Forchheim

Geblutet, gestrandet, gewonnen

Ihr Ziel, den Extremlauf in der marokkanischen Wüste zu bewältigen, hat Claudia van Laak aus Forchheim zwar verfehlt. Bereut hat sie die Strapazen trotz der vorzeitigen und unplanmäßigen Rückreise aber nicht.
Artikel drucken Artikel einbetten
+3 Bilder
Daniel Ruppert

Wer regelmäßig einen Marathon läuft, für den sollte eine 15-Kilometer-Strecke kein Hindernis sein. Anders verhält es sich, wenn dabei 800 Höhenmeter über Sanddünen in der Wüste zu bewältigen sind - bei fast 50 Grad. "Ich habe mir beide Füße blutig gelaufen", erzählt die Forchheimerin Claudia van Laak zwei Wochen nach ihrer Teilnahme am Marathon des Sables in Marokko. Zwar quälte sie sich noch auf die zweite Etappe des Extremlaufs, doch nachdem sich die Blasenpflaster aufgelöst hatten, war Schluss. "Ich war mental super drauf, deshalb ärgert mich das", sagt van Laak.
Warum sie trotz akribischer Vorbereitung so früh aussteigen musste, kann sich die 53-Jährige nicht wirklich erklären. "Meine Schuhe sind sanddicht, und an dieser Stelle habe ich mir noch nie Blasen gelaufen", erklärt van Laak, die unter anderem den Traithlon am Rothsee gefinisht hat. Mit ihrer Blessur war sie in guter Gesellschaft. "Beim Arzt im Basislager musste ich eineinhalb Stunden anstehen", erinnert sie sich. 135 der gut 1100 Starter gaben im Laufe der sechs Tagesabschnitte auf.
"Einige Hautpartien waren verbrannt, ehe man Sonnencreme auftragen konnte. Als ich meine Socken ausgezogen habe, standen sie vom Schweiß und Sand wie in Beton gegossen", erzählt van Laak. Sportlich war ihre Reise, die sie zum Spendenaufruf für den Weißen Ring genutzt hatte, zu Ende, sodass die Läuferin, die nicht mehr laufen konnte, einen Plan B für den Weg nach Hause brauchte.
Die Regularien des Wüstenmarathons sehen vor, dass aussteigende Teilnehmer nach einer weiteren Nacht im Camp zum nächstliegenden Flughafen gebracht werden. So strandete die Wahl-Fränkin in Ouarzazate, wo es tatsächlich einen Airport, allerdings keine regelmäßigen Verbindungen nach Deutschland gibt. "Ich habe mir mit drei anderen Aussteigern ein Taxi nach Marrakesch genommen", erzählt van Laak. Was angesichts von 200 Kilometern durch das Atlas-Gebirge nach einer teuren Angelegenheit klingt, schlug lediglich mit 30 Euro pro Person zu Buche - inklusive Reiseführer, denn der Fahrer entpuppte sich als unterhaltsamer Zeitgenosse. "Er hat für uns bei der Apotheke gehalten und sogar das Geld für weitere Blasenpflaster vorgestreckt, weil wir keine einheimische Währung hatten", berichtet die 53-Jährige.
Nach fünfeinhalb Stunden war Marrakesch erreicht, die Umbuchung ihres ursprünglichen Flugs war dank der kulanten Fluggesellschaft problemlos möglich. Mit neuen Freunden ging es schließlich Richtung Heimat. "Wenn man mit fremden Leuten auf engstem Raum ist, schweißt das zusammen", beschreibt sie ihre "kleine Invalidentruppe".
Ihre Extremlaufpläne hat Claudia van Laak vorerst auf Eis gelegt. "Jetzt gehe ich wieder normal wandern", sagt sie. Ihre Teilnahme am 31. Marathon des Sables bereut sie aber nicht. "Ich würde es wieder machen. Ob ich den immensen Aufwand in meinem Alter nochmal betreiben kann, ist allerdings nicht sicher."
Immerhin bescherte ihr das unfreiwillige Scheitern ein paar Urlaubstage, die sie ansonsten in der marokkanischen Wüste verbracht hätte - bei fast 50 Grad.
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren