Tettau

Flüchtlinge als "Neubürger" angesprochen

Tettau — Auf Einladung von Bürgermeister Peter Ebertsch (BfT), VdK und evangelischer Kirchengemeinde fand die erste offizielle Begrüßung der Flüchtlinge im Tettauer Rathaus statt. ...
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Tettau — Auf Einladung von Bürgermeister Peter Ebertsch (BfT), VdK und evangelischer Kirchengemeinde fand die erste offizielle Begrüßung der Flüchtlinge im Tettauer Rathaus statt. Anwesend waren - neben dem Gastgeber Bürgermeister Ebertsch - Pfarrer Jörg Zech, VdK-Vorstand Helmut Dietzel, 2. Bürgermeister Falk Wick (FW/CSU/BfT), 3. Bürgermeister Dietmar Schmidt (SPD), Kämmerin Doris Neubauer, Awo-Kreisvorstand Bernd Seitz, der ehrenamtliche Flüchtlingskoordinator in Tettau, Franz Kluge, die Schauberger Helferin Elisabetha Löffler sowie zehn der insgesamt 13 in Tettau lebenden Flüchtlinge aus Albanien, dem Irak und aus Syrien.


"Echte Integration wichtig"

Seit über zwei Jahren werden Flüchtlinge in der Marktgemeinde untergebracht. Bisher waren es Einzelpersonen wie Franz Kluge, Ilona Heimann und Pfarrerin Sigrid Ullmann sowie Mitglieder der islamischen Kulturgemeinde wie Adem Elkol und Adem Sonkaja, die Kontakt zu den Flüchtlingen aufnahmen und versuchten, die Flüchtlinge am Tettauer Dorfleben zu beteiligen.
Wichtig sei nun eine echte Integration, so Ebertsch in seiner Begrüßung. "Was das bedeutet, hat die Marktgemeinde in den 60er- und 70er-Jahren durch Integration der Gastarbeiter aus Portugal, Griechenland und der Türkei gelernt", so der Bürgermeister. Die Marktgemeinde zeige sich deshalb auch heute offen und hilfsbereit gegenüber den Flüchtlingen. Immerhin wurde schon einiges erreicht. So besuchen beispielsweise die Flüchtlingskinder nicht nur den Kindergarten und die Schule, sondern seien auch im Fußballverein. Dabei wurde deutlich, dass es den Flüchtlingen, die Ebertsch bewusst als "Neubürger" ansprach, an vielen kleinen Dingen - wie beispielsweise den Fußballschuhen - fehle.
Bei einer Million Flüchtlingen in Deutschland, die nach Bevölkerungszahl auf die Kommunen verteilt würden, würden auf Tettau circa 30 Personen entfallen. "Diese werden uneingeschränkt freundlich empfangen", versicherte der Rathauschef. Schließlich verstehe man sich in der Marktgemeinde als Teil des geeinten Europa. Allerdings müssten auch die Nachbarländer Verantwortung übernehmen und das entsprechende Flüchtlingskontingent aufnehmen. "Mit den steigenden Flüchtlingszahlen in Deutschland ist auch eine Verunsicherung der Bevölkerung in Tettau zu spüren", so Pfarrer Jörg Zech. Zwei Aufgaben stünden daher an: Aufklärung und Information über die Lage vor Ort sowie die Stärkung und Untermauerung der Bereitschaft, Flüchtlinge aufzunehmen und zu integrieren.


Bündnis lädt ein

VdK-Vorstand Helmut Dietzel verwies darauf, dass bereits 2014 der Volkstrauertag als interreligiöse Feierstunde in und vor der evangelischen Kirche zur Integration genutzt worden sei. Er erinnerte daran, dass in diesem Jahr zum Volkstrauertag am 15. November unter dem Motto "Flucht 1945 - Flucht 2015" sogar ein Bündnis aus Rathaus, evangelischer und katholischer Kirche, islamischer Kulturgemeinde sowie der Verbände VdK und Awo zum interreligiösen Gottesdienst mit anschließendem Gedenken und Informationsveranstaltung im evangelischen Gemeindehaus einlade. Neben Aufklärung und Information sei das Ziel dieser Veranstaltung, öffentlichen Zusammenhalt zu demonstrieren. Awo-Kreischef Bernd Seitz unterstrich die Bedeutung solcher Veranstaltungen. Nach der zunehmenden unterschwelligen Hetze gegen Flüchtlinge, Politiker und den Staat gehe es darum, sich - über die Parteigrenzen, die religiöse Zugehörigkeit oder Herkunft - klar zur demokratischen Grundhaltung zu bekennen. Tettau sei - so bekräftigte 2. Bürgermeister Falk Wick - nicht fremdenfeindlich, sondern wisse sich, gerade ob seiner eigenen Nachkriegsgeschichte, verbunden mit allen, die ihre Heimat verloren haben.


"Mahlzeiten auf dem Fußboden"

Koordinator Franz Kluge gab über die Flüchtlinge Auskunft und erläuterte ihre Lebenssituation. Schließlich kamen die Flüchtlinge - vermittelt durch Übersetzer Reppa Jaffa, der selbst 2014 als Flüchtling aus dem Irak hier nach Tettau kam - selbst zu Wort. Sie hätten, so versicherten alle, in Tettau noch keine fremdenfeindlichen Begegnungen gehabt. Die Wohnlage sei freilich bei den Neuankömmlingen noch provisorisch. Kämmerin Doris Neubauer zeigte sich bestürzt darüber, dass die Mahlzeiten auf dem Fußboden stattfänden und setzte sich dafür ein, dass gleich am nächsten Tag Tisch und Regale in die Wohnung gebracht wurden. In der Pflicht sei hier aber der Vermieter, der dafür vom Freistaat gut entschädigt werde. hs

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