Neustadt bei Coburg

Frisch geputzt und gut in Schuss

Hallenbad  Heute um 8 Uhr ist es so weit: Das "Bademehr"-Hallenbad öffnet wieder. Damit Badegäste auch drinnen wieder unbeschwert planschen können, haben Mark Holland und sein Team in den vergangenen Monaten viel geleistet.
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In der Mess- und Regeltechnik überprüfen Bademeister Mark Holland (rechts) und Konrad Sünkel (links) von den Stadtwerken die Wasserqualität. Rund um die Uhr werden Messwerte erstellt.  Fotos: Moritz Brückner
In der Mess- und Regeltechnik überprüfen Bademeister Mark Holland (rechts) und Konrad Sünkel (links) von den Stadtwerken die Wasserqualität. Rund um die Uhr werden Messwerte erstellt. Fotos: Moritz Brückner
Neustadt — Die ersten Interessenten, die schon wieder ins Hallenbad wollten, musste Bademeister Mark Holland bereits nach Hause schicken. Vor der Eingangstüre hängt ja auch ein rot-weißes Absperrband mit einem Schild. Auf dem steht, dass das Bad erst am heutigen Montag wieder öffnet. Bis jetzt war das "Bademehr" wegen der jährlichen Revision geschlossen.
Die paar verregneten Tage vergangene Woche sorgten aber dafür, dass mehrfach Anfragen bei Holland eingegangen sind. "Hauptsächlich sind das Familien mit kleinen Kindern, denen das Wasser im Freibad jetzt doch zu kalt ist", sagt er. Ältere Menschen, die Rückenprobleme haben, sind auch typische Hallenbad-Gäste, die sich freuen, wenn heute das Hallenbad wieder seine Pforten.


Ein halbes Jahr Planung

Damit die Neustadter pünktlich wieder überdacht planschen können, arbeiten andere dafür im Akkord. "Die ersten 14 Tage sind hier etwa 15 Firmen im Bad. Das ist dann wie ein Ameisenhaufen", erinnert sich Holland an den Beginn der Sommerpause. Seit 22. Juni ist das "Bademehr" nun geschlossen. Die Planungen für das Großreinemachen beginnen schon weit früher, im Februar an. "Da werden Listen angefertigt, auf die jeder Mitarbeiter Mängel schreiben kann, die ihm aufgefallen sind", sagt der Bademeister. Die Liste bleibt bei ihm im Büro liegen, damit sie immer aktualisiert werden kann. Dadurch werde sichergestellt, dass am Ende nichts vergessen werde. "30 000 bis 40 000 Menschen hinterlassen nun einmal Spuren", sagt Holland.
Zu seinen Aufgaben gehört auch das Planen und Koordinieren der einzelnen Firmen und Arbeiten. "Wir haben hier auch Handwerker aus Hamburg, das muss alles organisiert werden", erklärt Holland. Bei Maschinen zieht das Bad-Team Fachfirmen zu Rate und lässt sich gleich einen Kostenvoranschlag machen. Dann brauchen Holland und Co. zur Revision nur noch ein "Ja" oder "Nein" der Bäderleitung. Und auch um den Putzfrauen Planungssicherheit für deren Urlaub geben zu können, müssen Planungen rechtzeitig abgeschlossen werden.
Fliesenleger, Maler und Schreiner sind während der Sommerpause im Bad im Einsatz. Viele von ihnen könnten ihre Arbeiten gar nicht verrichten, wenn das Becken mit Wasser gefüllt ist. Am 21. Juni wurde abends das Becken entleert, am Tag darauf waren die ersten Arbeiter schon im Becken.


850 000 Liter Wasser

Die künstlichen Pflanzen standen heuer in der Prioritätenliste ganz oben. "Die haben sich lange gehalten. Das müssten jetzt zehn Jahre gewesen sein", sagt Konrad Sünkel, der bei den Stadtwerken auch für die Bädertechnik verantwortlich ist.
Seit Juni wurden außerdem Sandsteine und das Geländer an der Rutsche erneuert. Doch auch die Technik des Bades eine Etage tiefer muss die jährliche Durchsicht überstehen. Im Untergrund liegen die meisten der Arbeiten, für die das Hallenbad für zwei Monate geschlossen werden muss. "Das ist unfassbar, wie viel Technik man benötigt - vor allem wenn man Attraktionen wie unser Schiff im Bad hat", erklärt Sünkel. Viele Menschen könnten sich gar nicht vorstellen, warum eine Durchsicht so lange dauert.
Heute vor einer Woche wurde dann begonnen, das Becken wieder mit Wasser zu füllen - Mittwochfrüh war es voll. Insgesamt 850 000 Liter haben die Bäderbetriebe dafür aus dem Trinkwassernetz entnommen. "Jetzt müssen wir noch das Wasser endgültig auf unsere vorgegebenen Werte aufbereiten", erklärt Holland. In der Mess- und Regeltechnik analysieren empfindliche Instrumente die Wasserqualität rund um die Uhr. Die schlagen sofort Alarm, sollte ein Wert nicht in Ordnung sein. Zuletzt wurden noch die Attraktionen durchgespült und desinfiziert. "Weil da manchmal Wasserreste bleiben", sagt Holland.
Nicht ganz unwesentlich: Das Wasser muss noch auf Temperatur gebracht werden. "Das dauert drei bis vier Tage", weiß Sünkel und erklärt, wie das Wasser aufgewärmt wird: Das "Bademehr" hat ein Blockheizkraftwerk. Dessen Motoren erzeugen Strom, der ans Netz abgegeben wird. "Als Nebenprodukt entstehe Wärme. Dies nutzen wir, um das Wasser aufzuheizen", erklärt Sünkel.


Die letzten Tests laufen

In den vergangenen Tagen fanden noch finale Tests statt, wie zum Beispiel an der Wellenfunktion im Becken. Fazit: Das Bad ist gerüstet für die ersten Badegäste. Sowohl Schwimmkurse als auch Aquajogging werden zur Eröffnung des Bades angeboten. "In Thüringen beginnt die Schule, erfahrungsgemäß kommen in den ersten Wochen auch einige Schulklassen", sagt Holland.
Seit 36 Jahren ist der Neustadter Mark Holland jetzt Bademeister. Einen Wunsch für die Zukunft hat er aber doch noch: Das wieder mehr Kinder in die Schwimmkurse kommen. "Dafür ist scheinbar kein Geld da, obwohl für andere Hobbys weitaus mehr Geld ausgegeben wird." mo

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