LKR Haßberge

Geburtsstation Haßfurt: Mütter schreiben offenen Brief an den Landrat

Dass die Geburtsstation der Haßberg-Kliniken am Haus Haßfurt geschlossen werden soll, hat viel Protest hervorgerufen. So wendet sich eine Gruppe von Müttern...
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Dass die Geburtsstation der Haßberg-Kliniken am Haus Haßfurt geschlossen werden soll, hat viel Protest hervorgerufen. So wendet sich eine Gruppe von Müttern in einem offenen Brief direkt an Landrat Wilhelm Schneider (CSU). Die acht Frauen, die den Brief unterzeichnet haben, drücken ihren Unmut darüber aus, dass die geplante Aufgabe der Station und eine vom Landkreis gewollte familienfreundliche Politik nicht zusammenpassen.
Sie nehmen dabei auch Bezug auf eigene Erfahrungen, die sie als werdende Mütter bei Gynäkologen gemacht haben: Sie schreiben unter anderem von einem "gefühlten Boykott" der Geburtshilfe Haßfurt durch manche Frauenärzte. Im Folgenden der Brief im Wortlaut, stellenweise gekürzt:
"Sehr geehrter Herr Landrat Schneider, auch wir, eine Gruppe von Müttern, die im Herbst/ Winter letzten Jahres Ihre Kinder größtenteils im Haßbergklinikum, teils in Schweinfurt und Bamberg auf die Welt gebracht haben, wollen uns bezüglich der geplanten Schließung der Geburtshilfe zu Wort melden, gleichwohl uns bewusst ist, dass Sie zu diesem Thema sicherlich von Meinungen und Ansichten überflutet werden und manch ein Kritiker auch sagen kann, dass der Aufschrei zur geplanten Schließung nicht nachzuvollziehen ist, da im Landkreis durchaus genügend Kinder zur Welt kommen, aber man eben scheinbar andere Geburtsstationen vorziehe. Dennoch möchten wir Ihnen kurz schildern, warum, beziehungsweise warum wir uns nicht für eine Entbindung in Haßfurt entschieden haben und dabei ein Thema ansprechen, dass allgemein bekannt, aber in der öffentlichen Diskussion kaum angesprochen wurde.


Eine Menge Sorgen und Ängste

Werdende Mütter tragen eine Menge Sorgen und Ängste mit sich herum und die größte Sorge ist mit Sicherheit die Gesundheit ihres Babys. Klar ansprechen möchten wir hier, dass es den Anschein hat, dass von hiesigen Frauenärzten eben gerade mit dieser Angst gespielt wird, um von einer Geburt in Haßfurt in Ermangelung einer Kinderklinik abzuraten, während gleichzeitig ein ,Bilderbuchschwangerschaftsverlauf' bescheinigt wird. Keine Mutter würde bewusst ein Risiko bei der Geburt für sich oder ihr Kind eingehen, wenn im Vorfeld eine medizinische Notwendigkeit angezeigt wäre, in einer Geburtsstation mit angebundener Kinderklinik zu entbinden.
Von uns gehörte Sätze wie ,bei Ihnen und einer Entbindung in Haßfurt habe ich kein gutes Gefühl' oder ,Sie sind sich aber schon darüber bewusst, dass es in Haßfurt keine Kinderklinik gibt, in der das Kind im Notfall versorgt werden könnte. Können Sie dieses Risiko verantworten?' sind jedoch inkompetent und schüren nur unnötig Ängste bei den werdenden Eltern. Dass für solche und andere Äußerungen sicherlich keine medizinische Notwendigkeit besteht und Eltern in dieser hochemotionalen Zeit nur dazu bringen soll, jeder Empfehlung des begleitenden Arztes/Ärztin zu folgen, entbehrt beinahe jeder Erklärung. Dieses offene Geheimnis des gefühlten Boykotts der Geburtshilfe Haßfurt durch im Landkreis tätige Frauenärzte (...) und die aktuellen Diskussionen in den sozialen Netzwerken bezüglich der geplanten Schließung zeigen deutlich, wie weit verbreitet dieser Eindruck im Landkreis ist. (...)
Anhand unserer Erfahrungen können wir nur mitteilen, dass die Ärzteschaft der Geburtsabteilung sehr verantwortungsvoll mit der Tatsache, dass keine Kinderklinik angebunden ist, umgeht und bei den Voruntersuchungen zur Geburtsanmeldung jeder Einzelfall auf mögliche Risiken geprüft wird und gegebenenfalls selbst die Entbindung in einem Haus mit Kinderklinik angeraten, beziehungsweise eine Geburt im eigenen Haus abgelehnt wird.
Beinahe alle von uns haben sich, teilweise auch wegen der oben genannten Verunsicherung, mehrere Geburtskliniken angesehen. Größtenteils haben wir uns aber für eine Entbindung in Haßfurt (...) - persönliche, liebevolle und kompetente Versorgung durch die Hebammen, Ärzte und das Pflegepersonal vor und während der Geburt, Ruhe, Zeit und individuelle Betreuung danach - entschieden.


Vorausschauend und einfühlsam

Diejenigen von uns, die nicht in Haßfurt entbunden haben, taten dies aus medizinischer Notwendigkeit. Die eine oder andere hatte, da selbstverständlich jede Geburt ihre Risiken birgt, durchaus eine "schwere" Geburt wie etwa einen Notkaiserschnitt. Das Hebammen- und Ärzteteam, sowie die gesamte Belegschaft haben jedoch aus unserer Sicht stets kompetent, vorausschauend und einfühlsam gehandelt, so dass auch von uns Müttern, die mit dem Geburtsverlauf zu kämpfen hatten, klar gesagt wird, jederzeit wieder in Haßfurt entbinden zu wollen.
Der Landkreis Haßberge wirbt mit einer familienfreundlichen Politik. Lassen Sie es bitte nicht zu, dass gerade in den ersten Tagen als gelebte Familie die Lebensqualität in unserem Landkreis leidet. Familienfreundlichkeit beginnt da, wo Kinder geboren werden. Die Geburtsklinik des Landkreises ist keine Massenabfertigung. Kinder und Frauen sind keine Zimmernummern und Krankenblätter - dies macht doch gerade die herausragende Qualität dieser Abteilung aus.
Laut Medienberichten kommt in Haßfurt ein Kind pro Tag zur Welt, dies sei zu wenig. (...) Wir bitten Sie offenzulegen, wie hoch das von der Geburtsklinik erwirtschaftete Defizit ist und warum kein weiterer Ausgleich durch den Kreis erfolgen kann. Erst vor kurzem wurden die beiden Kreißsäle und die Entbindungsstation aufwendig und kostenintensiv saniert und auf den neuesten Stand gebracht. (...) Welche Gründe waren hier ausschlaggebend diese doch zukunftsträchtigen Investitionen zu veranlassen? (...)


Ängste nehmen

Das Argument, dass sich viele werdende Mütter gegen eine Entbindung in Haßfurt aufgrund der fehlenden Kinderklinik entscheiden, ist nicht von der Hand zu weisen. Aus unserer Sicht könnten hier aber viele Ängste genommen werden." Unterzeichnet haben den Brief: Julia Braun aus Knetzgau, Eva Friedrich aus Zeil, Sigrid Plechinger aus Hofheim, Carolin Hölzner, Ramona Geist, Sydney Schneider, Yvonne Müller (alle aus Haßfurt) und Melanie Saal aus Königsberg. al


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