Bamberg
Interview 

"Filiale stand nie zur Disposition"

Die Karstadt Warenhaus GmbH blickt auf zwei Jahre mit heftigen Einschnitten zurück. Auch im Bamberger Haus am Maxplatz gab es einige Veränderungen. Filialleiter Alfons Distler betont, dass alles "sozialverträglich" gelöst wurde.
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Alfons Distler lässt sich von Mitarbeiter Thomas Goppert ein Stück Schokolade geben. Die Confiserie wurde zuletzt vergrößert.  Foto: M. Memmel
Alfons Distler lässt sich von Mitarbeiter Thomas Goppert ein Stück Schokolade geben. Die Confiserie wurde zuletzt vergrößert. Foto: M. Memmel
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Stark angeschlagen war die Karstadt Warenhaus GmbH, als sie im Sommer 2014 vom österreichischen Immobilieninvestor René Benko und dessen Signa-Holding übernommen wurde. Es folgte ein straffes Sanierungsprogramm mit Entlassungen von Personal und Schließungen von Filialen - mit dem Ergebnis, dass es im Geschäftsjahr 2014/15 wieder aufwärts ging.
Der Veränderungsprozess ging auch an der Filiale in Bamberg mit ihrer 130-jährigen Geschichte nicht spurlos vorüber. Seit 18 Jahren wird diese von Alfons Distler geleitet. Der 59-Jährige aus Sigritzberg bei Breitenlesau feiert am 1. Oktober ein seltenes Betriebsjubiläum: Seit genau vier Jahrzehnten arbeitet er dann bei Karstadt.

Inwiefern war die Filiale in Bamberg in den vergangenen zwei Jahren von den Umwälzungen im Gesamtkonzern betroffen?
Alfons Distler: Zunächst einmal ist doch Folgendes wichtig: Die Neuausrichtung von Karstadt läuft erfolgreich. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat das Gesamtunternehmen erstmals Geld über die Ladenkasse verdient. Dazu haben auch wir hier in Bamberg beigetragen. Auch dieses Jahr ist unsere Umsatzentwicklung hier sehr positiv, was aber schon immer der Fall war. Unsere Filiale ist ein erfolgreiches Traditionshaus, das es schon seit 1886 gibt, und die Kunden identifizieren sich mit unserem Haus und es stand nie zur Disposition.

Welche konkreten Veränderungen gab es hier zuletzt?
Wir haben uns komplett neu aufgestellt, das heißt wir arbeiten jetzt unternehmensweit mit völlig anderen Prozessen als früher. Unter anderem haben wir uns in drei Teams spezialisiert, für den Waren-Service, die Kassen und den Verkauf. Früher waren die Mitarbeiter für alles zuständig. Jetzt kümmert sich eine Gruppe ausschließlich um die Warenpräsentation und deren Logistik. Im Kassenteam haben wir Spezialisten fürs Kassieren. Und die dritte Gruppe, der Verkauf, ist nur für die Kundschaft da.

Und wo liegen die Vorteile dabei?
So sind wir insgesamt viel schneller und haben mehr Zeit für unsere Kundschaft geschaffen. Dazu hat übrigens auch beigetragen, dass wir viel Verwaltungstätigkeit abgebaut und eine neue Personalplanung eingeführt haben.

Haben Sie von den Kunden auch schon Resonanz zum neuen System erfahren?
Aber ja! Gerade unsere treuen Bamberger Kunden haben das alles sehr positiv aufgenommen. Zum Beispiel die Einführung der drei Zentralkassen, zwei im Erdgeschoss und eine in der vierten Etage. Die Kunden müssen sich jetzt nicht mehr in jeder Etage einzeln anstellen, sondern können alle ihre Sachen an einem der drei Kassenblöcke bezahlen.

Gab es auch interne Maßnahmen, die für die Kunden nicht sichtbar sind, aber für Sie wichtig waren?
Wir haben zum Beispiel auch die komplette Führungsstruktur verändert. Die Hierarchien sind flacher geworden, jeder hat mehr Verantwortung. Zu meinen bestehenden Aufgaben als Filialgeschäftsführer habe ich noch selbst die Leitung des gesamten Erdgeschosses übernommen. Außerdem haben wir regionale Verbünde gebildet, um näher an die Kundschaft zu rücken. Wir gehören zum Nürnberger Verbund. Jetzt können wir durch die kurzen Wege und vereinfachte Kommunikation viel besser auf regionale Bedürfnisse eingehen. Wir führen hier in Bamberg jetzt zum Beispiel einige neue Marken und Produkte ein, nach denen die Nachfrage besonders groß war. So haben wir auch unsere Confiserie vergrößert und Fahrradzubehör mit ins Angebot genommen - gerade für die vielen Studenten.

Haben die Veränderungen negative Einflüsse auf das Personal gehabt?
Nein, wir konnten das aufgrund von Fluktuation und Altersteilzeit sozialverträglich lösen. Wir haben einen Personalstand von rund 130 Mitarbeitern und derzeit auch fünf Auszubildende. Mein Team hier ist wirklich toll und ich bin sehr stolz, dass wir alle gemeinsam die Veränderungen in den vergangenen Monaten so klasse gemeistert haben.

Grundsätzliche Umwälzungen, wie dass ganze Bereiche abgeschafft werden, gibt es momentan nicht?
Im Gegenteil, grundsätzlich versuchen wir unser Angebot zu verbreitern und nicht zu verkleinern. Wir sind jetzt wieder richtig Warenhaus und bieten alles unter einem Dach und zwar für alle Generationen.

Was macht Ihnen mehr zu schaffen: "Konkurrenz auf der grünen Wiese" oder Onlinehandel?
Mit Karstadt.de sind wir ja selbst im Online-Geschäft und haben das auch mit unserem Click&Collect Service mit den Filialen verknüpft. Die Kunden können online bestellen und ihr Paket dann hier vor Ort abholen. Da werden wir künftig wachsen.
Wenn es auf der "grünen Wiese" immer mehr Neuansiedlungen gibt, die unter anderem mit freien Parkplätzen locken, dann ist das grundsätzlich schon bedenklich. Das kann für Verödung der Innenstädte sorgen. Beispiele dafür gibt es genug. Hier gehört es zu den Pflichten der Politik, den innerstädtischen Handel zu schützen. Hier in Bamberg sehe ich allerdings keinen Anlass zur Sorge.
Die Fragen stellten Marina
Weirich und Michael Memmel

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