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Forchheim

"Grundlose und brutale Schläge" auf dem Annafest

Zu einem Jahr Freiheitsstrafe zur Bewährung verurteilte Amtsrichterin Silke Schneider einen 24-jährigen Forchheimer wegen zweier Körperverletzungen und Wide...
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Zu einem Jahr Freiheitsstrafe zur Bewährung verurteilte Amtsrichterin Silke Schneider einen 24-jährigen Forchheimer wegen zweier Körperverletzungen und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Zugetragen hatte sich alles auf dem Annafest vergangenes Jahr. Ferner sprach Schneider dem Opfer der ersten Attacke für einen komplizierten Nasenbeinbruch ein Schmerzensgeld von 5000 Euro zu. Das Opfer musste nach der Tat notoperiert werden und lag anschließend acht Tage stationär im Krankenhaus. Auch jetzt, ein Jahr danach, hat der Geschädigte noch Beschwerden beim Atmen. Sein Geschmacks- und Geruchssinn sind beeinträchtigt.
Der Angeklagte räumte vor Gericht lediglich den Widerstand und die Beleidigungen der Polizisten ein. Bereits am ersten Verhandlungstag waren zwölf Zeugen vernommen worden. Weitere vier Zeugen hörte das Gericht am zweiten Tag der Verhandlung. Demnach rempelte der Angeklagte einen 22-jährigen Zeugen an, der mit dem späteren Opfer über das Festgelände ging.
"Mach mal langsam", hörte der Zeuge das Opfer sagen, während er selbst sich umdrehte, um nach Bekannten zu sehen. Er drehte sich zurück und sah seinen Begleiter mit blutender Nase in der Hocke.


Auf Facebook erkannt

Der Zeuge konnte nur knappe Angaben über den Täter machen. Später habe er über andere Bekannte erfahren, dass es der jetzt Angeklagte gewesen sei. Auch zwei weitere Zeugen, die mit derselben Gruppe am Annafest waren, wussten den Namen des Schlägers nicht, kannten ihn allenfalls vom Sehen. Allerdings glaubt das Opfer seinen Peiniger später auf einem Facebook-Foto wiedererkannt zu haben.
Ein wichtiger Zeuge zum zweiten Teil des Geschehens war eigens aus Norddeutschland angereist. Der ehrenamtliche Feuerwehrmann hatte mit Kollegen das Annafest besucht. Am Ausgang zur unteren Kellerstraße hin wartete er mit zwei weiteren Wehrleuten auf Kollegen, die noch auf dem Berg waren. Er blickte in die Richtung, aus der sie kommen mussten. Da hörte er neben sich einen Aufschrei. "Was ist denn los?", rief sein Kollege aus Leverkusen. Er drehte sich zu ihm und sah ihn am Boden wegrobben und dann einige Meter laufen.
Ein junger Mann ging weiter auf den Leverkusener los und wollte zuschlagen, der andere wehrte sich aber. Da kam eine Polizeistreife und ging dazwischen. Der Norddeutsche sah nicht mehr viel, denn die Polizisten standen mit dem Rücken zu ihm.
Er nahm aber wahr, dass es zu einem Gerangel mit den Polizisten kam. Deutlich hörte er die Stimme einer Polizistin: "Achtung, Messer!" Staatsanwältin Isabel Brzezicha glaubt nicht, dass jemand den Namen des Angeklagten ohne Grund ins Spiel gebracht habe. Keiner der Zeugen zeigte ihrer Meinung nach Belastungstendenzen. Deshalb halte sie die Angaben des Opfers der ersten Attacke für glaubhaft.
Verteidiger Michael Zahareas zweifelte dagegen entschieden an der Tatbeteiligung des Angeklagten. Die Staatsanwältin forderte eine Gesamtstrafe von neun Monaten. Ohne Bewährung, denn sie erkannte im Verhalten des Angeklagten keine Gründe. Der Verteidiger beantragte jeweils Freispruch.


Arge Bedenken

Die Richterin wich vom staatsanwaltlichen Antrag nach oben ab. "Ich hatte schon mehrere Fälle von Stößen mit dem Kopf auf die Nase. Aber an solch schwere Folgen erinnere ich mich nicht", betonte Schneider.
Für sie waren die Ereignisse "völlig grundlos und brutal". Wegen der Massivität der Schläge habe sie mit sich gerungen, ob sie Bewährung noch anordnen könne. "Mit Bedenken", habe sie diese am Ende gewährt. Unter anderem deshalb, damit der Angeklagte das Schmerzensgeld bezahlen kann.

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