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Lichtenfels

Frauen sollten endlich gehaltsmäßig den Männern gleichgestellt werden

von unserer Mitarbeiterin Gerda Völk Lichtenfels — Sie sollten eine Brücke in die Festanstellung werden, bergen aber mehr Risiken als Chancen für die Betroffenen - gemeint sind die...
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DGB-Regionssekretärin Marietta Eder sprach beim "Beschäftigungsgipfel" der Lichtenfelser Frauengruppen über die Risiken sogenannter Minijobs.  Foto: Gerda Völk
DGB-Regionssekretärin Marietta Eder sprach beim "Beschäftigungsgipfel" der Lichtenfelser Frauengruppen über die Risiken sogenannter Minijobs. Foto: Gerda Völk
von unserer Mitarbeiterin Gerda Völk

Lichtenfels — Sie sollten eine Brücke in die Festanstellung werden, bergen aber mehr Risiken als Chancen für die Betroffenen - gemeint sind die Minijobs. Nach dem "Frauengipfel" zur Bürgermeisterwahl und dem "Pflegegipfel" 2014 hatte das Aktionsbündnis der "Lichtenfelser Frauengruppen" diesmal zu einem "Beschäftigungsgipfel" eingeladen. Anders als bei den beiden vorangegangenen Veranstaltungen war diesmal die Besucherresonanz eher gering.
"Frauen müssten ihr Leben von rückwärts denken und von vorwärts leben" - ein kluger Rat, den Maria Hollering-Hamers, die Sprecherin des Aktionsbündnisses Lichtenfelser Frauengruppen und Moderatorin der Veranstaltung, den Besucherinnen gab.

Frauen meist Zuverdienerinnen

Die Referentin des Abends, DGB-Regionssekretärin Marietta Eder, gab sich selbstbewusst und kämpferisch. "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit", lautet die Devise der 36-Jährigen. Am liebsten wären ihr ordentliche Beschäftigungen und eine Sozialversicherungspflicht ab dem ersten verdienten Euro. Die Realität sieht leider anders aus. Der Mann als Ernährer, die Frau als Zuverdienerin für den so nicht leistbaren Urlaub beispielsweise: Auch im 21. Jahrhundert sei das ein immer noch gängiges Modell.
In der Bundesrepublik Deutschland arbeiten nach Angaben der Referentin knapp fünf Millionen Menschen in einen sogenannten Minijob. Im Landkreis Lichtenfels gebe es rund 6000 Minijobber, etwa zwei Drittel davon seien Frauen. In der gesellschaftlichen Wahrnehmung würden diese Jobs kaum als reale Arbeit wahrgenommen, sagte Marietta Eder.
Ursprünglich seien Minijobs für Langzeitarbeitslose gedacht gewesen und für Frauen nach einer längeren familienbedingten Erwerbsunterbrechung als Brücke in ein reguläres sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis. In der Realität aber überwiegen nun die Risiken für die Betroffenen. Zwar verspreche der Minijob flexiblere Arbeitszeiten und damit mehr Zeit für die Familie, bringe aber praktisch nur ein "Mini-Einkommen". Für eine kurzfristige Existenzsicherung müsste eine Person ohne Kind über ein Bruttomonatseinkommen von 1118 Euro verfügen, rechnete Eder vor.
Eine alleinerziehende Person mit einem Kind müsste demnach 1515 Euro verdienen. Für eine langfristige Existenzsicherung einschließlich Rentenleistung im Alter auf Höhe des Existenzminimums (754 Euro) dürfte das Bruttomonatseinkommen über einen Zeitraum von 40 Jahren im Schnitt nicht unter 1952 Euro liegen.
Seitdem es den Mindestlohn in Höhe 8,50 Euro gebe, sollten Minijobberinnen auch auf ihre Stunden achten, fuhr die Referentin fort. Wenn in einem Betrieb vollzeitbeschäftigte Mitarbeiter Urlaubs- und Weihnachtsgeld erhalten, hätten auch Minijobber Anspruch darauf. Weil Minijobber keine Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zahlen, hätten sie bei einem Jobverlust keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Zudem drohe ihnen die Altersarmut. Wer 45 Jahre in einem Minijob gearbeitet habe, erhalte eine Rente von weniger als 200 Euro im Monat. Um mit einem Minijob die Grundsicherung zu erreichen, müsste die Lebensarbeitszeit 154 Jahre betragen.

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