Scheßlitz

Fünf Schüler und zwei Lehrer suchen jeden Abend einen neuen Schlafplatz

Eine Abschlussfahrt schön nach Plan und mit fest gebuchter Jugendherberge - so läuft das an der Giechburgschule in Scheßlitz nicht. In diesem Jahr stellten ...
Artikel drucken Artikel einbetten
Fünf Schüler und ihre Klassenlehrer Nina Ehrlich und Sebastian Stiller unternahmen eine ungewöhnliche "Abschlussfahrt".  Foto: privat
Fünf Schüler und ihre Klassenlehrer Nina Ehrlich und Sebastian Stiller unternahmen eine ungewöhnliche "Abschlussfahrt". Foto: privat
+1 Bild
Eine Abschlussfahrt schön nach Plan und mit fest gebuchter Jugendherberge - so läuft das an der Giechburgschule in Scheßlitz nicht. In diesem Jahr stellten sich fünf Schüler der 9. Klasse des Sonderpädagogischen Förderzentrums der Herausforderung, sich fünf Tage lang in Nürnberg und der Fränkischen Schweiz auf eigene Faust durchzuschlagen. Sie mussten selbst Übernachtungsmöglichkeiten finden, sich Essen besorgen und die komplette Ausrüstung in Rucksäcken tragen. Unterstützt wurden sie dabei von ihren zwei Klassenlehrern Nina Ehrlich (35) und Sebastian Stiller (33), die über die Erfahrungen im Interview berichten.

Wie kamen sie auf die Idee für diese Abschlussfahrt und welches Ziel steckt dahinter?
Sebastian Stiller: Da wir fünf recht sportliche Entlass-Schüler in diesem Jahr hatten, war uns schnell klar, dass wir eine erlebnispädagogische Abschlussfahrt wagen. In den vergangenen zwei Jahren haben wir mit den Jungs vor allem an ihrer Selbstständigkeit gearbeitet, und diese sollten sie nun im echten Leben unter Beweis stellen. Um das Selbstvertrauen und die Teamfähigkeit zu stärken, begingen wir noch den Hohenglücksteig Klettersteig und sind in die Zwergenhöhle gegangen.

Hatten die Schüler großen Respekt vor der Aufgabe?
Nina Ehrlich: Um ehrlich zu sein, war die Begeisterung in der Planungsphase eher verhalten. Der Respekt vor einem 15 Kilogramm schweren Rucksack und vor dem Übernachten unter freiem Himmel war groß. Allerdings haben sich die Schüler auf das Abenteuer eingelassen und haben sogar freiwillig ihre Handys zuhause gelassen. Je nach Regenmenge und Hungergefühl veränderte sich spürbar die Stimmung der Schüler. Dann war die ganze Gruppe gefragt, um kreative Lösungen zu finden. Wir hatten erlebnisreiche Tage.

Was waren die ungewöhnlichsten Übernachtungsorte?
Stiller: An einem Tag wollten wir auf der Ruine Pommelsbrunn übernachten, leider durchkreuzte ein heftiges Gewitter diesen Plan. In dem kleinen Ort fanden wir spät am Abend Unterschlupf in der katholischen Pfarrei. Dort fand zuvor ein kleines Fest statt und wir durften nach einem langen Tag sogar das Buffet stürmen.

Welche Erfahrung war an den fünf Tagen am wertvollsten?
Ehrlich: Es waren intensive Tage. Am meisten hat mich unser Durchhaltevermögen beeindruckt, 22 Kilometer zu laufen, davon mehrere Stunden im Regen. Abends waren alle völlig geschafft, aber auch sehr stolz.
Stiller: Es lohnt sich, das feste Setting der Schule auch mal zu verlassen, um Neues an sich als Lehrer und an den Schülern kennenzulernen.

Wie haben sich die Menschen den Bitten der Schüler gegenüber verhalten?
Ehrlich: Wir haben viel Verwunderung, aber auch enorme Hilfsbereitschaft erlebt. Nur an einem Abend gestaltete sich die Schlafplatzsuche mühsam. Ohne die Unterstützung von Rolands Alpin-Laden wäre diese Fahrt allerdings nicht möglich gewesen, da er unsere Schüler mit Trekkingschuhen, Schlafsäcken und Isomatten ausgestattet hat.

Die Fragen stellte
Michael Memmel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren