Hollfeld

"Fichte braucht Freunde"

Naturverjüngung war das Thema des forstlichen Schulungstages der Waldbesitzervereinigung (WBV) Hollfeld. Der fand dieses Jahr in einem Privatwald bei Wonsee...
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Anhand von im Wald aufgehängten Zeichnungen brachte das Fachpersonal den Waldbesitzern die Naturverjüngung näher.  Foto: p
Anhand von im Wald aufgehängten Zeichnungen brachte das Fachpersonal den Waldbesitzern die Naturverjüngung näher. Foto: p
Naturverjüngung war das Thema des forstlichen Schulungstages der Waldbesitzervereinigung (WBV) Hollfeld. Der fand dieses Jahr in einem Privatwald bei Wonsees statt. Der forstliche Berater vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Bayreuth, Klaus Wagner, freute sich über die rege Beteiligung. Rund 100 Waldbesitzer waren gekommen aus den Forstrevieren Bayreuth, Thurnau, Schederndorf, Waischenfeld und Hollfeld. An vier verschiedenen Stationen konnten die Teilnehmer lernen, wie man eine Naturverjüngung einleitet, wie man sie richtig pflegt oder auch woran sie scheitern könnte.
Die 54-jährige Helga Ebisch aus Poxdorf möchte künftig in ihrem 20 Hektar großen Wald verstärkt auf Naturverjüngung setzen. "Sie ist mit wenig Aufwand verbunden und kostet nichts", sagte Ebisch. Im Gegensatz zu aktiven Pflanzmaßnahmen kommt die Naturverjüngung von alleine, der Schulungswald in Wonsees war das beste Beispiel dafür. An lichten Stellen schossen haufenweise Ahornbäumchen aus dem Waldboden, vom Mutterbaum keine Spur, so weit hatte der Wind die Samen getragen.
Gerhard Lutz, kommissarischer Leiter des Bereichs Forsten am Kulmbacher AELF, erklärt: "Naturverjüngung fördert standortsangepasste Bäume." Angesichts des Klimawandels sollten sich die Waldbesitzer schon heute Gedanken machen, wie es in 30 bis 100 Jahren mit ihrem Wald weitergehen soll. Höhere Temperaturen, lange Trockenzeiten und veränderte Niederschlagsverhältnisse bereiten den Nadelholzreinbeständen, vor allem der Fichte, große Probleme.
"Fichte braucht Freunde", sagte Stationsbetreuer Wilfried Pförtsch. Wer wissen möchte, wie es künftig in seinem Wald aussieht, sollte einfach einen Beratungsförster kontaktieren. Der kann über ein Programm auf dem Feldcomputer Aussagen darüber treffen, welche Baumarten in einem bestimmten Flurstück über die nächsten 100 Jahre Vorteile haben werden. Unter anderem Bodenbeschaffenheit und Klimaprognosen werden dabei berücksichtigt. Pförtsch zufolge wird die Fichte zwar Probleme bekommen, aber in der Mischung hat sie noch ihren Platz. Zum Beispiel seien Linde und Walnuss zukunftsträchtige Baumarten, so Pförtsch.
Ein 63-jähriger Waldbesitzer aus Mistelgau sieht das eher kritisch. "Die Fichte ist als Bauholz wichtig", sagt er. Man wisse nicht, ob man in 20 Jahren Laubbaumarten wie etwa Ahorn gewinnbringend verkaufen könne. Vorsitzender der WBV-Hollfeld, Andreas Knorr, sieht darin kein Problem. "Wichtig ist, dass wir standortgerechte Baumarten haben, den Rest regelt der Markt." Alte Fachwerkhäuser seien aus Buchen- und Eichenholz gebaut worden. Es könne gut sein, dass diese Baustoffe wiederentdeckt würden. Zudem werde Brennholz als Energielieferant immer wichtiger.
Die WBV-Hollfeld ist ein gemeinnütziger Verein, gefördert vom Freistaat Bayern, mit rund 1500 Mitgliedern und 12 000 Hektarn Wald. Lars Andersen, Forstfachlicher Mitarbeiter bei der WBV, erklärt: "Wir sind die Schnittstelle zwischen den Waldbesitzern und der Holzindustrie. Wir kümmern uns zum Beispiel um die Rahmenverträge für die Holzvermarktung, um Rabatte oder Sammelbestellungen." Näheres auf www.wbv-hollfeld.de Adriane Lochner

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