Forchheim

Freie Wähler luden zum Gespräch "Asylbewerber und Ehrenamt"

Die Arbeit der eherenamtlichen Helfer bei der Flüchtlingshilfe im Landkreis zu würdigen, ihre Probleme zu erfahren und Lösungsansätze zu finden, war Ziel einer Veranstaltung, zu de...
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M. Hümmer
M. Hümmer
Die Arbeit der eherenamtlichen Helfer bei der Flüchtlingshilfe im Landkreis zu würdigen, ihre Probleme zu erfahren und Lösungsansätze zu finden, war Ziel einer Veranstaltung, zu der der Kreisverband der Freien Wähler ins Gasthaus Lindenhof nach Heroldsbach eingeladen hatten. Das Thema: "Asylbewerber und Ehrenamt."
Neben Vertretern der lokalen Netzwerke, FW-Kreisräten und Bürgermeistern begrüßte der Vorsitzende des Kreisverbandes als Referenten Frithjof Dier, den Geschäftsbereichsleiter für kommunale und soziale Angelegenheiten am Landratsamt Forchheim, Werner Lorenz, Geschäftsstellenleiter des Caritasverbandes Forchheim und MdL Thorsten Glauber (FW).
"In keiner Weise dürfen wir uns dazu bewegen lassen, die Stimme der Menschlichkeit in uns zum Schweigen zu bringen", eröffnete Hümmer die Veranstaltung mit einem Zitat von Albert Schweizer. Besorgt fragte Hümmer, wie lange das ehrenamtliche Engagement in der eggenwärtigen Form aufrecht erhalten oder sogar noch gesteigert werden kann? "Welche Probleme ergeben sich für die Unterstützer im Alltag?", wollte Hümmer wissen. Und: "Welche konkreten Erwartungen haben die Helfer an Politik und Verwaltung?, welche Anregungen der Betroffenen?"
Zuvor präsentierte Frithjof Dier die aktuellen Flüchtlingszahlen im Landkreis. So durchliefen laut Dier im Oktober im Landkreis Forchheim im Schnitt 100 bis 200 Menschen für drei Tage die Erstaufnahme in Forchheim. In weiteren Unterkünften der Stadt seien etwa 80 Menschen untergebracht. Dezentral im Landkreis leben 921 Flüchtlinge in 44 Unterkünften. Zudem seien zurzeit 50 Menschen in Mietwohnungen untergebracht. Dazu kämen 85 (demnächst bis zu 136) unbegleitete Minderjährige.
Dier unterstrich, dass er derzeit noch genügend Angebote zur Vermietung im Landkreis habe. Es bestehe keine Gefahr von Zeltunterkünften. "Forchheim ist kein Brennpunkt!", bekräftigte Dier, der sich freute, dass es bisher keine Übergriffe auf Flüchtlingsheime im Landkreis gegeben habe. Dier machte aber auch deutlich: Ohne die vielen ehrenamltichen Mitarbeiter seien die vielen Aufgaben im Bereich der Flüchtlingshilfe nicht zu bewältigen. Es fehle nicht an gutem Willen, sondern schlicht an Personal.


Den Mangel auffangen

Dies bestätigte Werner Lorenz, Leiter der Forchheimer Caritas. Die sieben hauptamtlichen Sozialarbeiter seien momentan zuständig für rund tausend Asylbewerber. Dies bedeute, dass die Begegnung mit Einzelnen zurückgestellt werden müsse. Nur das unbedingt Notwendige sei zu schaffen. Einzig durch intensives ehrenamtliches Engagement könne dieser Mangel zum Teil aufgefangen werden.
MdL Thorsten Glauber nannte die Aufnahme der Flüchtlinge die "größte Herausforderung an uns seit der Wiedervereinigung". Für besonders dringlich hielt Glauber die Bewilligung von zusätzlichen Mitteln für den Wohnungsbau im nächsten Doppelhaushalt. Sonst entstehe "sozialer Sprengstoff". Der Landtag müsse bereit sein, mindestens 600 Millionen Euro an Finanzmitteln einzusetzen. Geldmittel für das ehrenamtliche Engagement seien leider bisher politisch nicht durchsetzbar gewesen, wandte sich Glauber an die Helfer. Er räumte ein, dass es für das Ehrenamt bisher zu wenig Mittel gebe.
Im anschließenden Informationsaustausch der Netzwerker kristallisierte sich schnell heraus, dass die Helfer aus unterschiedlichen Ortschaften oft mit den gleichen Problemen kämpfen. Viele beklagten den mangelnden Informationsfluss zwischen örtlichen und überörtlichen Behörden. Oft fühlten sie sich nicht ernst genommen oder alleingelassen. Dabei gehe es vor allem um Informationen zu gesetzlichen Änderungen, zum Anerkennungs-Status des einzelnen Flüchtlings, zu Sprachkursen, Datenschutz, Kinderschutz und medizinischer Versorgung. Als ganz große Schwierigkeit erkannten die meisten das Fehlen von Dolmetschern. In vielen Orten gebe es auch keine Betreuung durch soziale Dienste.
Traumatisierten Menschen müsse zudem eine psychologische Behandlung ermöglicht werden. Besonders erbost waren die Helfer über das Verhalten einzelner Betreiber von Unterkünften, die ihre Häuser verwahrlosen ließen.
Fazit einer Helferin: "Die Hälse werden dicker." Vehement forderten die Ehrenamtlichen unangekündigte Kontrollen der Räumlichkeiten. Angesichts des großen Gesprächsbedarfs vereinbarten die Anwesenden mit Manfred Hümmer, baldmöglichst Lösungsansätze zu suchen. Britta Kaiser

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