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Gewinnen und Verlieren muss man lernen

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4:0, 5:1 - des einen Freud, des anderen Leid.
Das sind Resultate, die selbst Fußballmuffel wie mich nicht unberührt lassen. Sie klingen so eindeutig, so klar. Die einen dürfen als Sieger stolz erhobenen Hauptes vom Platz gehen, die anderen lassen ihres gedemütigt hängen.
Erst die Blamage auf dem Platz, dann die Kritik daheim: Solche Ergebnisse wie in diesen Tagen bei der WM scheinen das Recht des Besseren oder Stärkeren auf ihrer Seite zu haben. Wie früher, als man erst vom Lehrer eine Watschn bekommen hat und dann daheim noch einmal, weil der Lehrer ja schon Recht gehabt haben wird.
Diese Zeiten sind zum Glück vorbei, aber das Spiel vom Siegen und Verlieren ist zeitlos, da urmenschlich; Kinder werden früh damit konfrontiert und lernen es.
Das Siegen zu lernen erscheint den allermeisten nicht nur vernünftig zu sein, sondern geradezu lebensnotwendig, und die meisten lernen es gerne, denn lieber steht man auf dem Stockerl als davor.
Dass aber auch das Verlierenkönnen keine Mitgift der Natur ist, sondern echtes und hartes soziales Training erfordert, erscheint in der Ellenbogengesellschaft nur wenigen als ein wertvolles Erziehungsziel. Dabei ist es umso notwendiger, wenn sich nicht Frust und Resignation ihre eigenen und meist hochproblematischen Wege bahnen sollen in Sucht- und Gewaltkarrieren oder bei den politischen Radikalinskis aller Couleur.
Oft ist es ja im Fußball wie im übrigen Leben: Es ist auch Glück oder Zufall, die über Sieg oder Niederlage entscheiden, nicht nur das Können und der Wille zum Sieg. Darum schmecken viele Niederlagen nebenbei auch nach Ungerechtigkeit, so wie "Fifa"-Spiele, wo die einen den Reibach nach Hause tragen und die anderen darüber ihre Heimat und ihre Existenzvoraussetzungen verlieren, weil sie von ihrem Land vertrieben wurden oder ihre zusammengesparten Wellblechhütten den Bulldozern weichen mussten.
Die christliche Botschaft spiegelt in ihrem innersten Kern das Spiel von Sieg und Niederlage: von Karfreitag und Ostern. Das Kreuz Jesu ist vielen Gedemütigten und Deklassierten auf dieser Erde ein Zeichen der Solidarität Gottes mit ihnen geworden, aus dem sie Kraft zum Kämpfen und Geduld zum Aushalten gewinnen. Das gilt auch für die vielen in Brasilien, die sich für die durch die Spiele Untergebutterten einsetzen. Und die Siegesfahne des auferstandenen Jesus, wie sie seit dem Ostermorgen in vielen Kirchen weht, zeigt ihnen: Wer seine Hoffnung auf Gott setzt, der wird letztendlich durch alle Niederlagen hindurch bewahrt bleiben - oder um es mit Jesu Worten zu sagen: "So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein" (Mt 20,16).
(Hans-Christian Neiber ist Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Zeil.)

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