Ebermannstadt
Historie 

Forchheim stolz auf Wachstum

Vor 150 Jahren war im Amtsblatt nachzulesen, dass die Stadt auf 4196 Einwohner gewachsen war. Ein Viertel der Bevölkerung bestand jecoch aus Männern, die beim Militär dienten.
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Postkarte von Forchheim aus dem Jahre 1895.
Postkarte von Forchheim aus dem Jahre 1895.
Kreis Forchheim — Das Jahr 1867 war nicht nur von Missernten, Cholera und Auswanderern geprägt. Es gab auch positive Entwicklungen, freudiges und Kurioses im Amtsblatt für die Bezirksämter Forchheim und Ebermannstadt vor 150 Jahren zu vermelden.
So wurde am 26. Januar bekannt gegeben, dass eine hölzerne Brücke in Ebermannstadt über den Breitenbach gebaut wird. Vier Monate später konnte schon stolz Vollzug gemeldet werden. "Die Gemeindevorsteher haben öffentlich bekannt zu machen, dass die Brücke über die Wiesent zwischen Breitenbach und Ebermannstadt bis zum 4. Juni vollständig ausgebaut sein wird". Ende März war hoher Besuch in der Region.


Ausgestopfte Tiere

Das Amtsblatt meldete, dass der König von Griechenland nebst Gattin und in Begleitung von Prinz Ludwig auf der Jägersburg die "Schlagintweit´sche Sammlungen" (ausgestopfte Tiere aus der ganzen Welt, die zum Verkauf standen) bestaunten und anschließend das Rathaus "und sonstige Merkwürdigkeiten der Pfarrkirche" besichtigten, ehe sie am Nachmittag nach Bamberg weiter reisten. Pfarrer Mahr vom königlichen Pfarramt Ebermannstadt ließ am 16. Juni 1867 öffentlich machen, dass "die auf der Höhe des sogenannten Calvarien- oder Stationsberges am Wallfahrtsweg nach Gößweinstein liegende Kreuzkapelle vollständig neue hergerichtet und angemalt worden ist".
Andererseits, so vermeldet das Blatt in der gleichen Ausgabe weiter, schlug der Blitz am St. Johannestag durch den Taubenschlag in das Wohnzimmer eines Einfamilienhauses, dort, wo die Eltern mit den beiden Kindern zu Tisch saßen. Der Blitz tötete die beiden Kinder und einige Hunde die auch im Zimmer waren.
Im Juli feierte man auch vor 150 Jahren das Annafest. Mit Anzeigen wurden um die Gunst der Besucher gebuhlt. So konnte man auf den Felsenkeller (eine genauere Angabe fehlt im Text) ein "anatomisches Cabinet besichtigen, in dem unter anderem der kleinste Mensch Deutschlands mit zwei Fuß drei Zoll (65 cm) und ohne Arme geboren", zu besichtigen war.
Ebenso konnte man in Bamberg einer Vorführung beiwohnen, in der eine "achtpferdekräftige (8 PS starke) englische Dampfmaschine der Firma Lanz ein Schaudreschen veranstaltete". Und ist diese Maschine, so heißt es weiter "noch während des Schaudreschens nach Wolfsbach bei Burgebrach verkauft worden". Hopfen war vor 150 Jahren ein großes Thema in und um Forchheim. In einem Reiseführer heißt es: "Gegenwärtig ist der Hopfenbau um Forchheim sehr bedeutend und gibt einen Handelszweig. Das Bier daselbst ist, wenn es rein gegeben wird, eines der Besten weit und breit, ohne dass auswärtiger Hopfen dazu verwendet werden muss und auch in Anwendung kommt".


Kontaktanzeigen

1867 ernteten die Bauern im Bezirksamt Forchheim laut allgemeiner Hopfenzeitung rund 10000 Zentner Hopfen, die auf einer Fläche von 880 Hektar angebaut worden sind. Ein Jahr später waren es schon 16 000 Zentner, plus 1800 Zentner aus dem Bezirksamt Ebermannstadt; der Produktionshöhepunkt war erreicht. Die Fläche war nun schon halb so groß (1800 Hektar) wie heute die Fläche für den Obstanbau. Ein paar Jahre später war alles vorbei. Eine Krankheit befiel die Hopfenpflanzen, so dass die Produktion fast schlagartig zum Erliegen kam. Erste Kontaktanzeigen fanden sich auch in dem Amtsblatt. "Ein junger königlicher Beamter sucht auf diesem Wege eine Lebensgefährtin mit Bildung und häuslichem Sinn. Fotografie und Angabe der persönlichen Verhältnisse unter Beschluss und den Buchstaben A.B. No. 284 sind franko an die Exped. des Blattes zu senden".
In einer weiteren Anzeige wurden "nicht mehr zum Cavallerie-Dienste geeignete Pferde, an die Meistbietenden versteigert. Zu jener Zeit hatte Forchheim laut Amtsblatt 4196 Einwohner, darunter rund 1000 Mann Militär. "Seit der letzten Zählung im Jahre 1864 ist somit die Einwohnerzahl um 131 gestiegen" meldete das Amtsblatt stolz. Eine große Sache war die Eröffnung des Rathaussaales nach dem Umbau. So wurde am 14. November ein extra Konzert vom Stadtmagistrat veranstaltet, "wozu die gesamte Bürgerschaft eingeladen ist". Der Saal im ersten Stockwerk "hieß bisher der Tanzboden und wurde in älterer Zeit als Verkaufsplatz an Markttagen benutzt", heißt es im Artikel. Nun wurde er umgebaut und hergerichtet. "Jetzt macht die Einrichtung desselben sowohl dem hochlöblichen Stadtmagistrate als auch den Herren Architekten alle Ehre".


Strafanzeige angedroht

Ob man aus Freude über den geglückten Umbau ein Böllerschießen veranstaltete, ist nicht überliefert. Zwei Wochen später allerdings wurden die Gemeindevorsteher per Dekret, mit Strafandrohung aufgefordert, darauf hinzuwirken, dass das "Abfeuern von Schießgewehren, Feuerwerkskörpern und Böllern, in den Ortschaften in der Nähe von feuergefährlichen Gebäuden verboten ist".
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