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Zeil am Main
Erinnerungen 

"Goldene 13" will Pokale abgeben

Der Zeiler Privatkegelclub muss die Vitrinen in seinem Vereinslokal ausräumen, weil dort bald umgebaut wird. Die Kegelbahn im Gasthaus Göller verschwindet. Und was passiert mit dem Kegelclub, der schon nicht mehr aktiv ist?
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Noch rund 100 Trophäen und Pokale befinden sich in verschiedenen Vitrinen im Vereinslokal Göller. Der Zeiler Privatkegelclub "Goldene 13" möchte diese aus Platzgründen nun verschenken. Vorsitzender Anton Brüger schaut hier einen besonders alten Pokal an.  Foto: Ralf Naumann
Noch rund 100 Trophäen und Pokale befinden sich in verschiedenen Vitrinen im Vereinslokal Göller. Der Zeiler Privatkegelclub "Goldene 13" möchte diese aus Platzgründen nun verschenken. Vorsitzender Anton Brüger schaut hier einen besonders alten Pokal an. Foto: Ralf Naumann
Ralf Naumann

Der materielle Wert? "Sicher einige tausend Tausend Euro", schätzt Anton Brüger. Viel größer sind freilich die Erinnerungen, die mit den knapp 100 Pokalen zusammenhängen, die sich die Mitglieder der "Goldenen 13" in Zeil im Laufe der letzten Jahrzehnte erkegelt haben. Und trotzdem sollen diese nun sprichwörtlich "verscherbelt" werden? Der Vorsitzende des Privatkeglervereins hat dafür eine einfache Begründung.
"Platzmangel", lacht der 82-jährige Senior. Die Gaststätte Göller, das Vereinslokal und seit Anfang an Spielstätte des im November 1956 gegründeten Privatkegelclubs, wird demnächst teilweise umgebaut. Die Kegelbahn verschwindet dort. "Deshalb müssen wir unsere Trophäen aus den Vitrinen räumen, ehe diese ausgebaut werden".


Wohin damit?

Und die Mitglieder der "Goldenen 13"? Warum nehmen sie die Pokale nicht mit nach Hause? "Die haben natürlich die Möglichkeit, sie zu bekommen", sagt Brüger. Ein großes "Aber" schiebt er jedoch gleich hinterher: "In ihrer aktiven Zeit haben die meisten selbst viele Auszeichnungen gewonnen und zu Hause stehen." Will heißen: Auch in den Wohnungen oder Garagen vieler Mitglieder sind Abstellplätze rar. "Die Leute, vor allem die Frauen, wollen auch nichts daheim rumstehen haben", stellt Bürger fest.
Zum einen verständlich, denn weitere "Staubfänger" will sich keiner in seine vier Wände holen. Auf der anderen Seite für Brüger fast ein Dilemma. "Was sollen wir denn mit den Pokalen machen? In den Schrott geben?", fragt der Zeiler. "Das ist doch viel zu schade."
Also verschenken. Und das ist schließlich bei der "Goldenen 13" nicht neu. "Vor 20 Jahren haben wir schon einmal Pokale ausgesondert", erinnert sich der Zeiler, der mit einigen Unterbrechungen "seit ewigen Zeiten" an der Spitze steht. Jetzt ist es also wieder einmal soweit: "Ramadama" sozusagen. "Wir haben dabei an Vereine gedacht, die Nachwuchsturniere abhalten", würde sich Anton Brüger über viele Nachfragen freuen.
Immer montags treffen sich die derzeit 25 Mitglieder zu ihrem "Stammtisch" beim Göller. Jedoch nicht mehr in erster Linie zum Kegeln, sondern zum Kartenspielen. Die Mehrheit von ihnen ist mittlerweile in die Alterskategorie "70 plus" eingestuft, "weshalb der Kegelsport aus Altersgründen seit einigen Jahren ruht", lacht Brüger, ehe er sich an die sprichwörtlich "goldenen" Zeiten erinnert.


Erfolgreiche Mannschaften

"Wir haben in den vergangenen 60 Jahren an vielen Turnieren in ganz Nordbayern teilgenommen und dabei weit über 200 Pokale und Urkunden gewonnen." Doch auch außergewöhnliche Preise, die nicht hinter Glasvitrinen präsentiert wurden, konnten die Kegler entgegen nehmen: Brotzeiten etwa, Spanferkel oder sogar ganze Fässer voll Bier.
Kegeln ist bei der "Goldenen 13" derweil nur noch nebensächlich. In erster Linie aus Alters- und somit aus gesundheitlichem Grund. "Es geht nicht mehr", blickt Anton Bürger etwas wehmütig auf frühere Zeiten zurück. Bis vor "drei, vier Jahren" hieß es beim Vorsitzenden noch regelmäßig "Simsa", "Hossa" oder sogar "Holz". Die "Goldene 13", das beschwört der Rentner, war "eine Spitzenmannschaft" und in der Privatkegelszene vor allem weithin bekannt. "Wir waren sozusagen viele Jahre ungeschlagen", erinnert er sich stolz an die Glanzzeiten. Doch der Sport ist mittlerweile nur noch eine Randerscheinung. Dennoch sind die treuen Mitglieder noch aktiv. Heringsessen am Aschermittwoch, Rettichessen im April, Familienfeiern am 1. Mai und am Vatertag, Federweißenabend sowie Weihnachtsfeier im Advent: Das Vereinsleben wird, so gut es geht, aufrecht erhalten.
Doch "einzig aus Altersgründen" ist eine Auflösung auch absehbar. "Wir bekommen halt keinen Nachwuchs. Das hat sich auch nie ergeben. Es gibt außerdem so viele andere Clubs."
Anton Brüger hofft nun, dass die Auszeichnungen und Trophäen verteilt werden können. Das muss in naher Zukunft geschehen, denn dann werden die Vitrinen endgültig aus dem Vereinslokal entfernt. Interessierte können sich telefonisch unter Ruf 09524/6580 melden.
"Wenn man sie kaufen muss, kosten sie viel Geld. Wenn man sie verschenken will, kriegt man sie nicht los", blickt der 82-Jährige noch einmal wehmütig auf die zahlreichen Pokale.

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