Forchheim
Umwelt 

Folienanbau mit Licht und Schatten

Weißer Spargel und aromatische Erdbeeren sind beim Kunden begehrt - zu günstigen Preisen, mit einer tunlichst langen Saison. Foliensysteme machen's möglich. Für Naturschützer ein Dorn im Auge, für Landwirte unverzichtbar.
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Noch zirka vier Wochen lang kann Siegfried Zenk auf seinen Feldern Spargel stechen. Die Folien sorgen für weiße Stangen.  Fotos: Andreas Oswald
Noch zirka vier Wochen lang kann Siegfried Zenk auf seinen Feldern Spargel stechen. Die Folien sorgen für weiße Stangen. Fotos: Andreas Oswald
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Andreas Oswald

Wann beginnt die Spargelzeit? Einfache Antwort: Wenn's den ersten Spargel gibt! Heuer hat die Spargelsaison so früh wie lange nicht mehr begonnen: Schon am 27. März konnte Spargelanbauer Siegfried Zenk die begehrten Stangen stechen. Grund war der ungewöhnlich warme Frühjahrsauftakt.
"Wir haben nur einmal 2012 so zeitig ernten können", betont der Landwirt und unterstreicht die historische Besonderheit eines solchen Naturereignisses mit einer Meldung, die er der FT-Serie "Vor 100 Jahren" entnommen hat: Letztmals sei 1912 von einem so frühen Saisonbeginn berichtet worden, den man damals als Sensation gefeiert habe.
Heutzutage habe man es Foliensystemen zu verdanken, dass die Saison gut drei Wochen eher als bei konventionellem Anbau beginnen könne, erklärt der staatlich geprüfte Gartenbautechniker. Dabei gebe es verschiedene Systeme, erläutert Zenk: Standard beim Spargelanbau sei die schwarz-weiße Folie. Deren schwarze Seite, die bei kühler Witterung dem Himmel zugewandt ist, zieht die Wärme an und speichert sie.
Eine andere Möglichkeit ist das Tunnelsystem: Dabei wird eine etwa hüfthohe Tunnelröhre über die Beete gespannt. Unter der Folie kann sich der Luftraum aufheizen - das ergibt einen Frühbeet-Effekt. Diese Lösung sei jedoch auch die teuerste, betont Siegfried Zenk - das für einen Hektar Tunnel benötigte Material koste 15 000 Euro.


Naturschützer sehen Probleme

Georg Schütz, der in der Forchheimer Geschäftsstelle des Bundes Naturschutz (BN) tätig ist, sieht beim Anbau mit Folie ein Problem: Die Entsorgung. Er habe sogar schon davon gehört, dass Agrar-Folie im Main-Donau-Kanal getrieben sei. Wobei Schütz einräumt, dass dies nicht unbedingt Absicht gewesen sein müsse, sondern womöglich Windverwehung die Ursache dafür sein könne.


Der Bauernverband relativiert

Der Forchheimer Geschäftsstellenleiter des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), Werner Nützel, hat keine konkreten Zahlen über den Folienverbrauch parat, verweist aber auf einen Online-Bericht des Bayerischen Rundfunks. Darin sei die Rede von 650 Tonnen Spargelfolie, die ein Müllentsorger in der Region Schrobenhausen im letzten Jahr angenommen habe. Drei Viertel davon können wiederverwertet werden, heißt es in dem Bericht. Der ganze Anbau sei dem Wettbewerb unterworfen, rechtfertigt Nützel die Folienverwendung. "Die Verbraucher - und das sind wir alle - sind da etwas unehrlich", sagt der BBV-Geschäftsstellenleiter, "auf der einen Seite wollen wir die Umwelt schonen, andererseits entscheiden wir uns beim Einkauf für das günstigste Angebot." Konventionell angebauter Spargel würde das Doppelte kosten. Um die Mengennachfrage zu erfüllen, wäre die Ergänzung durch Importware nötig - was wegen der Transportwege ökologischer Unsinn wäre.


Erzeuger unterliegen Marktzwang

Auch Spargelanbauer Zenk gibt hinsichtlich des Folienverbrauchs zu: "Ich sehe das auch sehr kritisch." Der Gartenbautechniker hält eine extreme Saisonverfrühung nicht für sinnvoll. Wenngleich interessant sei, was alles machbar sei, müsse man sich fragen, ob man alles umsetzen solle, was mit einer Pflanze möglich sei, gibt Zenk zu bedenken. Jedoch ist auch er den Wettbewerbszwängen unterworfen: "Der Erste am Markt gewinnt." Ohne die schwarz-weiße Folie gehe nichts mehr, betont der Spargelanbauer. Die UV-Undurchlässigkeit des Materials ermögliche es, dass nur ein Mal am Tag gestochen werden müsse, um weißen Spargel zu ernten - ohne Folie müsste zwei mal täglich geerntet werden, damit die Köpfe nicht durch den Lichteinfluss blau werden.
Wobei Zenk zugibt, dass der "bunte Spargel" ernährungswissenschaftlich gesehen das wertvollere Produkt sei als die weiße Ware, für die sich der Verbraucher meist entscheide. Zum Kunststoffverbrauch auf dem Feld erklärt Siegfried Zenk, dass pro Hektar zirka fünf Kilometer Folie benötigt würden - das heißt 7000 Quadratmeter, was ungefähr einem Fußballfeld entspricht. In Einkaufstüten umgerechnet (zwei Tüten sind gleich ein Quadratmeter) ergebe dies 14 000 Tüten in zehn Jahren - so lange sei eine Schwarz-weiß-Folie bei schonendem Umgang wiederverwendbar, betont Zenk und rechnet weiter: Da der deutsche Spargelnormalverbraucher durchschnittlich 2,5 Kilo vertilgt, seien dies - bei einem Ertrag von 5000 Kilo auf einem Hektar - auf 2000 Verbraucher umgelegt, zirka sieben Plastiktaschen in zehn Jahren. "Also eine überschaubare Menge", resümiert Siegfried Zenk.
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