Bad Staffelstein

Frontalangriff aufs Zwerchfell

Kabarett  Bei seinem Auftritt in der Adam-Riese-Halle ließ Michl Müller nichts und niemanden ungeschoren.
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Michl Müller bei seinem Auftritt in Bad Staffelstein Foto: Archiv
Michl Müller bei seinem Auftritt in Bad Staffelstein Foto: Archiv
von unserem Mitarbeiter Andreas Welz

Bad Staffelstein — Was Michl Müller in der Adam-Riese-Halle am vergangenen Freitag abgefeuert hat - da hätte man einen Pyrotechniker gebrauchen können - es war ein kabarettistisches Feuerwerk der Extra-Klasse. Den Totalangriff aufs Zwergfell kommentierten seine Fans mit: "Unglaublich, das ist absolute Spitzenklasse, ein toller Abend, eins mit Sternchen, super." Mit viel Witz, verrückten Pointen und seinen nicht mehr ganz frischen Songs begeisterte der "Dreggsagg" in atemberaubenden Tempo sein über 1500-köpfiges Publikum und sorgte wortgewandt und süffisant mit seinem Pointen-Marathon laufend für Bauchmuskelkrämpfe oder trieb mit seinem umwerfenden Hüftschwung den Zuschauern die Lachtränen in die Augen. Ohne lange Vorreden ballerte die fränkische Witzekanone Pointen am laufenden Band raus.

Aufwendige Technik

Dass der Künstler aus Bad Kissingen mittlerweile im Comedy-Olymp angekommen ist, zeigte allein schon die aufwendige Sound- und Lichttechnik. Sein übergroßes Konterfei zierte das Bühnenbild. Große erleuchtete Würfel auf der Bühne dienten zur Illumination seiner Lieder. Mit seinem T-Shirt mit dem Aufdruck "Dreggsagg" und seinem jungenhaften Lachen verzauberte er ein Publikum, das auch von weither angereist kam.
In der Show "Ausfahrt freihalten" ärgerte sich der Komiker über Parksünder, Rentner als Verkehrswächter, Bushido-Anhänger mit Hosen auf Halbmast, Abhörskandal unter Freunden, die Krisengebiete oder immer wieder über die Politiker. Zynisch und derb war seine Wortwahl, die auch das aktuelle Tagesgeschehen nicht ausließ. Den radikalen Islamisten riet er, sich allein in die Luft zu sprengen, dann würden sie Gott oder Allah eher sehen, als wenn sie Hunderte mit in den Tod rissen.
In seiner Persiflage zur Eltern-Kinder-Spielzeit beschreibt er trefflich Alltagsszenen, bei denen jeder im Publikum mitreden konnte. Ergötzlich war das Thema "Kita", bei dem die Kinder schon mit vier Jahren die Wurzel aus 37 ziehen sollen. Der 43-Jährige vergleicht zur allgemeinen Erheiterung das "Sandessen" im Spielplatz von früher mit der wohlbehüteten Spielplatz-Atmosphäre von jetzt. Er begann seine Schilderung mit "ja als ich vor 25 bis 20 Jahren" und wurde fortan immer jünger. Beim Thema "versexte Gesellschaft" tobte das Publikum, als Tupper-Partys von Dessous-Dildo-Partys abgelöst wurden.

Online-Wahn

Immer wieder nahm der Kabarettist den grassierenden Online-Wahn ins Visier, prangert an, wie Apps, Onlineportale und Buchungsmöglichkeiten das Leben seiner fiktiven Freunde Holger und Frank nachteilig beeinflussen, so auch bei der Reiseplanung nach La Gomera. Seine Song für "Angela" - die so sexy ist - oder die "Fleischereifachverkäuferin", die dem Bub zum Abschied eine Scheibe Gelbwurst schenkt, wurden lautstark mitgesungen. Mit seiner Liebeserklärung in Styropor und Hits wie "Sex ist nicht alles" und "Krumbeernszelod" sorgte er für ausgelassenen Stimmung.
Immer wieder karikierte Müller Helene Fischer, die deutsche Schlagersängerin, Tänzerin und Entertainerin, der er ihren Erfolg als erfolgreiche Schlagersängern neidete.
Er wunderte sich über die deutsche Nationalmannschaft, die noch nie ein Endspiel verloren hätte, wenn Angela Merkel im Stadion saß. Michl Müller kannte die Geheimformel von "Sexy Angie": "Wenn ihr verliert, komme ich zum Duschen". Auch Ministerpräsident Seehofer kam nicht ungeschoren davon. In Sachen Energiewende sei er das "größte Windrad in Bayern". Dabei war Müller immer in Bewegung, redet ohne Punkt und Komma - schweißtreibende drei Stunden lang, unterbrochen von nur einer Pause. In "Jetzt erstrecht" lässt er keinen Bereich des Lebens aus, kommt dabei vom Hundertsten ins Tausendste.

Respektloses Mundwerk

Nichts und Niemand aus Politik, Boulevard und Gesellschaft waren vor seinem erfrischend respektlosen Mundwerk sicher, wenn er pointenreich durch seine Welt reiste. Michl Müller hatte sich viel vorgenommen: er wollte der Welt die Welt erklären, nicht mehr und nicht weniger. Klar, eigentlich war es nur seine eigene fränkische Welt, die er aber international aufstellte.









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