Kloster Banz
Konzert 

Geniale Musiker begeisterten

Das Berganza-Streichquartett spielte zwei überaus anspruchsvolle Werke von Schubert und Beethoven.
Artikel drucken Artikel einbetten
Das Berganza-Streichquartett meisterte schwierige Stücke von Beethoven und Schubert (von links): Aki Sunahara, Sabine Lier, Christof Kuen und Katja Kuen. Foto: Andreas Welz
Das Berganza-Streichquartett meisterte schwierige Stücke von Beethoven und Schubert (von links): Aki Sunahara, Sabine Lier, Christof Kuen und Katja Kuen. Foto: Andreas Welz
Mit ihrer Stilsicherheit und Ausdruckskraft sowie mit der ausgezeichneten Rhetorik eines homogenen Klangkörpers erzählte am vergangenen Sonntag das Berganza-Streichquartett in Kloster Banz den Text des großen Schubert-Streichquartetts in G-Dur. Präzise Differenzierung und Dynamik gaben an sich gleichen Notenfolgen unterschiedlichen Charakter. Mit dem zweiten Konzert der Saison "Kammermusik auf Banz" übertrafen Aki Sunahara, Sabine Lier (Violine), Christof Kuen (Viola) und Katja Kuen (Violoncello) erneut die Erwartungen der Zuhörer.
Um das Geniale der Werke erfassen zu können, braucht es allerdings auch geniale Musiker und die begeisterten im Kaisersaal. Mit schnelleren Tempi als meist gehört, zum Beispiel beim Andante un poco moto, glänzen die Läufe wie matte Perlen: klassisch schlicht, klar nuanciert und technisch perfekt. Das Werk stellt nicht nur einen Gipfel der Quartettkunst dar, sondern gehört zum Schwierigsten - in der Ausführung wie im Erfassen.
"Flickwerk eines Wahnsinnigen" nannten die Zeitgenossen Beethovens Streichquartett op. 59,1 nach dem ersten Hören oder Durchspielen. Den vier Musikern des Streichquartetts wurden Sätze von einer Länge und einer Dichte der Klangereignisse zugemutet, wie sie sonst nur ein Sinfonieorchester zu bewältigen hatte. Gleich das Hauptthema des ersten Satzes umreißt den neuen Anspruch: ein Cellothema, das sich melodisch frei und mit langem Atem über der Begleitung der übrigen Stimmen entfaltet. Es legt zu Beginn den Rhythmus des Satzes fest, den die zweite Geige erst danach melodisch definiert. Allmählich gewinnen auch die Höhepunkte des Quartetts an Bedeutung. Das Finale "Theme Russe" hat Beethoven aus einem russischen Thema heraus entworfen, eine Huldigung an den Widmungsträger, Graf Rasumowsky. Gekennzeichnet von großer stilistischer Souveränität begeisterten die vier exzellenten Instrumentalisten mit einem Gesamtklang, der sich über die Tonschönheit des einzelnen Spielers hinaus zu einem ausgewogenen Ganzen verband. Nach dem Musikereignis voller Emotionalität wurde das Quartett natürlich nicht ohne eine stürmisch geforderte Zugabe von der Bühne verabschiedet.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren