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Lichtenfels

Frauen stehen zu selten im Schild

Namensgebung  Die meisten Straßen in den Städten und Dörfer des Kreises Lichtenfels sind nach Männern benannt - oder nach Blumen, alten Flurbezeichnungen und Orten. Frauen als Namenspatinnen sind eher selten. Wer sich auf die Suche begibt, findet vor allem Heilige, aber kaum Frauen der Gegenwart.
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Die Sandsteinfigur der Heiligen Anna an der Staffelsteiner Anna-Kapelle. Foto: Matthias Einwag
Die Sandsteinfigur der Heiligen Anna an der Staffelsteiner Anna-Kapelle. Foto: Matthias Einwag
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von unserem Redaktionsmitglied 
Matthias Einwag

Kreis Lichtenfels — Wer war Ivo Hennemann, wer Oskar Schramm? In Bad Staffelstein sind Straßen nach beiden Männern benannt. Doch außer einigen Lokalpatrioten können sicher die Wenigsten auf Anhieb - ohne zu googeln - erklären, wer diese Männer gewesen sind: Ivo Hennemann war ein einst berühmter Staffelberg-Eremit, Oskar Schramm war Landrat des früheren Kreises Staffelstein.
Wir haben uns im Kreis Lichtenfels umgesehen. Jede Menge Männer: Goethe, Schiller, Balthasar Neumann, Valentin Rathgeber, Willy Brandt, FJS, Theodor Heuss, Thomas Dehler - ja sogar Hindenburg. An zweiter Stelle stehen Blumen- und Baumnamen. Sie sind politisch unverfänglich, zeitlos und zugleich klangvoll. In Ebensfeld finden Tulpen, Flieder, Lilien, Rosen und Holunder eine Würdigung, in der Staffelsteiner Auwaldsiedlung Birken, Buchen, Eichen, Linden, Rosen, Lilien und Nelken.

Wege tragen Frauennamen

Wer nach Frauennamen in Straßenbezeichnungen sucht, wird zunächst in Lichtenfels fündig: Elisabethen-, Karolinen- und Katharina-von-Bora-Straße. Seltsamerweise tauften die Stadtväter aber gern kleinere Straßen nach Frauen: Marien-, Margareten-, Anna-, Katharinen- und Theresienweg. Ein Bürgermeisterin-Fischer-Weg fehlt jedoch bislang noch.
Auffallend ist, dass die Namensgeberinnen meist Heilige waren - offenbar in Anlehnung an Scheffels "Gottesgarten" samt Vierzehnheiligen. Ansonsten ist's in Lichtenfels wie überall: Äbte, Bischöfe, Baumeister, Dichter. Jedenfalls Männer. Das kleine Kümmersreuth mit seinen wenigen Straßen immerhin hat eine Margarethengasse.
In Burgkunstadt fallen zwei Namen ins Auge: Die Kathi-Baur-Straße und die Kuni-Tremel-Eggert-Straße. Kathi Baur (1898 - 1984) heiratete 1934 Friedrich Baur, der 1925 in Burgkunstadt das erste Schuh-Versandhaus Deutschlands gegründet hatte. Sicher war Kathi Baur nicht unbeteiligt, als ihr Mann 1953 die Friedrich-Baur-Stiftung ins Leben rief. Da die Ehe kinderlos blieb, ging das Vermögen des Paares 1965 an die Friedrich-Baur-Stiftung über. Neben sozialen Einrichtungen wie einem Kindergarten und einem Altenheim fördert die Stiftung gemeinnützig die Forschung und Verbesserung der Krankenbehandlung und die Aufgaben der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Bis heute ist die Stiftung in Oberfranken mäzenatisch ein wichtiger Faktor.
Kuni Tremel-Eggert (1889 - 1957) ist eine in Burgkunstadt geborene Schriftstellerin, die jedoch sehr umstritten ist, weil sie in ihren Texte höchst unkritisch mit den Zielen des Dritten Reichs umging. Nach dem Krieg wurde sie deshalb von den Alliierten mit einem Schreibverbot belegt.
Im Kernort Bad Staffelstein sind vier nach Frauen benannte Straßen zu finden: Kunigundenweg, Alberadastraße, St.-Anna-Straße und Grete-Rommel-Straße. Was Adelgundis betrifft - leider Fehlanzeige, doch immerhin ist die Kapelle auf dem Staffelberg dieser bemerkenswerten Frau geweiht.

Wer eigentlich war Alberada?

Relativ klar ist die Benennung nach Kaiserin Kunigunde, die zusammen mit ihrem Gemahl Heinrich das Bistum Bamberg gründete. Bei Alberada kommen sogar die Staffelsteiner ins Grübeln - ein Anwohner der Alberadastraße, einer Sackgasse mit fast verblichenem Straßenschild, bekennt freimütig, er habe, als er hierher zog, erst einmal nachschlagen müssen, wer diese Alberada gewesen sei: Als Markgraf Otto von Schweinfurt 1057 starb, wurde der Besitz des Hauses unter seiner Witwe und seinen Töchtern aufgeteilt. Die heute oberfränkischen Güter fielen an die Töchter Berta (Alberada) und Gisela. Zum Erbe Bertas gehörten die damalige Burg Banz. Da das Ehepaar keine leiblichen Erben besaß, gründete Berta ein Kloster in Banz. Den Banzberg schenkte sie 1070 dem Bistum Bamberg. Davon zeugt noch heute ein großes Ölgemälde an der Decke des Kaisersaals in Kloster Banz.
Die Heilige Anna wird in den vier Evangelien nicht erwähnt; sie war jedoch laut mehreren apokryphen Schriften des zweiten bis sechsten Jahrhunderts die Mutter Marias und damit die Großmutter Jesu. In Franken wird die Heilige gern als "Anna selbdritt" dargestellt: Mit ihrer Tochter Maria und ihrem Enkel Jesus. In Bad Staffelstein ist ihr eine Kapelle geweiht, an deren Portal "Anna selbdritt" als Sandsteinfigur zu sehen ist.
Grete Rommel ist die Gründerin der heutigen Großwäscherei gleichen Namens. Mit einem Waschbrett und einem Bügeleisen, das am offenen Feuer erhitzt wurde, fing es an: 1948 gründeten Grete und Georg Rommel eine Wäscherei in der Staffelsteiner Bärengasse.
In Zeiten des Gender-Prozesses fragt man(n) sich ernsthaft, warum nicht mehr Frauen als Namensgeberinnen von Straßen zu finden sind - oder gefunden werden. Unsinn wäre es freilich, bestehende Straßennamen umzubiegen, nur damit die Form gewahrt bleibt ("für Bürgerinnen und Bürger"). Eine "Bärinnen und Bärengasse" in Bad Staffelstein muss es nicht geben - schon weil der Name nicht aufs Straßenschild passen würde. In Ebensfeld wäre hingegen irgendwann einmal eine Monika-Drossel-Gasse (ehemalige Dritte Bürgermeisterin) wünschenswert - und das ganz ohne männliche Ironie!

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