem Konter zur ersten Zwei-Tore-Führung für den HSC (15:13, 34.) in die Maschen. Kaum war die Strafe abgelaufen, gab es die nächste und auch diesmal nutzte Gorrs Team die numerische Überlegenheit, Vitek traf zum 16:13 und dann landete ein Abpraller nach einem Pfostenkracher von Till Riehn endlich einmal bei den Coburgern - 18:14, die erste Vier-Tore-Führung war perfekt.
Aber das Spiel der Einheimischen war es noch lange nicht. Die Negativserie hat sichtbar Spuren hinterlassen, weil auch nach diesem Vorsprung noch keine Leichtigkeit eintreten wollte. Dafür wurde es so richtig emotional und nach 43 Minuten standen sich fünf Coburger und vier Gästespieler gegenüber. Die Spannung war greifbar. Doch mehr und mehr schienen sich die Nerven der Spieler auf der Platte zu beruhigen. Zudem griffen die Unparteiischen nun härter durch und der HSC nutzte weiter seine Überzahl.
Das machte sich auch im Spielstand bemerkbar, als Coburg über 23:16 auf 27:19 davonzog, im Anschluss aber klare weitere Optionen liegen ließ. Die hätten zu einem zweistelligen Sieg führen müssen. TW Oliver Krechel war darüber so aufgebracht, dass er vor lauter Wut über sich selbst und seine Vorderleute sein Trikot zerriss und schnurstracks in der Kabine verschwand. Wenn dessen Emotionen in den beiden verbleibenden Spielen in positive Energie umgesetzt werden, dann dürfte einem Aufstieg nichts mehr im Wege stehen.
Und das mit den Bratwürsten war auch schnell aufgeklärt. Catering-Chef Thomas Höhn konnte schon eine Stunde vor dem Anwurf Entwarnung geben: "Der Wagen hat sich heute nur verspätet." Ob der früh kommende Fan das mitbekommen hatte und noch zu seiner Bratwurst kam, war allerdings nicht in Erfahrung zu bringen. Falls ja, ist sie ihm diesmal wenigstens nach der Pause nicht im Halse stecken geblieben, da sein Team die Negativserie von drei Spielen ohne Sieg endlich beenden konnte.

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