Himmelkron

Fernseher zu laut: Mann schlägt mit Stock zu

Stephan-herbert Fuchs Weil einem Syrer in einer Gemeinschaftsunterkunft in Himmelkron der Fernseher eines Landsmannes zu laut war, griff der 23-Jährige zur ...
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Stephan-herbert Fuchs

Weil einem Syrer in einer Gemeinschaftsunterkunft in Himmelkron der Fernseher eines Landsmannes zu laut war, griff der 23-Jährige zur Selbstjustiz. Er schnappte sich einen Stock und prügelte damit auf sein Opfer ein. Doch nicht genug: Weil er gerade so in Rage war, biss er dem Mann gleich noch mehrere Male in die Finger. Der Mann erlitt zahlreiche Prellungen und mehrere Bissverletzungen. Wegen gefährlicher Körperverletzung wurde der Syrer jetzt vor dem Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten verurteilt.
"Selbstjustiz können wir nicht dulden", begründete Richterin Sieglinde Tettmann ihr Urteil. Wer jemanden mit einem Stock schlägt, mache sich der gefährlichen Körperverletzung schuldig, weil der Stock einer Waffe gleichkommt. Weil der Angeklagte bei der Auseinandersetzung selbst verletzt wurde und er keine Vorstrafe hatte, kam er mit der milden Bewährungsstrafe davon. Allerdings muss er zusätzlich eine Geldauflage von 500 Euro an die Geschwister-Gummi-Stiftung überweisen.
Die erste Meldung bei der Polizei hörte sich noch dramatisch an: "Schlägerei in Asylunterkunft". Wie sich eine Polizistin von der Inspektion Stadtsteinach erinnerte, war die Situation vor Ort dann doch recht ruhig. Eine Rentnerin, die in der Nachbarschaft wohnt, hatte dem Angeklagten inzwischen den Stock abgenommen. Auch auf ärztliche Hilfe hatten beide großzügig verzichtet.


"Kein Respekt vor anderen"

Auf der anderen Seite muss sich der Streit über den lauten Fernseher wohl schon länger hingezogen haben. "Er hat einfach keinen Respekt vor anderen und schaut immer bei voller Lautstärke bis ein Uhr nachts", sagte der Angeklagte. Er dagegen müsse wegen eines Schulbesuches früh aufstehen und habe sein Gegenüber deshalb schon oft zur Rede gestellt.
Davon wollte das 28 Jahre alte Opfer nichts wissen. "Er hat sich nicht beschwert, dass es zu laut ist", sagte der Mann, der zugab, dass er den Angeklagten daraufhin so heftig zur Seite schubste, dass der Angeklagte zu Boden ging.
Auf einen minderschweren Fall für seinen Mandanten plädierte Verteidiger Frank Stübinger aus Kulmbach. Er sah eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu jeweils 15 Euro (1350 Euro) als ausreichend an. Anders Staatsanwalt Frank Böxler: Der Anklagevertreter beantragte eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten. Sicher habe es vorher Streit gegeben, doch beengt seien die wohnlichen Verhältnisse auch wieder nicht gewesen. Darüber hinaus nahm der Staatsanwalt dem Angeklagten übel, dass der sich nicht beim Opfer entschuldigt hatte.
Mit ihrem Urteil von acht Monaten auf Bewährung blieb Richterin Tettmann leicht unter der Forderung des Staatsanwaltes. Wahrscheinlich habe sich der Angeklagte zu Recht über die Lautstärke geärgert, doch Selbstjustiz könne man unter keinen Umständen durchgehen lassen. Ein erneutes Aneinandergeraten der beiden Streithähne ist fast ausgeschlossen. Der Angeklagte steht kurz vor dem Umzug nach Nordrhein-Westfalen. Das Opfer hat innerhalb des Landkreises zwischenzeitlich eine neue Unterkunft bezogen.

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