Burgpreppach

Gedenken, Nachdenken, Umdenken

N icht nur am Sonntag an den Gedenkstätten der Weltkriege werden viele über dem Gedenken ins Nachdenken kommen. Gerade für die Älteren unter Ihnen sind vielleicht noch manche Erleb...
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N icht nur am Sonntag an den Gedenkstätten der Weltkriege werden viele über dem Gedenken ins Nachdenken kommen. Gerade für die Älteren unter Ihnen sind vielleicht noch manche Erlebnisse aus der Kindheit und Jugend fast zu sehr präsent. Andere sind ohne Vater, Mutter oder Bruder aufgewachsen, haben ihre Heimat verlassen müssen, spüren bis heute die Folgen von Krieg und Gewalt an Leib und Seele.
Das Nachdenken schöpft seine Kraft auch immer aus der Vergangenheit. Wir bedenken Erlebtes, gedenken an Zeiten und Menschen. Es geschieht um der Gegenwart und noch mehr der Zukunft willen. Zum Nachdenken braucht es Mut. Nicht jede Frage findet eine Antwort, manche Antwort ist dazu unangenehm und hart. Die Frage nach menschlicher Schuld können manche nur mit der Kneifzange anfassen.
Ich persönlich bin jedes Mal erschüttert, wenn ich die lange Liste mit den Namen auf dem Denkmal in Burgpreppach lese und den Gedenkstein für die zerstörte Synagoge betrachte. So viele Leben fanden ein böses Ende. So viele gemeinsame Geschichten rissen ab. Nach den Jahren vor Ort kann ich viele Namen zuordnen, Orte und Häuser mit ihnen verbinden. Ich bin froh um den Volkstrauertag. Denn die Fragen nach der Geschichte gehen über in die Fragen nach Zukunft. Mit welchen Mitteln, mit welchen Gedanken und Worten, mit welchen Plänen kann sie offen bleiben für alle Menschen? Wie wird es möglich sein, dass Menschen nicht mehr zu Opfern anderer Menschen werden?
Im Markusevangelium steht am Beginn des Auftretens Jesu der Satz: "Denkt um und vertraut auf das Evangelium", im Lutherdeutsch: "Tut Buße und glaubt an das Evangelium." Die Menschheit und die Welt benötigen Menschen, die neu denken, die Gott mitdenken, die überhaupt denken, andere auffordern: Denk mal! Es helfe uns Gott, damit Waffen und Hass nicht Vertrauen und Mitmenschlichkeit ersetzen. Kein Ort erträgt auch nur einen weiteren Gedenkstein mehr.
(Peter Bauer ist der evangelische Pfarrer von Burgpreppach.)

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