Kronach

Grüne wollen endlich wieder alle an einen Tisch bringen

Artikel drucken Artikel einbetten

von unserem Redaktionsmitglied 
Marco Meissner

Kronach — Der Steinwiesener Bürgermeister Gerhard Wunder (CSU) hat das Verhalten der Grünen, des Bundes Naturschutz und von Greenpeace in Sachen Windkraft im Landkreis Kronach scharf kritisiert. Bei den Betroffenen löste er damit ein ungläubiges Kopfschütteln aus.
"Ich verstehe bei ihm nicht wirklich: Ist er jetzt Windkraftgegner oder nicht? Seine Argumentation ist nicht schlüssig", betonte Grünen-Kreisrätin Edith Memmel, die mit ihrem Kollegen Matthias Rudolph zu einem Pressegespräch eingeladen hatte. Die beiden Kreisräte hätten sich gewünscht, dass Wunder, wenn er wirklich Bedenken hat, diese auch im Planungsausschuss vorgebracht hätte - selbst wenn er dann aus rechtlichen Gründen für den Regionalplan gestimmt hat.
Rudolph erklärte weiter, dass er sich vor allem darüber geärgert habe, dass man von Wunder in eine Ecke der Umweltschützer auf Abwegen gestellt worden sei - und das, nachdem zuvor das Umweltengagement oft belächelt worden sei. "Es geht uns um die Menschen", unterstrich Rudolph. "Und das Umweltengagement resultiert darin, dass wir auf Dauer ohne Natur nicht überleben können."
Deshalb befürworteten die Grünen und die Umweltverbände auch die Energiewende. Im Landkreis Kronach schlummere genug Potenzial für eine saubere und gesunde Energiegewinnung, die eine Selbstversorgung sicherstellen und den Kreis so unabhängig von Strom aus Krisenregionen machen könnte. Außerdem würde das Geld auf diesem Weg in der Region bleiben. Darum verstehen die beiden Grünen-Politiker auch nicht die Argumentation Wunders, dass sich die Grundstücksbesitzer eine goldene Nase an den Windkraftanlagen verdienen wollen. "Windenergie hat den geringsten Landverbrauch. Und wieso ist es unmoralisch, wenn Leute mit der Energiewende Geld verdienen?", fragte Rudolph. Edith Memmel legte nach: "Warum gönnt man den Grundstückseignern die Pacht nicht, wenn die Konzerne Unsummen verdienen?"

Windräder oder Klimawandel?

In diesen Tenor stimmte auch Klaus Knorr, einer der betroffenen Grundstückseigner ein. Er wies darauf hin, wie wichtig eine Energieversorgung in kommunaler Hand sei. Außerdem werde der Strom ja auch an Unternehmen vor Ort geliefert. "Der Strom wird ja nicht nach Mannheim geleitet", betonte er im Hinblick auf die Kritik, dass ein Unternehmen von dort die Windräder auf dem Reinberg bei Hain bauen will.
Sabine Schubert, Gesamtleiterin bei Regens Wagner Burgkunstadt, stellte fest, dass ihre Einrichtung von Anfang an in die Planungen involviert gewesen und nun auch beteiligt sei. Beim zweitgrößten Arbeitgeber am Ort profitiere aber keiner persönlich davon. "Das Geld kommt alles sozialen Zwecken zugute."
"Es stecken Ängste dahinter", vermutete Edith Memmel als Grund für die ablehnende Haltung mancher Menschen in der Region. "Gegen die Windräder hat niemand etwas - nur sollen sie nicht hier vor Ort sein." Zusammen mit Matthias Rudolph und der BN-Kreisvorsitzenden Elisabeth Hoffmann hinterfragte sie, warum dann aber keiner Angst vor dem Klimawandel und einer Atomkatastrophe hat. Hierfür wollen sie wieder das Bewusstsein wecken.
"Wir müssen alle wieder zusammenkommen, sonst verpassen wir die Entwicklung. Dann kommen andere und handeln", betonte Memmel. Deshalb wollen die Grünen das Thema "Erneuerbare Energien" in nächster Zeit aus den verschiedensten Blickwinkeln beleuchten - und zwar auch im Dialog mit den Skeptikern und Gegnern. Den Auftakt soll eine Fahrt zu einer Windkraftanlage in Trogen am 26. Juni machen (Anmeldungen unter www.gruene-kronach.de, E-Mail: kronach@bund-naturschutz.de oder Telefon 09261/94404). Außerdem sind eine Filmvorführung mit Diskussion sowie eine Veranstaltung zu Finanzierungsmodellen (Bürgerwindräder, Genossenschaften, ...) in der Planung.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren