Kulmbach

Getreidebauern sind raus aus dem Tal der Niedrigpreise

stephan-herbert fuchs Die oberfränkischen Getreidebauern sind im zurückliegenden Jahr trotz extremer Trockenheit mit einem blauen Auge davon gekommen. Bei der Jahresversammlung des...
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Nur leicht unterdurchschnittlich ist die Ernte bei vielen Bauern ausgefallen. Fotos: Stephan-Herbert Fuchs
Nur leicht unterdurchschnittlich ist die Ernte bei vielen Bauern ausgefallen. Fotos: Stephan-Herbert Fuchs
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Die oberfränkischen Getreidebauern sind im zurückliegenden Jahr trotz extremer Trockenheit mit einem blauen Auge davon gekommen. Bei der Jahresversammlung des Erzeugerrings für landwirtschaftliche pflanzliche Qualitätsprodukte in Kulmbach sprach der Vorsitzende und oberfränkische BBV-Bezirkspräsident Hermann Greif von einem monatlichen Regendefizit von durchschnittlich rund 350 Litern pro Quadratmeter. "Je weiter westlich man in Oberfranken ging, desto trockener wurde es", sagte Greif.
Wenn die meisten Pflanzen die Trockenheit dennoch relativ gut überstanden haben, dann liege dies zum einen am guten Wurzelwachstum, zum anderen an den ausgewählten Sorten und vor allem am Können der Bauern. Insgesamt sei es kein schlechtes Jahr gewesen, die Landwirte hätten nur leicht unter dem langjährigen Durchschnitt gedroschen. Was den Bauern dagegen große Sorgen macht, seien die miserablen Preise. "Wir müssen endlich aus diesem Tal raus", sagte Greif. Für viele Betriebe sei die Liquiditätsgrenze längst erreicht.
Laut Geschäftsführer Werner Helling hat der Erzeugerring exakt 5532 Mitglieder, rund 100 weniger, als im Jahr zuvor. "Die allgemeine Entwicklung geht auch an uns nicht spurlos vorüber", sagte Helling. Eine der wichtigsten Aufgaben des Erzeugerrings ist die Entnahme und die Untersuchung von Bodenproben. Fast 18000 solcher Bodenuntersuchungen seien im zurückliegenden Jahr abgerechnet worden. Dafür hat der Ring eigens zwei Geländewagen im Einsatz, ein weiterer Jeep wird derzeit entsprechend umgerüstet.
54 Betriebe haben nach den Worten des Geschäftsführers im zurückliegenden Jahr am kontrollierten Vertragsanbau teilgenommen. Vertragspartner seien die Wiesneth-Mühle in Sambach bei Pommersfelden im Landkreis Bamberg sowie das Unternehmen Pema in Weißenstadt im Landkreis Wunsiedel.
Ein weiteres wichtiges Tätigkeitsfeld des Erzeugerrings in den zurückliegenden beiden Jahren war das Angebot des sogenannten Sachkundenachweises. Mit der Novellierung des Pflanzenschutzgesetzes sei auch festgelegt worden, dass eine Person nur dann Pflanzenschutzmittel anwenden darf, wenn sie über einen von der zuständigen Behörde ausgestellten Sachkundenachweis verfügt. Rund 4200 Personen hätten seit Anfang 2014 an den Sachkundeschulungen teilgenommen, sagte Helling.
Zuvor hatte der stellvertretende Kulmbacher Landrat Dieter Schaar die Getreidebauern ermuntert, auch weiterhin auf Qualität zu setzen. Die Geiz-ist-geil-Mentalität dürfe nicht weiter Fuß fassen. "Letztlich wird sich Qualität auch immer durchsetzen", zeigte sich Schaar zuversichtlich.
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