Bamberg

"Familie stärken und fördern"

In der Jahresschlussandacht im vollbesetzten Dom stellte der Erzbischof Ehe und Familie in den Mittelpunkt seiner Predigt. Er appellierte an die Politik, Familien besser zu berücksichtigen.
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Die Mädchenkantorei gestaltete die Jahresschlussandacht im Dom mit.  Foto: Pressestelle des Ordinariates/Hendrik Steffens
Die Mädchenkantorei gestaltete die Jahresschlussandacht im Dom mit. Foto: Pressestelle des Ordinariates/Hendrik Steffens
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Erzbischof Ludwig Schick schlug in seiner Predigt zum Jahreswechsel Pflöcke ein, die als Wegmarkierung in das Jahr 2016 dienen können. Dabei waren es mehr die leisen Töne, die Nebensätze, die die vielen Besucher dieser Jahresschlussandacht im Dom aufhorchen ließen.
Ehe und Familie war Schicks Generalthema, ganz im Sinne von Papst Franziskus, der erst vor wenigen Tagen das "Jahr der Barmherzigkeit" und die Familie miteinander verbunden hatte. Der Erzbischof zitierte päpstliche Kernaussagen: "Verlieren wir nicht das Vertrauen in die Familie." "Möge im Jahr der Barmherzigkeit jede christliche Familie ein bevorzugter Ort sein, wo man die Freude der Vergebung erfährt."


Schick beklagt "Unschuldswahn"

Ohne Versöhnung, fuhr Schick mit eigenen Worten fort, könne Familienleben und Ehe nicht bestehen: "Schuld anerkennen ist ein großes Problem in unserer Gesellschaft, viele sind von einem Unschuldswahn beschlagnahmt", beklagte der Erzbischof.
Zudem gebe es nicht nur Gewalt gegen Ausländer und deren Einrichtungen, in Schulen, durch Shitstorms oder Mobbing, sondern auch in Familien: "Jede Ehe und jede Familie braucht Barmherzigkeit im Füreinander und Miteinander." Familie sei Ort und Hort der Erziehung zur Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit, zum Verständnis zur Versöhnung und zur Liebe, zur gewaltlosen Konfliktbewältigung durch Gespräche, ergänzte Schick.
Trotz veränderter Zeiten, die von Mobilität, den Medien, der längeren Lebenszeit, der Individualisierung geprägt seien, "ist es möglich, Ehe und Familie zu leben", so der Erzbischof. Dabei sei es notwendig, sich von manchen verkehrten Auffassungen zu befreien, etwa von der Gen-dertheorie, die keinen Unterschied zwischen Mann und Frau mehr zulassen wolle und diesen nur noch als Produkt von Erziehung, Umwelteinflüssen und öffentlicher Meinung sehe: "Wir wollen Gleichberechtigung der Geschlechter, aber nicht Gleichheit der Geschlechter", betonte der Prediger. Wer die Gleichheit der Geschlechter propagiere, leugne den Schöpfungsplan Gottes: "Als Mann und Frau schuf er sie, damit sie sich ergänzen, sich die Fülle des Lebens schenken und neues Leben in ihren Kindern zeugen."
Ein bischöflicher Fingerzeig war auch der Hinweis auf Artikel 6 des Grundgesetzes "Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung." Schick: "Damit ist die Ehe von Frau und Mann gemeint", ein leicht zu überhörender Einschub, mit dem der Erzbischof seine Position zu Forderungen nach Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften unterstrich.
Er nahm die Politik in die Pflicht, Familien beim Steuerrecht und den Rentenansprüchen besser zu berücksichtigen. Auch im Arbeitsrecht müsse mehr Rücksicht auf Familien genommen werden. "Familien haben für die Gesellschaft eine einzigartige Bedeutung, dem muss die Politik heute entsprechen", forderte Schick. Denn "ohne Familie ist kein Staat zu machen".


Kommt das Positive zu kurz?

Der Erzbischof rief dazu auf, in der Öffentlichkeit mehr positiv über die Familie zu reden. Es sollte nicht nur über gescheiterte Ehen und zerrüttete Familien gesprochen werden, sondern auch über die vielen harmonischen Familien: "Glückliche Familien gibt es viel mehr, als die Öffentlichkeit wahrnimmt", so Schick und ermunterte dazu, im neuen Jahr Familien besser zu stärken und zu fördern "für Gesellschaft und Kirche".
In die Gebete, Lesung, Lieder und Fürbitten dieser Andacht war all das hineingelegt, was das alte Jahr an Sorgen, Nöten, aber auch Schönem gebracht hat. "Wir wissen nicht, was 2016 bringt", räumte Erzbischof Schick ein. Doch "wir als Christen dürfen das neue Jahr und unsere Gegenwart Gottes Fürsorge, Gnade und Liebe anvertrauen". Sein abschließender Wunsch für alle war ein "glückseliges Jahr" 2016
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