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"Gegensätze und neue Polaritäten"

Der Nationalparkverein Nordsteigerwald kritisiert die Resolution der Bürgermeister zur Nachhaltigkeit im Steigerwald. Im Schreiben sind aber auch Ansätze einer Annäherung erkennbar.
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Es müssen noch viele dicke Bretter im Steigerwald gebohrt werden, bis der Streit in der Nationalparkfrage beigelegt ist. Jetzt gibt es vorsichtige Anzeichen für eine Annäherung in Detailfragen.  Foto: Ronald Rinklef/Archiv
Es müssen noch viele dicke Bretter im Steigerwald gebohrt werden, bis der Streit in der Nationalparkfrage beigelegt ist. Jetzt gibt es vorsichtige Anzeichen für eine Annäherung in Detailfragen. Foto: Ronald Rinklef/Archiv
Der Verein Nationalpark Nordsteigerwald lässt die Initiative zahlreicher Bürgermeister und Kommunen aus dem Steigerwald zur Zukunft der Region nicht unwidersprochen. In einer Stellungnahme, die unserer Zeitung vorliegt, bewertet der Verein, der sich für einen Nationalpark im Steigerwald einsetzt, die Aussagen der Bürgermeister und die Inhalte deren Vorstoßes. Der Verein Nationalpark Nordsteigerwald hat - naturgemäß - andere Ansichten, sieht aber auch einige Anknüpfungspunkte.
Worum geht es? Bürgermeister aus dem Steigerwald haben am Freitag in Handthal Pläne für eine künftige Entwicklung im Steigerwald vorgestellt. Die Basis dieser Entwicklung ist eine Resolution, die mittlerweile von 20 Stadt-, Markt- und Gemeinderäten im Steigerwald verabschiedet wurde. Sie wendet sich gegen die Ausweisung eines Großschutzgebiets (Nationalpark) und stellt sich hinter eine nachhaltige Waldbewirtschaftung auf der Basis des Trittsteinkonzepts. Das Thema Nachhaltigkeit soll weit über die Frage der Waldbewirtschaftung hinaus weiter vertieft werden.
Die Initiative zur Resolution kam vom Verein "Unser Steigerwald" sowie aus dem Netzwerk von 25 Bürgermeistern, die sich seit Jahren treffen, um gemeinsame Entwicklungskonzepte für den Steigerwald zu entwickeln. Der Verein "Unser Steigerwald" ist entschiedener Gegner eines Nationalparks.
Der direkte Widersacher, der Verein Nationalpark Nordsteigerwald, meint zu der in Handthal vorgestellten Resolution, Nachhaltigkeit und Nationalpark seien kein Widerspruch. "Nachhaltigkeit bezieht sich nicht nur auf eine wirtschaftliche Holzproduktion, sondern gilt für das ganze Ökosystem Wald. Dafür braucht es Großschutzgebiete, wie es Stand der anerkannten Wissenschaft ist", heißt es in der Stellungnahme des Nationalparkvereins, die die Vorstandsmitglieder Nikolaus Rebhan, Florian Tully und Bernd Weil unterzeichnet haben.


Neue Arbeitsplätze

Zur Behauptung der 1000 gefährdeten Arbeitsplätze sollten die Kommunalpolitiker eine Quelle benennen, wünscht der Nationalparkverein. Dem stünden nämlich Untersuchungen anderer Nationalparks gegenüber. Diese ergäben eine Wertschöpfung, die jeweils 200 bis 1000 Vollarbeitsplätzen entspreche. "Um fundierte Aussagen treffen zu können, sollten verantwortliche Politiker sich für eine Machbarkeitsstudie aussprechen", fordern Nikolaus Rebhan, Florian Tully sowie Bernd Weil.
Zudem weist der Nationalparkverein auf die 30 Jahre währende Übergangszeit bei Einrichtung des Nationalparks sowie Pflege- und Managementzonen hin. Aus ihnen könnten die ortsansässigen Sägewerke, die aus dem Forstbetrieb Ebrach Holz beziehen, bevorzugt Holz erhalten. Auch nach 30 Jahren blieben dem Forstbetrieb Ebrach über 7000 Hektar zur Nutzung. In der Übergangszeit hätten die Betriebe genug Zeit, sich umzustellen.
Entgegen der Darstellung des Vereins "Unser Steigerwald" werden örtliche Betriebe nach Ansicht des Nationalparkvereins durch Großsägewerke "wesentlich stärker bedroht als durch den Wegfall der Holznutzung in der Kernzone eines Nationalparks. Außerdem ist bei einem Privatwaldanteil über 50 Prozent in Bayern der Forstbetrieb Ebrach nicht der einzige Holzversorger im Steigerwald."
Bundesregierung, europäische Union und alle Naturschutzverbände befürworten laut Nationalparkverein naturnahe Waldwirtschaft auf 90 Prozent der Staatswälder, und zehn Prozent Wald sollten für das Gemeinwohl zur Verfügung stehen. Der Nationalparkverein rügt: "Die Resolution schafft wieder nur falsche Gegensätze und neue Polaritäten. Konzepte von Nachhaltigkeit und Tritt-steinen stehen eben nicht im Gegensatz zum Nationalpark, sondern ergänzen sich, zum Wohle von Mensch und Natur."
Folglich fordert der Nationalparkverein die bayerischen Staatsforsten auf, das Ebracher Trittsteinkonzept bayernweit im Staatsforst anzuwenden. Da es als internationaler Erfolg beworben werde, solle es vorbildhaft in ganz Bayern als beste Art der Waldbewirtschaftung gelten. Verantwortungsvolle Entscheidungsträger dürften der Region "die einmalige Chance zur Regionalentwicklung und Naturschutz nicht verweigern", heißt es weiter in dem Schreiben von Nikolaus Rebhan, Florian Tully und Bernd Weil.


Enttäuschung

Ergänzend zu der Stellungnahmen bedauert der Nationalparkverein, dass sein Rundbrief bei einigen Kommunalpolitikern keine Resonanz gefunden habe. Der Brief enthalte die Bitte, die Chance Nationalpark zu nutzen und Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) für den Steigerwald zu gewinnen. Der Ministerpräsident will jetzt einen dritten Nationalpark für Bayern. Das sollte Mandatsträger im Steigerwald zum Umdenken bringen, auch im Hinblick auf Regionalentwicklung und Fördermittel, meint der Nationalparkverein weiter. ks
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