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Schweinfurt

Frau wollte Ehemann überfahren

VON Stefan Sauer Schweinfurt — Wenn stimmt, was der Staatsanwalt verliest, haben sich am Nachmittag des 31. März letzten Jahres drei Männer nur durch Flucht und beherzte Sprünge zu...
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VON Stefan Sauer

Schweinfurt — Wenn stimmt, was der Staatsanwalt verliest, haben sich am Nachmittag des 31. März letzten Jahres drei Männer nur durch Flucht und beherzte Sprünge zur Seite vor den Autoattacken einer 56 Jahre alten Frau retten können. Diese habe im Hofbereich der Gebäude Am Herroth 24-26 im Schweinfurter Stadtteil Bergl ihren Ehemann überfahren wollen, weil dieser "drei Tage mit Huren unterwegs" gewesen sei. So zitierte der Anklagevertreter aus Zeugenaussagen. Zuvor aber steuerte sie mit seinem VW-Kastenwagen in voller Fahrt auf den "besten Saufkumpanen" des Gatten zu, den sie beschuldigt, er habe ihm die "Huren" zugeführt. Der Kumpel konnte sich nur durch einen Sprung in den Hauseingang retten.
Aus Eifersucht soll die 56-jährige Hausfrau, Mutter von sechs Kindern, diese Taten vollbracht haben. Bei der Autoattacke gegen den Ehemann hätte sie laut Anklage um ein Haar noch einen unbeteiligten Dritten überfahren, der dabei war, für das Grillfest im Hof Getränke zu holen. Auch dieser habe sich nur durch einen Sprung in den Hauseingang vor Verletzungen retten können. Nun muss sich die Frau, seit einem Jahr in Untersuchungshaft, vor der Großen Strafkammer des Landgerichts wegen versuchten Totschlags in zwei Fällen verantworten.
Die Angeklagte äußert sich auf Anraten ihrer zwei Verteidiger derzeit nicht zu den Vorwürfen, die sie vor dem Untersuchungsrichter bestritten hatte. Sie habe mit dem Auto nur ihren betrunkenen Mann abholen und nach Hause bringen wollen, hatte sie gesagt. Der ermittelnde Polizist sagt dagegen, sowohl die Aussagen der Augenzeugen, als auch das Gutachten der Sachverständigen über die Spurenlage vor Ort entsprächen eindeutig dem, was in der Anklageschrift steht.

Grillgäste bekamen Angst

Demnach ging bei der Polizei an diesem Tag um 17.15 Uhr ein Notruf ein, dass "eine Frau durchdreht und mit dem Auto im Garten rumfährt". Mit vier Streifenwagen brausten die Ordnungshüter dorthin und erfuhren, dass die wütende Frau ihren Mann als Hurensohn und Bastard bezeichnet habe, er solle mitkommen. Sie habe ihm eine Ohrfeige gegeben, er sie an den Haaren gezogen und sie ein Bier-Sixpack nach ihm geworfen, ohne zu treffen.
Der Auftritt habe in der Drohung gegipfelt, sie werde jetzt das Auto holen, ihn überfahren und "alles plattmachen". Einige Grillgäste, bei denen der Ehemann am Tisch saß, hätten Angst bekommen, Grillzeug und Salate eingepackt und ins Haus gebracht. Zwei Minuten später sei die Angeklagte mit dem Auto in den Hof/Gartenbereich gefahren und habe beschleunigt, als sie den "besten Saufkumpel" des Ehemanns sah, der gerade eine Salatschüssel wegtrug. Sie sei frontal auf ihn zugefahren, er habe sich ins Haus gerettet.
Dann habe sie das Auto den Zeugenaussagen zufolge auf ihren Mann zugesteuert, der zuerst Richtung Haus geflüchtet sei, dann hinter einen Busch. Rückwärts sei sie auf diesen aufgefahren, ohne ihn zu überwinden. Ohne den Busch wäre der Gatte voll vom Auto erfasst worden. Alles, was an Tischen und Bänken so herumstand, sei durch die Gegend geflogen, so ein Polizist.
Schließlich sei die 56-Jährige aus dem Hof herausgefahren, habe den Wagen abgestellt und sei mit ihrem Auto geflüchtet. Noch am selben Tag wurde sie vorläufig festgenommen, später auf freien Fuß gesetzt und drei Wochen später in Untersuchungshaft genommen. Gegenüber dem psychiatrischen Sachverständigen hatte die Angeklagte angegeben, sie sei nicht sehr eifersüchtig, ihr Mann dagegen schon. Am 4. Februar wird der Prozess fortgesetzt.

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