Pettstadt
Gemeinderat 

Grünes Licht für "Hopfengärten"

Die Bauleitplanung für das Projekt im Pettstadter Ortskern ist nun beschlossene Sache. Vor allem mit Blick auf das Bürgerhaus mussten diverse Auflagen berücksichtigt werden.
Artikel drucken Artikel einbetten
Bebauungsplan für die "Hopfengärten". Foto: Gemeinde Pettstadt
+1 Bild
Nach fast vierjährigen Bemühungen schloss der Gemeinderat dieser Tage das Kapitel Bauleitplanung für die "Hopfengärten" im Ortskern ab: Einstimmig wurde nach einem quälenden Planungs- und Erörterungsprozess der vom Planungsbüro Wittmann, Valier & Partner erstellte Bebauungs- und Grünordnungsplan gebilligt. Dem gingen detaillierte Abstimmungen mit der Bezirksregierung und dem Bamberger Landratsamt voraus, weil das Projekt mit seiner Bedeutung für die städtebauliche Entwicklung in sensiblem Gebiet nach allen Seiten abgesichert werden musste. Zudem standen beachtliche Mittel aus der Städtebauförderung auf dem Spiel.
Vor allem mit Blick auf das geplante Bürgerhaus "Hopfengarten" mit öffentlicher Bibliothek, teilbarem Veranstaltungssaal und Aufenthaltsangeboten für alle Generationen mussten Auflagen berücksichtigt werden. Aber auch der Bau von 23 senioren- und behindertengerechten Wohnungen in zentraler Lage war nicht unumstritten. Klarheit über den Bürgerwillen schuf zu Beginn des Jahres ein Bürgerbegehren in Kombination mit einem Ratsbegehren: Die deutliche Mehrheit der Pettstadter hieß die in einem Architektenwettbewerb gefundene Lösung gut. Deshalb konnte die Planung fortgesetzt werden.
Zum Schluss des Anhörungsverfahrens waren Bürgermeister, Gemeindeverwaltung und Gemeinderat noch einmal voll gefordert: Ulrich Först, einer der Nachbarn des Baugebietes, trug in einem umfangreichen Schriftsatz zahlreiche Bedenken gegen das Projekt vor. Seine Vorbehalte reichten von der Sorge um Beschattung der Umgebung, Behinderung der Luftzirkulation im Ortskern über negative Auswirkungen auf den fließenden und ruhenden Verkehr bis hin zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch Planung und Verwirklichung eines Projekts, das seiner, Försts, Meinung nach an den Bedürfnissen vorbeigeht: überdimensioniert und für Pettstadt einfach zu kostspielig.


Vielzahl von Einwürfen

Zur abschließenden Beratung lag dem Gemeinderat ein 37-seitiges Konvolut von Stellungnahmen, Darlegungen des Sachverhalts und Beschlussempfehlungen vor. Mithilfe eines Textverarbeitungsprogramms ermittelte die Gemeindeverwaltung auf Bitte unserer Zeitung (in Sekundenschnelle), dass diese Beschlussvorlage insgesamt 18 185 Wörter umfasste. Das ist der Umfang einer stattlichen Facharbeit. Die schriftliche Eingabe des Nachbarn Först bestand aus 5829 Wörtern, die gemeindliche Abwägung zählte 10 063 Wörter. Daraus wird klar, dass man die Vorbehalte sehr sorgsam geprüft und juristisch korrekt abgehandelt hat. Um nur ja keinen Verfahrensfehler zu begehen, nahm die Gemeindeverwaltung die Dienste eines qualifizierten Bayreuther Fachanwalts fürs Verwaltungsrecht in Anspruch; sie lässt sich diese Beratung mehrere Tausend Euro kosten.
Bürgermeister Jochen Hack (FWG) wechselte sich mit der Stadtplanerin Nadja Christmann im Sachvortrag ab. Die allesamt einstimmigen Beschlüsse über die Eingaben von Ulrich Först hatten folgenden Tenor: "Der Einwand wird zur Kenntnis genommen. Die Gemeinde hält an ihrer Planung fest ..." Das gilt zum Beispiel auch für die von Först und vorher auch von einigen Anliegern der Fabrikstraße aufgeworfene Stellplatzfrage. Hierzu verweist die Gemeinde auf den Bau von 21 neuen Fahrzeugparkplätzen, teils in einer Tiefgarage unter der Wohnanlage; außerdem könnten bei Veranstaltungen die 13 Stellplätze des benachbarten Kindergartens benutzt werden, die abends und an Sonn- oder Feiertagen zur Verfügung stünden. Wiederholt wird in den Stellungnahmen der Gemeinde darauf verwiesen, dass wie stets auch in Bauleitplänen der Gemeinnutz über die Eigeninteressen einzelner gestellt werden müsse.


Nur zehn Abendveranstaltungen

Eine Ausnahme wurde dann doch auf Empfehlung des Landratsamtes gemacht: Zwei Stellplätze, die an das Nachbaranwesen Fabrikstraße 20 angrenzen, sollen bei Veranstaltungen im Bürgerhaus zu nächtlicher Stunde gesperrt werden. Im Interesse des Immissionsschutzes verpflichtete sich die Gemeinde, im Bürgerhaus übers Jahr gesehen nur zehn Abendveranstaltungen und keine private Nutzung zuzulassen.
Wie geht es mit den Hopfengärten weiter? Schon die Tagesordnung der nächsten Gemeinderatssitzung enthält den Bauantrag für die Seniorenwohnanlage mit 23 behindertengerechten und barrierefrei gestalteten Wohnungen. Pettstadt kann dies als gutes Zeichen werten: Ganz offensichtlich hat sich der ausländische Investor durch die nun schon jahrelangen Querelen auf Ortsebene nicht von seinem Vorhaben abbringen lassen.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren