Haßfurt

Familienstreit eskalierte, endete vor Gericht aber glimpflich

Wer wie der 25-jährige Angeklagte bereits zehn Vorstrafen auf dem Kerbholz und zudem Knasterfahrung hat, über dem schwebt permanent das Damoklesschwert der ...
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Wer wie der 25-jährige Angeklagte bereits zehn Vorstrafen auf dem Kerbholz und zudem Knasterfahrung hat, über dem schwebt permanent das Damoklesschwert der Justiz. Im vorliegenden Fall, der vor dem Amtsgericht in Haßfurt verhandelt wurde, flogen laut Anklageschrift bei einem handgreiflichen Familienstreit die Fetzen, und es wurden Faustschläge ausgeteilt. Nachdem aber alle Beteiligten den jungen Mann entlastet hatten, stellte Amtsrichterin Ilona Conver das Verfahren wegen Körperverletzung mit einer kleinen Geldauflage von 200 Euro ein.
Die Tat ereignete sich am 26. August letzten Jahres gegen 20 Uhr. In dem Wohnanwesen im Kreis Haßberge befanden sich damals neben dem Beschuldigten seine 36-jährige Verlobte sowie ihre Schwester und ihr 78-jähriger Vater. Um zu verstehen, warum es zu dem Zoff kam, muss man wissen, dass sowohl der Angeschuldigte als auch dessen zukünftige Braut jahrelang im Raum Nürnberg lebten und dort tief ins Drogenmilieu verstrickt waren.
Der Angeklagte und alle Familienmitglieder präsentierten dem Gericht in Haßfurt folgende Version des Tatablaufs: Die hochschwangere Verlobte wollte alte Freunde in Nürnberg besuchen. Daraufhin schritt der Angeklagte, von dem sie schwanger war, ein und verbot ihr, in die Frankenmetropole zu fahren.
Sein hehres Motiv: Er wollte verhindern, dass seine Freundin im alten Bekanntenkreis wieder zum Rauschgift greift und damit das ungeborene Kind schädigt.
Als sich dann die Schwester und der Vater der Schwangeren einmischten, blieb es nicht bei gegenseitigen lautstarken Beschimpfungen, sondern der Mann wurde handgreiflich und gewalttätig. Nach dem von Ilker Özalp für die Staatsanwaltschaft verlesenen Anklagesatz schlug der 25-Jährige wild um sich, traf den Rentner mit der Faust im Gesicht und würgte ihn, indem er ihn am Hals packte. Schließlich sei er sogar in die Küche gegangen, habe aus der Schublade ein Messer geholt und allen gedroht, sie umzubringen.


Alles halb so schlimm?

Der in den Zeugenstand gerufene Senior hätte am liebsten gar nichts ausgesagt. "Das ist doch mein zukünftiger Schwiegersohn, da will ich Frieden in der Familie", erklärte der betagte Mann. Außerdem, schob der Zeuge nach, seien sie alle bei der Polizei gewesen und hätten dort erklärt, dass alles nur halb so schlimm gewesen sei.
Die Richterin klärte ihn auf, dass er als Vater einer Verlobten kein Aussageverweigerungsrecht habe und dass "eine einmal gestellte Anzeige zum Selbstläufer" werden kann, wenn sie erst einmal bei der Staatsanwaltschaft gelandet ist.
Zur öffentlichen Hauptverhandlung wäre es wahrscheinlich gar nicht gekommen, hätte der Mann nicht bereits zehn Vorstrafen im Register stehen. Darunter befinden sich zwei einschlägige Verurteilungen wegen Körperverletzungen, und zweimal wurde er jeweils zu einem Vierteljahr Gefängnis ohne Bewährung verdonnert. Momentan befindet er sich in einer stationären Drogentherapie. Der Anklagevertreter Ilker Özalp redete dem Mann ins Gewissen: "Sobald Drogen im Spiel sind, beginnt die Abwärtsspirale!" Er appellierte an den jungen Mann, die Drogentherapie durchzustehen und die Finger von Betäubungsmitteln zu lassen. ks/mw
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